Wie läuft eine BDSM Session ab?

Auch wenn es natürlich schwierig ist, da jeder Mensch seine ganz persönlichen Vorlieben hat, möchte ich versuchen den grundlegenden Ablauf einer BDSM Session zu beschreiben. An einigen Stellen treten natürlich meine persönlichen Vorlieben in Erscheinung, da es keinen Standartspielplan gibt.

Schon einander zu finden ist in unserer etwas verborgenen Welt nicht immer ganz einfach. Es gibt nur wenige Orte, an denen wir frei sagen können wie wir empfinden und was uns sexuell erregt. Anders als ein Vanilla kann ich nicht einfach eine hübsche Frau auf der Straße ansprechen, denn mein Appetit würde auf eine Vanilla verschreckend wirken, so wie auf mich wenn mich ein Homosexueller anbaggern würde.

Aber auch wir haben Orte an denen wir uns begegnen, wir haben unsere für Vanillas unsichtbaren Zeichen, unsere Stammtische in Kneipen, wir haben unsere Clubs -wenn auch meist etwas versteckt- und wir haben unseren großen verbündeten, das Internet.

Hat man einander kennengelernt, beginnt meistens eine intensive Phase in der man die eigenen Phantasien, Wünsche und Neigungen mit denen des anderen abgleicht. Nicht selten gehen einer Session unzählige E-Mails, Telefonate und meistens auch ein Treffen in der Öffentlichkeit voraus. Dies erfüllt nicht nur den Zweck, zusehen ob man miteinander „Kompatibel“ ist, sondern baut auch das Vertrauen auf, dass der devote Partner braucht, um sich in der Session wirklich fallenlassen zu können.

Vor allem, wenn man sich noch nicht so gut kennt, ist es üblich das was in der Session passieren darf vorher genau abzusprechen. Hat man einander wirklich kennengelernt, also nach Monaten oder Jahren, wird dieses Absprechen bei einigen durch eine Art Vertrag, den sogenannten „Sklavenvertrag“ allgemein fixiert, so dass ein individuelles Absprechen vor einer Session nicht mehr nötig ist.

Vor einer Session wird ein Code Wort vereinbart, dass die Session sofort abbricht, der devote Partner gibt also die Kontrolle nicht total auf, sondern kann wenn ihm die Session gegen seine Vorstellungen verläuft bzw. seine Grenzen zu überschreiten droht, diese abbrechen. Bei diesem Wort handelt es sich um ein Wort, dass im normalen Verlauf der Session nicht vorkommen wird. Nadine nutzt als Code Wort z.B. einfach „Code Wort“, das ist unmissverständlich und kommt in einer Session normal nicht vor.

(Fortgeschrittene Paars unterscheiden außerdem oft auch SoftOff und HardOff, wobei ein SoftOff signalisiert, dass der Sub in diesem Moment seine Grenze erreicht hat, aber die Session nicht abbrechen möchte sondern eine Pause braucht und dem HardOff dass dem Code Wort zuvor gleichkommt.)

Sind alle Vorbereitungen abgeschlossen. Es wurde besprochen, was geschehen darf, wie der Sub notfalls abrechen kann etc. kann die eigentliche Session beginnen.

Meistens wird die Session durch einen klaren Akt begonnen, in dem der devote Partner seine Gleichberechtigung symbolisch aufgibt. Auf diese Weise ist es für beide leichter in ihre Rollen zu kommen. Beispielsweise stellt man sich vor den Sub und beginnt mit einem deutlichen Befehl wie „Knie dich hin! Sieh zum Boden!“. In diesem Moment wird das Machtgefälle deutlich, es gibt klare Ansagen, ein würdest du bitte, könntest du, das würde das Machtgefälle aufheben. Es ist wichtig hinter diesen aussagen mit Selbstbewusstsein zu stehen. Ein halbverschluckter Befehl zeugt davon, dass man sich seiner Sache nicht sicher ist, ein Sub wird kaum in seine Rolle finden können und das Spiel wird für beide nicht zu dem werden was sie sich erhoffe.

Nun wird der Dom versuchen den Sub vollständig unter seine Gewalt zu bringen, den Sub immer tiefer in seine Rolle zu werfen, bis er seine Selbstständigkeit soweit aufgibt dass er geführt werden kann. Um dies zu erreichen, ist viel Vertrauen des Sub in den Dom nötig, im Grunde kann man den Sub nicht zwingen sondern nur anleiten in seine Rolle zu finden.

Hat man den Punkt erreicht, der natürlich je nach persönlichen Erfahrungen und Neigungen variieren kann, ab dem der Sub unterworfen ist, kann  man beginnen seine Unterwürfigkeit zu testen, ihn beweisen lassen wie weit er bereit ist für einen zu gehen oder für Fehlverhalten bestrafen. Die Möglichkeiten sind dabei sehr groß, ob durch Fesseln die Hilflosigkeit herauszustellen, zu demütigen, schmerzen zuzufügen oder ganz anderen Vorlieben nachzugehen.

Hat der Sub einen Fehler gegangen oder hat er einem, vor der Session im Vorgespräch erzählt, dass er einen Fehler begangen hat wird dieser nun durch Züchtigung bestraft werden. Nutzt man bei einem unerfahrenen Sub vielleicht nur die Hand um ihm den Hintern zu versohlen, wird man dies bald steigern können. Ob Rohrstock, Gerte, Peitschen oder heißes Kerzenwachs, ob Arsch, Brüste oder Bauch wird sich die Grenze des devoten Stück für Stück verschieben und der Lustgewinn für beide immer weiter steigern.

Werden der Session gibt es oft auch Sex, oder andere sexuelle Stimuli. Dabei obliegt es dem top, ob der dem Bottom den Höhepunkt gestattet oder nicht. Oftmals muss der Sub darum bitten kommen zu dürfen, die flehenden Augen wenn der Orgasmus kaum noch aufzuhalten ist und man gnädig ist und den Sub seinen Spaß haben lässt sind nicht selten ein emotionaler Höhepunkt der Session ebenso wie die Demütigung im Gesicht des Sklaven abzulesen wenn man ihm einen Orgasmus verweigert hat.

Ist die Session zu Ende, wird der Bottom aus seiner Rolle befreit. Auch hierfür eignet sich ein symbolischer Akt, etwa den Knieenden Sub vor einem wieder aufstehen zu lassen und gleichzeitig den Tonfall massiv zu verändern und zu sagen, dass er jetzt wieder gleichberechtigt ist. Ich habe festgestellt, dass es so für den devoten am leitesten ist, wieder in seine normale „Alltagsrolle“ zurückzufinden.

Nach der Session unterhalte ich mich gerne noch mit meiner Partnerin. Es liegt in diesem Moment eine unfassbare Euphorie in der Luft. Die Frauen -in meinem Fall- wirken oft wie losgelöst, gehen aus sich raus, man spürt ihrem Blick an, dass sie wissen was sie wollen. Selbst eine eigentlich total schüchterne Frau spricht mit fester Stimme, ihre Bewegungen wirken kraftvoll und zielstrebig.

Ich glaube, dass eine Session etwas von einer Trance hat, sie ist für alle beteiligen ein Zustand eines besonderen Glücksmomentes. Man löst sich für eine begrenzte Zeit vollkommen von seinem Alltag. Vergisst, alle Sorgen, alle Ängste, allen Frust und spürt eine unglaublich intensive Selbstzufriedenheit. Nicht nur als Top sondern auch als devoter Partner kann man, wenn man wirklich seine ganz persönlichen Fantasien auslebt, etwas erleben, was einen Verändert, selbstbewusster macht, selbstzufriedener macht.

XK

11 Gedanken zu „Wie läuft eine BDSM Session ab?

  1. Ich kann mir kaum vorstellen, jemals so etwas zu machen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es einem ein ganz anderes Selbstvertrauen gibt. Zu sein wer man ist und Erniedrigungen von Kollegen im Büro einfach nicht mehr an einen ran zu lassen, weil man weiß was Erniedrigung wirklich ist.

    Ich kann mir nur nicht vorstellen, dass es meine sexuelle Lust steigert, wenn mich jemand schlägt.

  2. Geschlagen oder Gekratzt zu werden gibt mir im sexuellen Bereich, das Gefühl von Leidenschaft. Und genau das ist der Sinn des Geschehen. Einfach sich fallen lassen.

  3. *g* schön umschrieben, mehr wüsst ich da auch nicht beizufügen, allerdings kann ich mir vorstellen das so manche die im Alltag ein gewissen Mobbing erleben müssen, nicht wirklich die Vorstellung haben sich einem anderen sexuell zu unterwerfen, wobei man schon auch sagen muss das des eine mit dem anderen ja schliesslich nichts zu tun hat, aber das muss an sich jeder und jede selber mal rausfinden, ist es doch die eigentliche Frage die zu stellen wäre

    „Hast Du den Mut?“

    LG
    s29

    • Hey,

      vielen Dank für einen Kommentar 🙂

      Ich denke auch, dass Mobbing das Kopfkino ganzschön versauen kann 😉

      Naja – ich denke, dass devote Menschen unbewusst auch im Alltag hin und wieder von ihrer Neigung beeinflusst werden und darum kommt es sicher leichter zu Mobbing als bei einem unbewusst dominanten.

      Kennt man seine Neigung, weil man sie erlebt hat/auslebt, dann kann man im Alltag besser damit umgehen und verstehen wieso etwas gerade passiert ist und wie man es vermeiden kann…

      Ich glaube die Frage ob man den Mut hat – die ist Zentral, wenn man sich wirklich darauf einlassen will.

      Ich habe damals einige Zeit gebraucht, bis ich meinen Mut zusammen hatte 😉

      Lg

    • Hallo,

      entschuldige die späte Antwort! Wir haben unseren Blog in den letzten Tagen etwas alleine gelassen :-/

      Prinzipiell ist es natürlich auch möglich eine Session mit zwei Sklavinnen durchzuführen. Wir haben das auch schon einige Male gemacht. Wichtig ist dabei einfach, dass alle 3 damit einverstanden sind und es sollte natürlich auch ein gewissen Wissen auf der Dom-Seite vorhanden sein, da er ja die Aufmerksamkeit auf zwei Personen aufteilen muss.

      Aber rein von der technischen Seite steht dem nichts im Weg… es ist einfach eine persönliche Frage, ob man das mag oder nicht 😉

      Liebe Grüße

      Nadine

  4. Sehr gut beschrieben, ich soll gerade einer Bekannten schildern, wie denn so eine Session bei mir abläuft (Ja, natürlich ist sie neugierig, und ja, natürlich hoffe ich, sie will sie mit mir ausprobieren, da gibts gar kein abstreiten), und bevor ich lang zusammenschreibe, sende ich ihr dies hier. Gut finde ich, dass der Autor einen Unterschied zwischen hard und Soft-Out macht, denn das habe sie angeblich noch nie gehört und es wäre eine Herausforderung für sie, es zu testen, also sich zumindest an das Soft-Safeword heranzutasten, was ja durchaus auch in meinem Sinn läge. Danke für die gute und sehr elegante Umschreibung, auch dessen, wie es der Frau danach geht, das kann ich zu 100% bestätigen! m

    • Hallo,

      vielen Dank für das Lob 🙂

      Es ist tatsäschlich manchmal gar nicht so einfach diese Dinge auf den Punkt zu bringen, da brauchen wir auch mal ein bisschen für. Wobei du vielleicht die Unterschiede zu einer Session von dir selbst hervorheben solltest, soweitt es denn welche gibt – oder ob du irgendwas anders machen würdest…

      Es wäre schön, wenn du auch den Ursprung des Textes nennenst, denn wir hatten in der Vergangenheit schon Leute, die unsere Texte als die Ihren ausgegeben haben und dann kommt es manchmal zu seltsamen Situationen – außerdem ist offenheit gerade im BDSM Kontext ja sehr wichtig….

      Ich wünsch dir jedenfalls viel Erfolg 🙂

      Liebe Grüße

      Nadine

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