Manche Tage haben 30 Stunden

Lange quälte mich der Blick auf mein Handy. Kein Zeichen meines liebsten, keine Nachricht, keine Aufgaben die ich zu seiner Zufriedenheit erfüllen müsste. Ein Großprojekt ließ mich unwichtig erscheinen. Ich hasste diese Projekte, die alle Aufmerksamkeit meines Herrn auf sich zogen und mich zu Luft in seinen Gedanken werden ließen.

Heute brach der Tag der Entscheidung an, heute würde sich endlich entscheiden wann ich wieder sein liebstes Spielzeug werde. Ich spitzte meine Ohren um das Klingeln des Handy auf keinen Fall zu verpassen, ich bin hibbelig und aufgekratzt. Wann immer es Klingelte schnelle mein Puls in die Höhe, meine Hände werden feucht und jedes Mal ist die Enttäuschung riesig, wenn ich auf das Display sehe. Traurig starre ich am Abend das Handy an. Nichts.

Am nächsten Morgen als ich beim Frühstück bin, vibrierte plötzlich das Handy und ich ließ vor Schreck das Messer fallen. Der ganze Tisch schien zu vibrieren. Ich blickte gespannt  auf das Display, mein Herz begann zu beben, endlich meldete er sich. Seine Anweisung ließ wie immer viel Raum für meine Gedanken, ich sollte für eine ganze Woche packen. Sofort begann ich meinen Koffer zu packen, ich ahnte, dass er schon bald vor meiner Tür stehen würde. Ich überlegte, was er wohl mit mir vorhatte, was ich einpacken sollte. Hastig packte ich meinen kleinen silbernen Trolley, lehnte mich mit meinem ganzen Oberkörper auf ihn, damit er endlich ins Schloss fallen wollte.

Ich flitzte zurück zum Tisch, stopfte das Frühstück in mich hinein, wer weiß wann ich das nächste Mal etwas zu Essen sehen würde. Ganz zu schweigen ob ich es essen dürfte. Ich machte einen kurzen Abstecher ins Bad und – oh verdammt – schon klingelte es an der Tür.

Ich flitzte zur Tür, atmete tief durch und öffnete. Mein Herr lächelte mich an, ich konnte nicht anders, ich umarmte ihm und gab ihm einen Kuss. Er ließ mich gewähren, dann sah er mich streng an und fragte ob ich fertig sei. Ich nickte und griff nach meinem Koffer und das vor der Tür wartende Taxi eilte zum Flughafen.

Auf der Fahrt fällt es mir unendlich schwer meine Hände bei mir zu behalten. Über drei Wochen haben wir uns nicht mehr gesehen. Ich blicke ihn an, er verbirgt sein Augen hinter einer dunklen Sonnenbrille und ich überlege wo er mich hinbringen wird. Als wir im Terminal sind, muss ich am Eingang warten, er nimmt meinen Koffer geht zum Schalter. Als er mich abholt und wir zur Longe laufen versuche ich einen Blick auf die Tickets zu werfen, aber er ist so gemein und lässt mich mit meinen Überlegungen alleine. Nach einer gefühlten Ewigkeit voller Überlegungen gelingt es mir endlich, einen Blick auf die Tickets zu erhaschen LH400 10:20, der Monitor verrät, dass wir in die Stadt fliegen, in der wir uns das erste Mal trafen.

Ich lasse mich in den Sitz fallen und genieße den Start, achteinhalb Stunden werde ich neben meinem liebsten verbringen. Ich beobachte ihn, ich denke darüber nach, wann ich ihn das letzte Mal in einer Jeans gesehen habe, ich verfolge seinen Gesichtsausdruck als er das Bordessen mit der Gabel mustert. Verblüfft sehe ich auf die Uhr als wir zur Landung ansetzen, die Zeit ist unglaublich schnell vergangen, ohne dass ich auch nur ein einziges Mal drangsaliert wurde. Meine Augen lassen seine Hände nicht mehr aus dem Blick, sicher hat er noch eine Gemeinheit für mich vorgesehen. Ich beobachte wie er nach meiner Handtasche greift, hab ich es doch geahnt, ungläubig beobachte ich wie er nur die SIM-Karte austauscht. Nach der Landung inspiziere ich meine Handtasche ganz genau, doch ich kann nichts auffälliges feststellen. Wir passieren die Schlange am Zoll ohne Vorkommnisse, ich bin immer noch misstrauisch, doch wir erreichen ohne jede Gemeinheit das Hotel und geben unsere Koffer ab. Nach einer kurzen Dusche brechen wir in die Stadt auf, mein Herr geht mit mir shoppen, ich werde immer misstrauischer, doch es gelingt mir nicht seinen Plan zu entschlüsseln. Plötzlich bricht Panik in mir auf, ich greife nach meinem Portmonee und ahne böses, doch meine Kreditkarte ist wo sie sein sollte. Er grinst mich an. Wir streifen durch die Stadt.

Ich überlege, ob wir wirklich einfach nur auf einem Einkaufsbummel sind und genieße es, nach Herzenslust durch die Geschäfte streifen zu dürfen.

Doch schon bald werde ich lernen, dass alles seinen Preis hat und das große Einkaufstaschen einen besonders schmerzhaften haben können. (zweiter Teil folgt)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s