Ausgeliefert

Der Geschmack von Orangensaft auf meinen Lippen war die wohl angenehmste Art geweckt zu werden, die ich je erfahren durfte. Meine Zunge leckt nach den letzten Resten die meine Lippen benetzen, langsam öffne ich die Augen. Ich blicke auf meinen Liebsten, sein Finger rührt ein Glas Orangensaft bevor er sich wieder meinen Lippen nährt. Meine Zunge giert nach den wenigen Topfen, meine Lippen liebkosen seine Hand, seinen Arm, ganz langsam nähren sie sich seinem Mund.

Ich genieße die zärtliche Seite meines Herrn, wie er langsam und sanft meinen Körper berührt. Wenn aus dem Spielzeug die Geliebte wird. Ich beobachte, wie er kleine Stücken aus dem Brötchen rupft, mit Erdbeermarmelade überzieht und mir in seiner Hand zum Beißen überlässt.

Als ich auf die Uhrblicke merke ich, dass es schon bald Mittag ist. Unwillig verlasse ich das Bett und stelle mich unter die Dusche. Der zweite Tag unserer Reise beginnt.

Als ich die Dusche verlasse und mich anziehen will, bemerke ich, dass meine Kleidung verschwunden ist. Ich rufe nach meinem Liebsten doch erhalte keine Antwort. Ich wickeln mich in das einzige Handtuch ein das ich mit im Bad hatte. Langsam schleiche ich mich in den Raum. Doch wo meine Augen auch suchen, können sie nichts entdecken. Keinen Laptop, kein Handy, keine Kleidung, keinen Koffer. Das ganze Zimmer ist ausgeräumt. Ich blicke auf die Uhr und schlagartig pocht es in meinem Kopf, dass er ausgecheckt hat. Mir wird heiß, mein Herz beginnt zu rasen. Ich stehe mit einem Handtuch, ohne Ausweis und Geld in einem Hotelzimmer. Ganz langsam steigt Panik in mir auf. Ich kann es nicht fassen, dass er mir das antut. Noch vor einem Augenblick hat er mich geküsst, zart meine Schultern massiert und jetzt lässt er mich so zurück. Mit einer Hand halte ich das Handtuch fest und beginne mit der anderen das Zimmer zu durchsuchen. Ein Hinweis, eine Nachricht, wenigstens ein paar Schuhe, doch ich finde absolut nichts.

In meinem Kopf machen sich erste Schreckensszenarien breit. Ich überlege, ob er das Zimmer wohl bezahlt hat. Was wenn gleich der Hotelmanager kommt, ich stelle mir die peinlichsten Momente vor die mein Hirn hervorbringen mag. Mein Kopfkino beginnt die Nadine Horrorshow.

Ich sage mir, dass er mich nicht so zurücklassen würde. Doch je länger ich in meinem Handtuch dasitze desto mulmiger wird mir. Vielleicht hat er mich doch zurück gelassen. Mir läuft es kalt den Rücken herunter. Ich werde wütend. Es ist einfach unfassbar, so kann er mich nicht behandeln. Das habe ich nicht verdient. Doch dann wird mir klar, dass ich mein Schicksal akzeptieren muss. Mein Herr hat entschieden und ich werde mich fügen. Langsam werde ich wieder ruhig. Ich atme tief durch, schließe die Augen und lasse mich in das Bett fallen. Ich warte ab was passieren wird.

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