Käfig aus Gedanken

Mit nichts als einem Handtuch wurde ich im Hotel zurück gelassen. Ich habe das Zimmer bis auf den letzten Spalt durchsucht, doch ich konnte keinen Hinweis auf den Verbleib meines Herrn oder meiner Sachen finden. Ich liege auf dem Bett und starre die Decke an. Wenn ich auf dem Gang Stimmen vernehme, schnellt mein Puls in die Höhe und mein Verstand beginnt die schrecklichsten Szenarien auszumalen, was gleich geschehen wird.

Als ich heute Morgen in der Dusche war, hat er das Zimmer ausgeräumt und mich einfach ohne jede Nachricht zurück gelassen. So dazuliegen, nicht zu wissen was geschehen wird, die vollkommene Ungewissheit, lässt die schrecklichsten Überlegungen durch meinen Kopf sausen.

Ich bin gefangen ohne das die Tür verschlossen ist. Meine Vorstellungen von dem was geschehen wird, wenn ich vor die Tür trete, lässt mich ein Gefängnis aus Gedanken bauen. Ich stehe am Fenster und starre hinaus in die Stadt. Ich beobachte die Menschen, wie sie Joggen, wie sie hastig vorbei eilen, wie sie Hand in Hand die Straße entlang schlendern. Ich schmeiße mich wieder aufs Bett und starre an die Decke, ganz leise kann ich den Klang der Stadt hören, die Sirenen, die Hupen, den Sound der schönsten Stadt der Welt. Und ich liege hier und kann nicht raus.

Mir stockt der Atem, ich höre Geräusche vor der Tür, jemand wird reinkommen, vielleicht ein Zimmermädchen das das Zimmer, aus dem er ausgecheckt hat, saubermachen will, oder neue Gäste, oder ist es doch er. Stimmen, es sind mehrere, mein Herz beginnt zu rasen, mein Verstand spielt unendliche viele Variationen des nun folgendem, des unausweichlichen, durch.

Nichts passiert. Ich bin wie gelähmt.

Die Zeit scheint stehengeblieben zu sein. Ich starre die Uhr an. Es ist, als würde der Sekundenzeiger an einem Gummiband hängen und es kaum zur nächsten Sekunde schaffen. Ich weiß nicht ob ich es gut oder schlecht finden soll, dass die Zeit so langsam vergeht. Ich starre wieder an die Decke, immer wieder höre ich Geräusche, nur langsam kann ich meinen Kopf beruhigen, dass nichts geschehen wird.

Ich fühle mich so unglaublich ausgeliefert, so verletzlich, so schwach.

Immer wieder höre ich Schritte auf dem Gang, einen Putzwagen vorbei rollen, Stimmen, Gelächter. Lachen die über mich? Kommen die meinetwegen? Mein Verstand ist am Ende, ich bin am Ende, ich kann nicht mehr. Ich liege da, ich sehe, wie die Sonne langsam hinter den Wolkenkratzern verschwindet und mein Fenster in Schatten taucht. Der Tag beginnt sich dem Ende zuzuneigen und ich weiß nicht was ich machen soll. Ich fühle mich so hilflos. Ich fühle mich so alleine auf der Welt. Ich sitze auf der Bettkante und denke darüber nach, was ich bloß mache, wenn er Morgen noch immer nicht zurück ist. Wenn ich für alle Zeit in einem Handtuch hier sitzen werde. Mir ist zu heulen.

Plötzlich und ohne Vorwarnung ein Geräusch an der Tür. In mir steigt Panik auf, ich will weg, aber wohin? Mein Herz beginnt zu rasen, ich kann seinen Schlag fühlen. Ich bekomme kaum Luft. Ich fühle, wie mein Magen binnen eines Sekundenbruchteils flau wird. Jemand steckt eine Zimmerkarte in das Schloss. Panisch springe ich auf, ich will im Boden versinken.

Dann erblicke ich meinen Herrn, schluchzend, tränenüberströmt falle ich in seinen Arm. Ich halte ihn ganz fest. Ich will, dass er mich nie wieder verlässt. Ich fühle seine Hand, wie sie zart meinen Körper streichelt. Er sieht mir direkt in die Augen, ich muss wieder weinen und umklammere seinen Körper. Ich will ihn riechen, ich will seine Wärme spüren, ich will die Welt um mich vergessen. Ich will nur bei ihm sein. Der Moment in dem ich ihn umklammere scheint ewig zu halten, ich fühle seine Hand in meinem Rücken, erst ganz langsam kann ich mich wieder beruhigen.

Kalt fragt er mich, was ich denn den Tag über so gemacht habe, ich würde am liebsten wieder losheulen. Er streichelt mein Gesicht, langsam berühren sich unsere Lippen. Er öffnet mein Handtuch und nimmt sich, was er will.

Wir liegen im Bett. Noch immer wollen meine Arme seinen Körper umklammern. Er sagt, dass er eine Suite weiter oben in Hotel gemietet hat. Meine Sachen sind dort und ich müsste wohl auch hoch wenn ich nicht die Nacht alleine hier verbringen wollte. Doch an der Seite meines Herrn fühle ich mich stark, ich binde mir das Handtuch um, ich atme tief ein und wir gehen durch die Zimmertür. Zwei Hotelgäste stehen auf dem Flur und blick mich verwundert an als wir auf den Aufzug warten. Im Aufzug stehen zwei ältere Damen und starren mich an. Wir steigen ein, plötzlich ergreift mein Liebster das Wort. Ausgeraubt! Bis auf die Unterwäsche! Seien Sie lieber vorsichtig!

Mit entsetztem Gesicht lassen wir die Damen zurück. Mein liebster reicht mir die Zimmerkarte und ich öffne die Tür. An der Wand steht mein armer kleiner Koffer, ich laufe los und halte ihn ganz fest. Mein Liebster zeigt Richtung Bad, damit ich mich frisch mache. Ich schleppe meine Koffer mit ins Bad, mein Liebster grinst.

Nach einem Wasserfall warmen Wassers und mit einer Extraschicht Kleidung lasse ich es mir im Restaurant gutgehen. Den ganzen Tag habe ich nichts gegessen. Ich fühle wie mit jedem Bissen meine Lust auf eine lange wilde Nacht steigt.

Wir besuchen einen bekannten Club und lassen es uns bei einigen Cocktails gutgehen.

6 Gedanken zu „Käfig aus Gedanken

  1. „Ich schleppe meine Koffer mit ins Bad, mein Liebster grinst“ dieses ganze Erlebnis, zwischen herzhaftem Lachen, trockenem Hals und richtiger Lust hab ich bisher alles genossen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s