Verdienter Schmerz

Der dritte Tag unserer Reise beginnt. Das gleißende Licht der Sonne zwängt sich durch meine geschlossenen Augenlider. Ich drehe mich um, als ich meine Augen öffne sehe ich meinen Liebsten mit einer Tasse Kaffee etwas an seinem Notebook lesen. Seine Mimik schwankt stark mit den Zeilen, langsam schleiche ich mich an, meine Lippen wollen ihn begrüßen, er schlägt das Display zu, gibt mir einen Kuss und steht auf. Mein Arm greift ins Leere.

Nach einer Weile höre ich seine Stimme, ich schlage die Augen auf. Er steht im dunklen Anzug vor mir und bindet seine Krawatte. Er sagt, dass er Geschäftlich zu tun hat, ich fühle wie er meine Decke zu meinen Füßen hin wegzieht. Nur mühsam kann ich mich aus dem Bett schälen.

Nach dem ich geduscht und angezogen bin schleiche ich mich von hinten an ihn heran. Ich lehne mich an seine Schulter, ich will ihn nicht verlassen, ich will bei ihm bleiben. Doch sein Blick ist streng, ich weiß dass ich gehen muss. Langsam hole ich meine Handtasche und gehe langsamst Richtung Tür in der Hoffnung, dass er mich doch dabehalten wird. Plötzlich erklingt seine Stimme, warte, ich drehe mich freudestrahlend um doch seine Augen verraten mir, dass mein Hoffnung enttäuscht werden wird.

Er hält mir seine Kreditkarte entgegen, ich blicke sie an, ich höre seine Stimme sagen, dass ich kaufen darf was ich will, doch dass alle 10 Dollar einen Schlag auf meinen Allerwertesten bedeuten. Ich streife durch die Stadt, ich bin hin und her gerissen, zwischen einem Shoppingexzess, zwischen richtig Geld verprassen um ihm eins auszuwischen und der Konsequenz die dies für mich haben wird. Ich frage mich, ob er mir wirklich 500 Schläge verpassen würde. Ich betrachte meinen Hintern in einem Schaufenster und beschließe es lieber nicht zu riskieren. Er ist hinterhältig, gemein und gerissen, sicher hat er bedacht, dass ich das machen könnte.

Ich sehe eine Handtasche die ich unbedingt bräuchte, doch sie kostet 62 Schläge, ganz schön teuer. Ich beschließe, dass ich sie doch nicht brauche, ich schlender durch die Stadt und kann mich einfach nicht entscheiden. Ich kann kaufen was ich will und doch kann ich es nicht, ich bin innerlich zerrissen, ich stelle mir sein Gesicht vor, wie er grinsen wird, wenn ich mit leeren Händen vor ihm stehe. Nee, ich renne, stürme zurück in ein Schuhgeschäft und verlange nach einem Paar schwarzer Stiefel von Christian Louboutin mit 100mm Absetzen und der unverwechselbaren roten Sohle die ich schon immer wenigstens ein einziges Mal haben wollte.

Zufrieden reiche ich die Kreditkarte, als auf dem Display des Terminals der Preis erscheint, kann ich die 86,5 Schläge schon spüren. Sicher wird er auch noch aufrunden. Ich verlasse den Laden mit gemischten Gefühlen, ich frage mich, ob ich wirklich solche überzogen teure Stiefel brauche.

Als wir uns im Restaurant treffen kann ich mich nicht mehr so recht über meinen Kauf freuen. Ich lege zittrig die Kreditkarte und den Kaufbeleg auf den Tisch und frage mich, ob er wohl an meinem Verstand zweifelt, wegen meines bescheuerten Kaufs.

Er begutachtet meinen Kauf und resümiert, dass ich mir ja ganzschön was vorgenommen hätte. Ich fühle mich wie einer dieser Vollpfosten die für ein neues iPhone zwei Tage vor dem Applestore zelten.

Ich habe keinen Appetit und überlege die ganze Zeit, was er jetzt wohl von mir denkt. Alarmiert von meinem trostlosen Herumgestocher kommt der Oberkellner und frage ob alles in Ordnung ist. Ich nicke und lächle gequält. Ich frage mich, was ich mir bloß gedacht habe. Ich blicke auf den Teller meines Liebsten der gerade den letzten Bissen mit der Gabel pickt. Ich sehe in sein Gesicht. Nach dem er das Besteck beiseitegelegt hat fragt er, ob ich meine Bestrafung gleich haben möchte. Ich nicke. Er fragt, ob er, wie es korrekt sei, aufrunden solle. Ich nicke. Ich senke meinen Blick.

Zurück im Hotel hole ich sein Werkzeug und lege es sorgsam auf den Tisch. Ich ziehe den Rock runter und lege mich daneben. Es schmerzt, ich klammer mich mit den Händen an die Tischplatte, mir quellen die Tränen in die Augen und doch fühle ich mich mit jedem Schlag ein Wenig besser. Als ich mit dem Zählen schlunzend bei 87 angelangt bin und er von mir lässt, brennt mein Arsch als hätte ich auf einer Herdplatte gesessen. Ich bleibe auf dem Tisch liegen. Er streicht mir über das Haar, er fragt, ob es mir besser ginge. Ich nicke, ich kann kein verständliches Wort hervorbringen. Ja es geht mir wirklich besser, es war eine Befreiung, meine Idiotie, mein Egotrip, ist abgegolten. Ich bleibe auf dem Tisch liegen.

5 Gedanken zu „Verdienter Schmerz

  1. Mir wird ganz heiß – wenn ich mir vorstelle, ich würde den Rohrstock bereitlegen und dann mit heruntergelassener Hose warten – was für ein Gedanke in meinem Kopf 🙂

  2. Für Louboutin würde ich aber auch 87 Schläge über mich ergehen lassen :D. Geht es dir auch so, dass die ersten Schläge hart sind, du dann fliegst und die letzten am schlimmsten sind?

    • So herum finde ich es viel schwerer – wie wenn er gesagt hätte du bekommst 87 Schläge und hol dir die Stiefel. Aber wenn du selbst entscheiden musst, wie viele es werden. Das war richtig heftig – ich stand die ganze Zeit zwischen Kaufrausch und der Angst vor zu viel Schlägen…

      Aber es hat sich definitiv gelohnt 🙂

      • na ich hoffe doch, dass es sich gelohnt hat 😛
        wäre ja doof wenn nicht.
        Dann würdest du dich nur jedes Mal ärgern, wenn du die Schuhe anziehst.

        lg
        Sarah

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