In der Dunkelheit

Diesen Sommer. Es ist Freitag, es ist fürchterlich warm und wie immer freue ich mich schon seit den Morgenstunden endlich wieder meinem Liebsten zu sehen. Ungeduldig rutsche ich auf meinem Bürostuhl hin und her und beobachte die Uhr rechts unten auf meinem Bildschirm. Ich kneife die Augen zusammen und knurre sie an damit sie schneller läuft. In der Ecke steht mein kleiner silberner Koffer und wartet so ungeduldig wie ich. Endlich ist Wochenende, ich ziehe meinen Dienstausweis durch das Lesegerät am Ausgang und vergesse in diesem Moment meinen Alltag.

Als ich das Gebäude verlassen will, tippt mir mein Vorgesetzter und „Mentor“ auf die Schulter. Ich drehe mich um, er grinst und sagt, du böses Mädchen. Verwirrt und in Gedanken schon weit weg sehe ich ihn an und weiß nicht so recht was er will. Du hast wieder Knallhart verhandelt, die Abteilung im Griff, in der Sitzung hatten alle nur lobende Wort für dich. Mein Chef hatte mich liebevoll als böses Mädchen bezeichnet – ich denke – wenn du wüsstest. Grinse ihn an, ziehe meine Sonnenbrille auf, knurre wie zuvor bei meinen Computer und als er lacht und zum Abschied die Hand hebt, bin ich in Gedanken schon wieder ganz weit weg.

Mein erstes Leben, in dem ich mir nichts gefallen lasse, wenn es sein muss die Krallen ausfahre und mir wohl niemand ansehen würde, wovon ich nachts träume, wird in meinem Rückspiegel immer kleiner. Ich fahre in die Abgründe meiner Seele, hinein in das Leben, in dem ich den Schmerz liebe, mich unterwerfen und einfach fallen lassen kann. Die Kontrolle abgebe.

Als ich die Klingel betätige, sind meine Knie weich, ich habe etwas Gänsehaut, mein Herz schlägt schneller als ich meinem Liebsten in die Augen sehe. Er lächelt, gibt mir einen Kuss und als ich hinter mir die Türe schließe, bin ich in meinem zweiten Leben angekommen.

Leise und vorsichtig stelle ich mich schweigend ein Stück abseits neben meinen Liebsten und warte, ob er schon mit mir spielen will. Seine weiche Stimme bittet mich Platz zu nehmen und gibt mir so zu verstehen, dass wir er noch nicht beginnen will. Ich setzte mich auf die Kochinsel und stehle eine Handvoll Erdbeeren, die er gerade für den Nachtisch gewaschen hat. Ich fühle, wie ich im Schwebezustand bin, noch lässig und frech wie immer und doch bereit binnen Millisekunden umzuschalten.

Wir essen mit ein paar Freunden auf der Dachterrasse als es langsam dämmert. Wir gehen aus, wir tanzen und sind ausgelassen. Es ist tiefste Nacht als wir zurück kommen. Mein Liebster trägt mich durch die dunkle Wohnung ins Bett, küsst mich sanft und zieht mich aus. Sanft lieben wir uns.

Als ich aufwache liege ich gefesselt und bewegungsunfähig da. Es ist stockdunkel, meine Augen sind verbunden. Mein Herr hat mich mit einem Glas kaltem Wasser unsanft aus dem Schlaf gerissen.

Ich fühle mich unsagbar verletzlich und ausgeliefert. Grob fährt seine Hand über meinen Körper und fasst mich an. Ich versuche ihr zu entkommen, doch ich kann mich nicht bewegen. Er reagiert nicht auf meine Stimme, er macht einfach was er will. Dann höre ich, wie sich seine Schritte von mir entfernen. Ich versuche zu hören was er macht doch kann ich die Geräusche nicht einordnen. Ich zappele und will entkommen, wenigstens die Augenbinde loswerden. Doch dann trifft mich eine Schale voller Eiswürfel. Ich schrei und fluche, als sich die Kälte auf meinem gesamten Oberkörper ausbreitet. Ich Zappel weiter und so rutschen die ersten Eiswürfel unter meinen Rücken und quälen mich zusätzlich. Ich höre, wie sich seine Schritte wieder entfernen, das gleiche Geräusch wie zuvor trifft in meinen Kopf. Ich flehe ihn an – doch mich trifft eine weitere Ladung.

Seine Hand streichelt mich, ich will es nicht und doch ist sie das einzig wärmende. Als er ablässt sehne ich mich nach ihr, doch ist sie da, will ich sie nicht fühlen. Langsam beginne meine Lage zu akzeptieren. Ich weiß, dass ich keine Macht habe, ich fühle meine Schwäche und ergebe mich ihr.

Er Küsst mich, die sanfte Wärme, zieht durch meinen Körper.

Dann trifft mich ein Tropfen, er fühlt sich im ersten Moment kalt wie die Eiswürfel an, doch dann spüre ich die Wärme in ihm. Er ist nicht kalt, er ist knall heiß. Ich zucke ein paar Mal, doch dann lasse ich das Wachs über meinen Körper laufen. Jammer über die Wärme und die Kälte und genieße doch beides.

Plötzlich erklingt zum ersten Mal seine Stimme. Ich lausche ihr, ich genieße wie sie langsam in meinen Kopf eindringt. Sie sagt mir, dass es noch viel mehr wird und ich genieße jedem Tropfen, jeden Schwall den die Schwerkraft über meinen Körper laufen lässt.

Dann höre ich wie er den Raum verlässt. Ich weiß was nun kommt. Irgendwie muss das Wachs wieder von meinem Körper verschwinden. Ich liege unter der Peitsche bis der letzte Krümel von mir lässt. Ich genieße sie.

Dann löst mein Herr meine Fesseln und trägt mich mit verbundenen Augen durch die Wohnung. Plötzlich bleibt er stehen, ich fühle einen leichten Windhauch. Dann spüre ich wie er das Gleichgewischt verliert, wie wir beide kippen und uns die Schwerkraft zu Boden reißt. Laut schreiend klatschen wir beide in den Pool, das Wasser reißt mir die Augenbinde ab und als ich nach Luft schnappend an die Oberfläche schwimme, sehe ich meinen Liebsten tief in die Augen. Wir lassen uns beide einen Moment auf der Oberfläche treiben, wie schwerelos, über uns nichts als der Himmel – oder sind wir im Himmel.

7 Gedanken zu „In der Dunkelheit

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s