Wahrheit und nichts als die Wahrheit

Wie schon so viele Male zuvor stand ich an einem kühlen Frühlingstag im Esszimmer, mein Herr saß auf der Kücheninsel, betrachtete mich einen Moment und begann mich nach den Höhen und Tiefen meiner Woche zu befragen. In einer Schale zu seiner rechten schwammen ein paar Erdbeeren und während ich erzähle, fischte seine Hand nach den süßen Leckereien. Meine Augen verfolgten wie er sie langsam in den Mund steckte, genüsslich aß und mir lauschte.

Sichtlich genoss der die Erdbeeren. So gerne hätte ich auch eine gegessen, doch er dachte nicht daran mir eine anzubieten und so stand ich im Esszimmer und fühlte wie mir das Wasser im Mund zusammen lief. Als ich mit meinem Bericht fertig war, beobachtete ich wie seine Hand auf der Suche nach der letzten Erdbeere die Schüssel durchpflügte und wie sie in seinem Mund verschwand. Gemeinheit.

Er stand auf und gab mir einen herrlich nach Erdbeeren schmeckenden Kuss – ich fühle mich um Erdbeeren beraubt, wenigstens eine hätte er mir geben können dachte ich, als ich ihm hinterher sah als er den Raum verließ.

Als er zurückkam war ich wie elektrisiert. Er legte unzählige Schmerzwerkzeuge auf den Esstisch. Ich betrachtete den riesigen Haufen, furchteinflößend reihten sich Gerten an Rohrstöcke, Gürtel und Peitschen. Ich starrte seine Hände an, wie sie langsam vom Haufen ließen, damit nichts auf den Boden fällt. Er stellte sich direkt vor mich, sah mir einen Moment schweigend in die Augen und sagte dann, ich solle den Haufen in zweiteilen, so wie es mir belieben würde.

Ich überlegte, ob ich nach Intensität einen schrecklichen und einen ertragbaren Haufen bilden sollte, oder doch lieber zwei gleich gemeine. Unschlüssig begann ich den Haufen zu sortieren und breite alles auf dem Tisch aus. Aus den Augenwinkeln konnte ich sehen, wie mein Herr eine neue Schale voller Erdbeeren aus dem Kühlschrank holt. Ich drehe mich um und sah in seine strengen Augen. Sichtlich genoss er mir die Erdbeeren vorzuenthalten, mich mit der Vorstellung ihres Geschmacks zu quälen. Fies grinste er mich an, während er die Erdbeeren betrachtet und sagt, jedem was er verdient – ich glaube du bist noch nicht mit deiner Arbeit fertig.

Ich höre wie er die Erdbeeren hinter meinem Rücken in die Waschschüssel purzeln lässt, während ich die Rohrstöcke ordentlich nebeneinander lege. Ich drehe mich mit bettelnden Augen um, doch ernte nur ein gemeines Lachen. Er wäscht und zerkleinert die Erdbeeren während ich mich ausziehen muss. Nackt, die Hände hinter dem Kopf stehe ich da und beobachte, wie er sich eine riesige Schüssel Erdbeeren mit Sahne macht.

Dann setzt er eine kleine Erdbeere ganz oben auf die Sahne, kommt auf mich zu und ich darf ein wenig Sahne von seinem Finger lecken. Der Saft er Erdbeeren untermahlt herrlich den Geschmack der Sahne, ich will unbedingt welche, doch sie stehen unerreichbar und doch so nah hinter ihm in der Küche.

Dann setzt er sich zurück auf die Kochinsel und fragt mir direkt ins Gesicht, ob ich immer ehrlich zu ihm sei. Ich muss schlucken und entgegne energisch – JA. Er lächelt und sagt, dann werden wir deine Ehrlichkeit mal auf die Probe stellen.

Wenn mir die Wahrheit nicht gefällt, werde ich ein Werkzeug vom einen Haufen nehmen und wenn du mir die Antwort verweigerst – oder lüüüügst und ich das merke, vom anderen. Suche dir aus welchen Haufen ich wofür nehmen soll. Hastig blicke ich auf die Haufen, dummerwiese habe ich beide etwa gleich schlimm gestaltet und entscheide mich spontan.

Er beginnt mit der Frage, ob ich schon einmal einen Orgasmus vorgetäuscht habe. Ich bekomme für meine Antwort gleich fünf Schläge angedroht, doch als ich mich schon gebückt habe und auf den Schlag des Gürtels warte, hält er inne und fragt ob bei ihm – ich bekomme nur einen Schlag.

Dann fragt er mich mit vielvielen Männern ich geschlafen habe, mein Arsch schmerzt jetzt doch ganzschön, doch ich beantworte jede seiner Fragen Wahrheitsgemäß. Bei der Frage, ob ich schon einmal Drogen genommen habe, bekomme ich keinen Schlag – er sieht mir einen Moment tief in die Augen und geht dann eine Erdbeere aus der Küche holen. Wunderbar, so eine schöne kleine Pause, sie lässt mich für einen Moment den Rohrstock in seiner Hand vergessen.

Doch dann geht meine Befragung weiter. Mein Hintern, mein Rücken, meine Beine schmerzen, ich bin geneigt zu flunkern und zu versuchen so die Anzahl der Hiebe zu reduzieren, doch ich wage es nicht. Irgendwann kann ich durch meine von Tränen gezeichneten Augen sehen, dass nur noch ein kleiner Flogger einsam neben dem riesigen Haufen liegt.

Ich muss mich umdrehen, ihn ansehen, die Hände hinter den Kopf nehmen und sehe wie mein Herr die kleine Peitsche feste in der Hand hält. Er fragt wie viele Sessions wir zusammen hatten – ich weiß es nicht.

So lässt er mich zählen während die Schwänze der Peitsche meinen Oberkörper schmerzhaft an jede einzelne Session erinnern lassen. Meine Haut ist von roten Striemen gezeichnet, ich werde nie wieder nicht wissen wie viele Sessions wir gemeinsam begangen haben. Tröstend nimmt mich mein Herr in den Arm, streicht sanft über meinen Körper und legt meine Hände hinter meinem Rücken in Handschellen.

Ich muss mich hinknien, ich bin erschöpft ich kann nicht mehr, mit Entsetzen sehe ich wie mein Herr sich langsam dem großen Haufen auf dem Esstisch nähert. Er blickt einen Moment in meine erschrockenen Augen, legt ein Lächeln auf und geht in die Küche. Freudestahlend sehen meine Augen, dass er mit der großen Schüssel Erdbeeren zurückkommt. Er stellt sie vor mir auf den Boden, streicht mir über die Haare und geht.

Ohne meine Hände ist es nicht so leicht die Erdbeeren auf den Knien zu essen. Aber sie Schmecken fantastisch, jetzt wo mein Körper von Hormonen überschwemmt ist, schmecke ich jedes Molekül einzeln. Was für ein schöner Tag.

9 Gedanken zu „Wahrheit und nichts als die Wahrheit

  1. Puh, wie immer ganz schön fies ;). Um ehrlich zu sein würde ich aber keinem Mann erzählen, mit wie vielen Männern ich geschlafen habe. Das geht sie einfach nichts an, finde ich. Nicht, weil es unglaublich viele oder unglaublich wenige wären, aber die genaue Zahl ist irgendwie privat für mich. So etwas macht solche Fragen aber nur umso gemeiner, weil (viele) Doms eine Begabung dafür zu haben scheinen, sich Fragen oder Aufgaben auszudenken, die Sub einfach nicht beantworten will oder kann ;). Geht mir ja genauso, wenn ich selbst Dom bin (wobei das letzte Mal auch wieder ne Weile her ist..).

    • Ich würde es auch niemals einem Mann erzählen. Nur ist er mein Herr und ich muss manchmal Dinge tun, die ich nicht so gerne mache. Doch ist es auch ein Moment, in dem ich mich unglaublich ausgeliefert fühle – und das mag ich manchmal wirklich gerne 😉

      Irgendwann als wir uns noch nicht so lange kannten, fragte ich ihn mal, was er von mir denkt, wenn ich gewisse Dinge mit mir machen lasse. Ich war mir wirklich unsicher, irgendwie ist es ja auch seltsam, wenn man sich jemandem unterwirft und demütigen und bestrafen lässt und dann sitzt man sich beim Essen gegenüber und redet ganz „normal“ mit einander.

      Und da sagte er, er hält die Dinge die in einer Session geschehen nach dem Motto „what happens in vegas stays in vegas“ und so ist es wirklich. Nichts von dem liegt irgendwie zwischen uns – ich hab mich so daran gewöhnt, dass es mir gar nicht mehr auffällt, dass es ja auch anders sein könnte… vielleicht hab ich es darum getan – weil ich weiß, dass es nicht zwischen uns steht, sondern für ihn nach der Session kein Thema ist – sondern so als sei es nie gewesen…

  2. Hach, ich liebe diese Art Spiele… und es ist was ganz besonderes, wenn man sich seinem Herrn so offenbaren muss. Das ist auch ein Stück davon, sich hinzugeben,wirklich SEINS zu sei …

    • Genau darum mag ich es auch – das sich vollkommen ausliefern – jedes Geheimnis teilen müssen, die Macht über mich zu spüren – dass ist schon toll 🙂

      Es ist wirklich das SEINS sein – das trifft es wirklich haargenau 🙂

      PS: Ich hoffe übrigens, dass du kein Vampir bist – du bist immer zu so später Stunde wach 😛 😉

      Liebe Grüße

      • Nadine, jetzt hast Du mich entarnt…
        *lacht* Nein, keine Sorge, ich bin kein Wesen aus der Unterwelt. Manchmal aber etwas umtriebig…besonders, wenn ich Urlaub habe.

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