Ein graues Haar

Es ist der Morgen des ersten Weihnachtstages. Gestern Abend haben wir mit unseren Freunden in der Hütte gefeiert, uns beschenkt und zu zweit ewig vor dem Ofen gesessen. Ich strecke mich, ich sehe meinen friedlich schlafenden einen Moment an und muss grinsen. Inzwischen weiß ich, wieso er auf dem kleinen Schlafzimmer bestanden hat. Es ist das einzige, dass nachts einiger maßen warm geblieben ist. In der Nacht kamen unsere Freunde und haben sich Wolldecken ausgeliehen, ohne sich auch nur das Geringste anmerken zulassen hat er unsere Wolldecken gegeben, doch kaum war die Tür wieder zu, musste er breit grinsen.

Ich schleiche mich langsam näher an sein Gesicht und will ihm einen Kuss geben, als meine Augen auf den silbernen Filzstift fallen, mit denen wir gestern die Geschenke beschriftet haben. Ich denke einen Moment nach, doch ich bin mir sicher, dass er mich hier nicht bestrafen kann. Ich greife den Filzstift und färbe einige seiner Haare silbergrau.

Ich muss innerlich kichern und tue so, als würde ich noch schlafen als mein Liebster wenig später aufsteht und Richtung Bad schlurft. Ich presse mein Gesicht in die Matratze, ich muss so kichern, dass ich Angst habe mich zu verraten. Ich höre wie er duscht und wenig später vor dem Spiegel steht und ihn mit einem Handtuch vom Dampf befreit.

Als er zurück kommt, gebe ich mir alle Mühe mein Grinsen zu verbergen. Wortlos betritt mein Liebster das Schlafzimmer, stellt sich an die Wand hinter dem Bett und blickt aus dem Fenster. Ich kann mein Grinsen kaum noch verbergen, ich platze fast vor hämischer Freude. Ich frage so unschuldig wie ich nur kann, ob alles in Ordnung sei. Er blickt mich schweigend an, dann sieht er wieder aus dem Fenster. Ich kann meine Schadenfreude kaum noch verbergen, als er plötzlich das Fenster öffnet, mit einem Satz meine Bettdecke wegreißt und mich mit Schwung durch das Fenster in einen großen Schneehaufen wirft.

Ich schreie laut, es ist so schnell gegangen, dass ich mich nirgendwo festhalten konnte. Ich lande nur mit meinem Nachthemd bekleidet im Schnee, ich versinke fast einen Meter im lockeren Schnee und als ich hoch sehe, schließt mein Liebster das Fenster.

Ich kämpfe mich durch den irrehohen eiskalten Schnee Richtung Tür. Überall kriechen die Schneeflocken an mir hoch. Als ich es endlich bis zur Tür geschafft habe, ist sie noch verschlossen. Ich gucke durch ein Fenster und sehe, dass unsere Freunde gerade den Frühstücktisch decken. Ich sehe hoch, doch das Fenster ist verschlossen. Ich überlege ob ich im Nachthemd an die Tür klopfen soll, was soll ich bloß sagen, ich überlege, meine Füße brennen vor Kälte. Plötzlich öffnet jemand die Tür, ich erschrecke und sehe mit entsetzten Augen in das Gesicht meines Herrn.

Wortlos sieht er mich an, dreht sich um und lenkt unsere Freunde ab, so dass ich mich zurück ins Schlafzimmer schleichen kann. Ich renne zur Dusche um meine verfrorenen Füße aufzutauen. Das Wasser ist herrlich warm, ich gehe zurück in unser Zimmer und höre wie mein Herr hinter mir das Zimmer betritt. Ich fühle ihn in meinem Rücken auch wenn er mich nicht berührt.

Ich muss mich umdrehen, mein Handtuch fallen lassen und mich vor ihn knien. Er legt seine Hand auf meine Wange, hebt sie ab und ich rechne mit einer Ohrfeige. Doch er dreht sich grinsen um, geht zu einem Schreibblock reißt einen dicken Stapel Blätter heraus und wirft ihn mir vor die Füße. Dann hält er mir drohend den silbernen Filzstift vor die Nase und sagt, dass ich alle Blätter vollschreiben muss mit dem Satz: „Ich darf meinen Herrn nicht anmalen“

Was für eine doofe Strafarbeit. Jetzt tut es mir wirklich leid, und ich schreibe bis mir die Hände wehtun „Ich darf meinen Herrn nicht anmalen“.

Ewigkeiten später kommt mein Herr meine Arbeit überprüfen, ich starre die noch immer leeren Blätter an, ich werde noch ewig brauchen – doch er streicht über meinen Kopf und sagt, komm es ist Weihnachten und nimmt die noch leeren Blätter weg.

Ich gebe ihm einen ganz ganz zärtlichen Kuss – und nein – ich werde meinen Herrn nie wieder anmalen 😉

6 Gedanken zu „Ein graues Haar

  1. Fiese Idee :D. Ich sage meinem Liebsten auch ab und zu, dass er alt wird (so alt ist er gar nicht, nur 7 Jahre älter als ich, aber ihm wurde mal gesagt, er sähe viel älter aus :D). Das findet er auch nicht so witzig ;). In den Schnee wurde ich deswegen aber glücklicherweise noch nicht geworfen^^.

  2. Es ist immer wieder die Konsequenz und Kreativität, die Dein Herr an den Tag legt, die mich so fesselt… und diese schöne zärtliche Geste seinerseits am Ende… wunderbar 🙂

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