Wenn die bebende Luft die Schreie stiehlt

Letzten Sommer weihte ein befreundeter Bauunternehmer meines Liebsten seine neue Maschinenhalle ein. Mäßig begeister saß ich auf einer der orangen Bänke die ihr Zuhause normalerweise in Bierzelten finden und knabberte an einer Bratwurst. Aus einem Radio schepperte Musik und ich starrte auf meine Uhr deren Zeiger stehengeblieben zu sein schienen.

Mein Liebster nahm neben mir Platz und ich hoffe, dass er sagen würde, dass wir endlich unsere Pflicht genüge getan hätten. Schweigend, mit einem leichten Lächeln sah er mich an. Dann wurde sein Lächeln zu einem breiten Grinsen und er sagte, dass ihm die Halle gut gefallen würde. Sie sei so groß, so abgelegen und auch Kran sei wirklich praktisch. Ich blickte zur Decke, an einem orangen Stahlträger baumelte ein großer Haken unter der Decke – ich biss in mein Würstchen und sagte mit vollem Mund „Kran für’n Arsch“, um meinem Unmut kundzutun. Mein Liebster strich mir über die Haare, gab mir einen Kuss und sagte eine Stunde musst du noch durchhalten. Ich blickte ihn an und sagte „Halle für’n Arsch“ – er lachte und ging zu seinem Freund mit dem er offenbar viel zu bereden hatte und ließ mich alleine zurück.

Nach einer gefühlten Ewigkeit sah ich wie er sich verabschiedete und sprang auf und rannte zum Auto. Ich presste meinen Körper in den Sitz und sagte mit geschlossenen Augen, dass ich nie mehr zurückkommen wollte. Ich hörte meinen Liebsten sagen, dass er mich dann wohl gefesselt und geknebelt zurückbringen müsste. Ich sah ihn mit zugekniffenen Augen an, er grinste, ich schoss die Augen und genoss die Fahrt zurück.

Am Abend gingen wir zur Entschädigung für den schrecklichen Nachmittag essen und ich fühlte, dass ich mir auch noch einen großen Cocktail verdient hatte und so machten wir noch einen Abstecher in eine Hotelbar. Mein Liebster bestand jedoch da drauf, dass ich nur einen Cocktail verdient hatte und so freute ich mich wenig später auf dem Heimweg auf das weiche Bett.

Kaum hatten wir das Haus erreicht, fühlte ich die starke Hand meines Herrn, der mich Richtung Auto abführte. Tief gebückt, mit schmerzenden Armen erreichte ich das Auto und musste auf der Rückbank Platz nehmen. Neben mir lag eine Sporttasche auf dem Sitz und währen ich sie betrachtete fuhr mein Herr los. Bald schon kam mir der Weg erschreckend bekannt vor und ich schrie entsetzt als wir in den holprigen Weg einbogen der zum Ort des nachmittäglichen Grauens geführt hatte. Mein Herr trat mit voller Wucht auf die Breme und sah mich böse an. Mein Quengeln verstummte schlagartig. Böse fuhr er mich an – „zieh dich aus!“. Sein Blick schüchterte mich ein und so saß ich wenig später nackt, mit dicken Ledermanschetten gefesselten Armen und verbundenen Augen im Auto dass seinen Weg zur Halle der Langeweile fortsetzte.

Wir hielten, mein Herr stiegt aus und wenig später konnte ich das Tiefe brummen einer großen Maschine hören. Das Brummen verstummte und mitten in der Stille wurde die Tür aufgerissen und ich unsanft aus dem Wagen gezogen. Als mein Herr die Tür zur Halle öffnete wurde das Brummen deutlicher, ein tiefer Bass dröhnte und ließ den Boden unter meinen Füßen beben.

Meine Hände wurden nach oben gefesselt, doch war das Seil seltsamer weise so befestigt, dass ich einige Schritte in jede Richtung laufen konnte. Der Bass dröhnte so laut, dass ich nichts hören konnte und erschrak, als mich plötzlich die Peitsche traf. Ich wusste nicht, von wo sie gekommen war, ich lief einige Meter weiter doch konnte ihr nicht entkommen. Meine Sinne wurden durch den dröhnenden Bass betäubt. Ich war gefangen in einem undefinierten Raum und wieder traf mich die Peitsch. Schmerzhaft schnitt sie über meinen Rücken. Ich schrie doch hatte das Gefühl, dass der Bass meinen Schrei auffraß und niemand ihn hören konnte.

Plötzlich traf eine Gerte meine Brust, ich schluchzte doch fühle wie der Bass meine Füße zum vibrieren brachte und jedes Erbarmen aus meinem Herrn schüttelte. Ich Fluchte und Schrie, doch fühlte mich unendlich machtlos. Selbst meine Schreie wurden von der bebenden Luft aufgesogen und verhallten in meiner Kehle. Ich trat und zappelte, doch es half nichts. Ich fühlte mich unendlich hilflos.

Erst als ich das Gefühl hatte er nicht länger ertragen zu können, fühlte ich die Sanfte Hand meines Herrn über meinen Körper streichen. Er gab mir einen Kuss, nahm mir die Augenbinde ab und sah mir einen Moment tief in die Augen. Wir küssten uns bis mir die Seile an meinen Händen Einhalt geboten. Ich zog an ihnen, blickte hinauf und sah das lange Seil, dass in vielen Metern Höhe am großen Haken befestigt war. Um mich herum standen viel riesige Bassboxen und dröhnten so laut, dass das Blut im Rhythmus mit bebte.

Mein Herr löste meine Hände und ich fiel meinem Herrn um den Hals. Wir küssten uns, wir hielten uns. Dann sah mein Herr zu einer der großen Bassboxen und setzte mich mitten hinauf. Mein ganzer Körper bebte als mein Herr mich nahm.

6 Gedanken zu „Wenn die bebende Luft die Schreie stiehlt

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