Ist es sicher mit einem unerfahrenen Dom zu spielen?

Auf die Frage von „Porzellanpüppchen“ aus unserer Rubrik „Ihre Fragen“ inwieweit es sinnvoll ist mit einem unerfahrenen Dom zu spielen, der sich nicht im Internet oder auf anderen Wegen über BDSM-Praktiken informiert hat.

Grundsätzlich glaube ich, dass das Kopfkino so stark sein kann, dass man keine externen Inspirationen braucht um Ideen für eine Session zu haben. Bevor man sich jedoch in eine Session wagt, sollte man ausführlich mit seinem Partner über die eigenen Vorlieben sprechen und auch die des anderen kennenlernen. Es ist wichtig, dass man die Neigungen des anderen kennt, um eine für beide schöne und aufregende Session gestalten zu können aus der beide Lust gewinnen können.

Wenn du über deine eignen Neigungen sprichst, kannst du damit deinem Freund als Inspiration dienen und ihm dabei helfen eine Session in seinem Kopf zu entwerfen die für euch beide eine tolle Erfahrung wird.

Ich glaube aber auch, dass du hinterfragen solltest wieso sich dein Freund nicht im Internet oder in anderen Quellen informieren will. Anders als über den Inhalt einer Session, den man mit genug Fantasie hervorragend im eigenen Kopf entwickeln kann, birgt das Spiel mit einem unerfahrenen und zudem noch uninformierten Dom viele Sicherheitsrisiken.

Insbesondere Bondage erfordert ein gewisses Maß an Wissen, dass man einfach von anderen lernen muss. Ein von vielen unterschätztes Risiko besteht vor allem bei Nervenquetschungen die man nicht sofort spüren kann, sondern erst bemerken wird, wenn es schon zu spät ist. So verlaufen z.B. an den Oberarmen Nerven die nicht durch ein Seil gequetscht werden dürfen, sondern bei einer Fesselung muss das Seil so fixiert werden, dass nichts passieren kann. Solche Dinge muss man einfach lernen in dem man sich informiert und sollte nicht einfach blind anfangen.

Man sollte sich klar machen, dass einige Praktiken das Potential zu bleibenden Schäden bergen wenn man sich unvorbereitet daran wagt. Darum glaube ich auch, dass es der richtige Weg ist, deinem Freund klar zu machen, dass es sinnvoll ist sich zu informieren und dass er viele Dinge mit dir nicht erleben kann, solange er es nicht macht.

Ich glaube, dass nichts dagegen spricht, wenn du kleinere Dinge mit ihm erlebst, wenn er dir mit der Hand den Hintern versohlt sollte es keine Probleme geben und wie du schon richtig angemerkt hast, sollte es zu schmerzhaft werden, hast du dein Codewort. Ich würde dir jedoch von allem abraten, was Schäden bei dir verursachen kann. Dazu kannst du dich ja selbst informieren und all dies ausschließen. Deine Gesundheit sollte auf jeden Fall über dem Vergnügen und dem Spaß stehen.

Es gehört zu den Aufgaben eines Dom sich zu informieren damit er keinen Schaden anrichtet der hinterher nicht mehr gutzumachen ist. Ich würde dir also dazu raten keine richtige Session mit ihm zu erleben solange er nicht bereit ist alle für dein Wohl und deine Gesundheit notwendigen Dinge zu lernen.

Erst vor kurzem gab es einen schrecklichen Fall bei dem eine Frau aus Bayern an den Folgen eines „Unfalls“ gestorben ist, weil ihr Dom nicht die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen hat. Sie hat zu wenig Luft bekommen und ihr Gehirn konnte nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden.

In den meisten Städten gibt es auch SM Stammtische über die man viel lernen kann – wenn das Internet nichts ist, vielleicht ist dies ja eine Möglichkeit sich mit den Risiken und deren Vermeidung zu befassen.

Ich hoffe, dass ich dir etwas helfen konnte und dass es dir gelingt deinem Freund klarzumachen, dass gewisse Dinge eben nötig sind. Bevor man Fallschirmspringen geht, lernt man ja auch wie ein Fallschirm bedient wird 😉

Liebe Grüße

Dini

3 Gedanken zu „Ist es sicher mit einem unerfahrenen Dom zu spielen?

  1. Mich würde (und hat es) abtörnen, wenn der Dom zu unsicher an die Sache ginge. Ein ständiges Nachfragen, ob es mir noch gut geht, hat für mich damals häufiger eine Session ins Lächerliche gezogen. Als Sub weiß ich, dass letztendlich nichts passiert, was mir schadet, aber wenn ich zu sehr das Gefühl bekomme, dass ich ihn zeige, wo’s lang geht, hat die Session keinen Sinn mehr für mich.

    Du hast Recht: Bestimmte Praktiken sollte man mit unerfahrenen Doms einfach nicht durchführen. Da sollte der erfahrener Sub meines Erachtens von sich aus drauf achten.

    • Ich denke, dass es einen großen Unterschied zwischen unerfahren und uninformiert gibt. Wenn sich jemand nicht informieren will, würde ich nicht mit ihm spielen. Das zeigt mir nämlich nur, dass ihm Sicherheit nicht wichtig genug ist, dafür auch mal die Nase in ein Buch oder einen Blick ins Internet zu werfen. Das ist aber glaube ich nicht so oft der Fall – viel öfter kommt es vor, dass er einfach unerfahren ist. Das ist etwas, das man niemandem vorwerfen kann; die einen haben Glück gehabt und schnell jemanden kennen gelernt, andere wiederum entdecken ihre Neigung erst mit 30 Jahren oder später.
      Auch mit einem unerfahrenem Dom kann man sehr viel Spaß haben. Wenn einem das ständige Nachfragen nicht gefällt, spricht man eben ab, nur mit „harmlosen“ Praktiken wie oben erwähntes verhauen mit der Hand zu beginnen. Mit der Zeit wird er dann sicherer. Übrigens kann man jemandem auch sagen, wenn er nicht so viel nachzufragen braucht ;).
      Bei meiner ersten Session als dominanter Part war ich sehr vorsichtig und habe mehr auf D/s Ebene gespielt, weil mein damaliger Partner sich nur schwer fallen lassen konnte. Bei meiner zweiten Session mit einem anderen Partner hatte ich es ziemlich gut im Gefühl, wie hart ich zuschlagen konnte. Ich kannte allerdings auch vorher die Stellen, auf die man schlagen darf und die, bei denen man sehr vorsichtig sein muss (eine Infografik gibt’s hier: http://www.sexintheair.de/bdsm-von-schmerz-und-lust/bdsm-schlaginstrumente/).

      Wenn man einfühlsam ist, immer mal wieder nachfragt, wie etwas war (wenn einen das als Sub nervt, muss man da eben mal für ein paar Mal durch, wenn man nicht wegen so einer kleinen Sache den „Dom wechseln“ will…) und sich nicht gleich an die komplizierten Hängebondage-Praktiken wagt, kann man natürlich auch als unerfahrener Dom spielen. Woher soll man denn sonst seine Erfahrungen bekommen? Da ist es besser, eine/n erfahrene/n Sub zu haben, der weiß, wie es sich anfühlt, wenn es „richtig“ gemacht wird ;). Dann kann man seine Geilheit auch mal für ne Weile runterschlucken und seinem Dom helfen (sorry für die harten Worte).

      • Bei den wenigen Gelegenheiten, bei denen ich mich als sub versucht habe, hat es mich in eine absolut überlegene Position katapultiert, wenn ich merkte, dass der Dom unsicher war. Dann stand ich grinsend da und hab ihn zwar machen lassen, hatte aber das Gefühl, dass ich derjenige war, der das Spiel dominierte und damit war der Ziel verfehlt.
        Ich habe immer nur Liebesbeziehungen – in die eine oder andere Richtung – gesucht. Für die Doms war ich zu renitent bzw. zu wenig devot, so dass das nie geklappt hat. Der Gedanke, den „Dom zu wechseln“ wäre mir jedoch nie gekommen. Der Gedanke, ganz auf SM-Spielchen zu verzichten hingegen sehr häufig.

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