Der Reiz des ungewissen

Still sitze ich auf dem Rücksitz des Wagens, meine Augen sind verbunden und so lausche ich dem kräftigen Motor, fühle wie mich die Fliehkräfte in den Kurven auf meinem Sitz in die Seite pressen, achte aufmerksam auf grollen der Reifen auf der mit Schlaglöchern und Steinchen übersäten Straße.

Der Weg ist nicht weit und doch dauert die Fahrt auf der winzigen, engen und kurvenreichen Strecke und so habe ich Zeit meine Hilflosigkeit zu fühlen, mich darin zu üben nicht zu wissen was geschehen wird und mich auf das kommende vorzubereiten.

Es ist der Abend eines warmen Sommertages vor zwei Jahren, als sich der dunkle Kombi mit den getönten Scheiben hinter denen ich sitze,  langsam seinen Weg die schmale Waldstraße hinauf bahnt. Wir waren bei einem Freund meines Liebsten, haben Kaffee getrunken und Erdbeeren mit Sahne auf der Terrasse gegessen und den Blick weit hinaus über die Weinberge genossen.

Auf dem Rückweg fuhren wir kurz über die Autobahn, dann nahm mein Liebster eine Ausfahrt und blieb am Straßenrand stehen. Er gab mir einen schwarzen Seidenschal, ich setzte mich auf die Rückbank und verband meine Augen. Ich wusste nicht was er vorhatte, wohin wir fuhren, wir schwiegen uns an und doch fühlte ich keine Unruhe in mir, sondern mein Kopf war vollkommen frei.

Ich lauschte in mich hinein, hörte meinen Puls, meinen Atem, fühlte wie die Vorfreude auf das ungewisse vergnügen meine Lippen zu einem Lächeln formten. Fühle wie die Vorstellung in meinem Kopf mir Gänsehaut bereitet, wie sie meine Sinne schärft, mich den Wald riechen lässt, jedes Geräusch, jede Bewegung intensiver macht. Plötzlich bleiben wir stehen, ich höre wie sich die Türe öffnet und mein Herr meinen Namen sagt. Ich habe die Welt um mich vergessen, lebe nur noch im Augenblick, ich fühle wie mein Herr nach meinen Haaren greift, wie der Schmerz durch meine Nerven peitscht und mich mit der Kraft seines Körpers auf die warme Motorhaube presst. Langsam und beinahe zärtlich nach meinen Armen greift und sie auf meinem Rücken bindet.

Ich laufe gebückt, seine Hand fixiert mich erbarmungslos und lässt den Schmerz durch meinen Rücken wallen. Der Untergrund ist steinig, es ist schwer so zu laufen, doch ich fühle wie der feste Griff meines Herrn mir Sicherheit gibt. Wie der schmerzende Griff mich führt und jeden Gedanken an ein Umknicken als in meinem Verstand absurde Vorstellung zurückweisen lässt.

Ich muss mich ausziehen, ich fühle meine Verletzlichkeit, meine Schwäche als er mir meine Kleidung wegnimmt. Dann fesselt er meinen Körper, feste umzingeln die Seile mich und rauben mir jede Bewegung. Ich liege regungslos da, ich weiß, dass ich nichts tun kann, niemand kann mich hören, niemand kann mir helfen, ich bin meinem Herrn vollkommen ausgeliefert. Ich bin das was er aus mir macht, sein eigen, mit der er tun kann was ihm gefällt.

Doch keine Angst huscht durch meinen Verstand, sondern ein Gefühl der Freiheit, des Loslassens. Es ist, als würden die Seile dich mich gefangen halten meinen Körper streicheln, als seien sie ein Teil meines Herrn der mich umhüllt, mich eins mit ihm werden lässt.

Ich fühle einen Schlag, ich fühle wie der Impuls durch meine Nerven rast und doch nie ankommt. Langsam, leise dämmert meinem Verstand, dass ich geschlagen wurde, doch schwingt Glück und Euphorie durch diesen Gedanken. Ich fühle die sanfte Hand meines Herrn auf meiner Haut, ich konzentriere mich und mein Verstand wird unwichtiger bis ich nur noch mit vor Glück und Hingabe geschwängertem Blut auf das nächste Rasen in meinen Nervenbahnen warte.

Ich habe schon oft versuch in Worte zu fassen, was meine Neigung ausmacht, doch es gelingt mir nicht. Einem Mensch der sie nicht teilt verständlich zu machen, was meine Gedanken bestimmt – wieso ich das „mit mir“ machen lasse, ist mir nie gelungen.

Ich hoffe, dass es mir einmal gelingen wird, Worte zu finden die einem Vanilla erklären was ich bin und das nichts davon mit Gewalt zu tun hat, mit Unterdrückung oder kranken Gedanken, sonder das wir genau wie Homosexuelle eine eigene Art von sexueller Neigung sind an der rein gar nichts komisch oder krank ist – sondern einfach nur anders und das anders nicht böse, sondern einfach nur verschieden bedeutet.

Vor einem Jahr begannen wir diesen Blog mit dem Beitrag: „Willkommen im Paralleluniversum“

Wir werden uns bemühen, dass die Aliens irgendwann verstanden werden – als heimisch auf diesem Planeten.

Dini

10 Gedanken zu „Der Reiz des ungewissen

  1. Hat mich gefreut mal wieder was zu lesen und wie immer soooo schön geschrieben 🙂
    Ich glaube ein 100 % Verständnis wird man leider nie erreichen können, da es immer intolerante Menschen gibt etwas anderes nicht akzeptieren. Erst letztens habe ich zu dem Thema auf einer Seite Kommentare gelesen wie: „Die schlagen bestimmt ihre Kinder“ oder „potentielle Vergewaltiger“ und ehrlich gesagt hätte ich selbst nicht gedacht dass man heut zu Tage noch sowas unqualifiziertes von sich gibt… naja

    Na gut eingelebt in der neuen Heimat? Hoffe doch man liest bald wieder mal öfter was 😉

    Liebe Grüße

    • Hey,

      vielen Dank für dein Lob 🙂

      Leider war es doch alles viel komplizierter als ich gedacht habe und ich hab die Zeit gebraucht um mich einzuarbeiten :-/ Ab jetzt wird es wieder regelmäßig neues geben…

      Ich glaube 100% Verständnis müssen gar nicht sein, es wäre schon ein großer Schritt, wenn die Medien nicht mehr so falsch berichten würden und der Teil der Bevölkerung der mit Homosexuallität klar kommt auch mit BDSM klar kommen würde 🙂

      Naja – mal sehen was sich in den nächsten Jahren entwickelt…

      Liebe Grüße

  2. Hey,

    schön endlich mal wieder was von dir zu lesen 🙂
    Dachte schon, du bist irgendwo in Asien verloren gegangen 😀

    Hoffe es geht dir gut und du hast bald wieder mehr Zeit zum schreiben – vermisse deine Postings 😉

    Liebe Grüße

    Lea

    • Hey Lea,

      ja ich fühle mich manchmal wirklich verloren :-/ Aber langsam geht es und naja – ich hoffe ich muss nicht die Tage im Kalender durchstreichen wie die im Knast, sonder lebe mich noch ein 😉

      Werde ab jetzt wieder regelmäßig schreiben…

      Nächste Woche fahr ich mit meinem Lieben in Urlaub, dann hab ich wieder mehr zu schreiben 😉

      Liebe Grüße

  3. Ich glaube das die Medien ein verzerrtes Bild abgeben. Da sind die Dominas die ihre Opfer quälen und die Doms die ihre Subs auf den Boden kriechen lassen. Ich musste mich behutsam damit beschäftigen, bin noch auf der Suche nach meinem wahren ich. Ich kann nur sagen das mir die Menschen die wirklich BDSM praktizieren, sehr viel Verständnis und Einfühlungsvermögen entgegenbringen. All das hat nichts mit Schmuddelfernsehn oder Gewalt zu tun. Es sind für mich Menschen die oft menschlicher sind. Glaubt mir ich spreche aus Erfahrung, da ich selbst Jahre meine Neigung verleugnet habe. Es gibt überall schwarze Schafe, meine Respekt zolle ich denen, die die wirklich Natur erkennen und dementsprechend handeln, so wie ihr es tut.

    Liebe Grüße

    • Hallo Kati,

      mich nervt auch das Bild, dass die Medien von uns zeichnen.

      Ich glaube auch, dass viele die BDSM praktizierenden sehr sensible und einfühlsame Menschen sind – auch wenn es natürlich auch die totalen Idioten gibt. Aber ich denke, die gibt es überall – ich hätte auch nicht gedacht, dass es in Indien für Frauen so gefährlich ist 😀

      Ich wünsche dir viel Glück auf deiner Suche und hoffe, dass du dein wahres ich findest 🙂

      Liebe Grüße

  4. Ich habe auch jeden Tag gespannt geguckt, ob es wieder was neues gibt :). Ein sehr schön geschriebener Artikel! Ich versuche ja auch immer wieder zu erklären, was BDSM ausmacht und was daran reizvoll ist.. Es ist einfach schwer auszudrücken und wahrscheinlich schwer zu verstehen, wenn man die Neigung nicht selbst hat.

    • Hey,

      du bist ja eine wirklich treue Leserin 🙂 Es war in den letzten Wochen einfach keine Zeit – ich musste zuviel erledigen und mich einarbeiten – was nicht gerade leicht war, da vieles sehr durcheinander war… ich lese bei dir auch oft 😉

      Ich denke auch, dass es schwer zu verstehen ist, wenn man selbst keine Neigung dazu hat – ich hoffe das es einer von uns irgendwann gelingt, einmal Worte zu finden, die einfach verständlich machen was wir tun…

      Ich wünsche dir einen schönen Abend

      Liebe Grüße

  5. Verständnis…. brauche ich nicht unbedingt…
    Nicht jede/r muss meine Neigung verstehen.
    Respektieren wäre okay…
    Neulichs im Bus hörte ich ein Gespräch von teenies :“das dort ist mein Lehrer… der ist schul aber Na ja er ist ja auch noch ein Mensch.“
    Ah ja danke.
    ..

    • Hey,

      naja – Verständnis muss es nicht sein – aber ich mag nicht mehr ewig Sorge haben müssen, dass jemand meine „dunkle Seite“ erkennt.

      Wenn man respektiert werde würde egal was für eine (einvernehmliche) sexuelle Neigung man hat – wäre schon schön 🙂

      Liebe Grüße

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