Expedition ins Reich der Geschmacksnerven

Es ist später Nachmittag als ich von der Arbeit komme. Mein Liebster ist noch in der Stadt und so nutze ich die Zeit und gehe duschen. Während mir das warme Wasser über den Nacken plätschert höre ich wie mein Liebster nach Hause kommt, so dass ich mich beeile und wenig später mit feuchten Haaren und großem Handtuch im Wohnzimmer stehe.

Mich erwartet eines dieser Lächeln die ich nicht so recht einschätzen kann und das mich vorsichtig werden lässt. Langsam schleiche ich mich näher und bekomme einen Kuss während mir mein Handtuch gestohlen wird. Splitternackt stehe ich da und beobachte wie er sich mit meinem Handtuch aus dem Staub macht.

Gerade als er in der Tür steht, hält er einen Moment inne, dreht sich um und sein Lächeln wird zu einem eiskalten Grinsen dass mir imaginäre Eisflocken über den Rücken streichen lässt. Ich bin hin und her gerissen ob ich lieber warten oder meiner Neugier freien lauflassen soll. Ganz leise und vorsichtig folge ich meinem Herrn in das Esszimmer.

Auf dem Tisch leuchten zwei große Rote Kerzen, das weiße Porzellan glänzt neben dem funkelnden Besteck und schmuckvoll blicken mich die zur Lotusblüte gefalteten Servierten an. Ich blicke meinem Liebsten in die Augen, während er die Kerzen entzündet und denke mit einem kleinen grinsen im meine Gesicht darüber nach wie oft er wohl beim Falten der Servierten geflucht hat.

Doch seine Augen haben etwas Gemeines während er mir ein kurzes schwarzes Kleid reicht und nach dem ich es angezogen habe den Stuhl für mich rückt. Ich bin immer noch unschlüssig ob ich mich entspannen soll, als mein Liebster mir die auf Französisch gehaltene Karte überreicht. Meine Augen überfliegen die zehn Gänge und ich versuche sie zu übersetzen als mir bei Gang Nummer neun ganz anders wird. „Œuf de cent ans“ – Tausendjährige Eier – ich verziehe das Gesicht und schreie laut „bäh“ während ich die Karte wegwerfe.

Das Grinsen im Gesicht meines Herrn wird noch wesentlich breiter und gemeiner während er mich dabei zusieht wie es mich innerlich gruselt. Dann dreht er sich um, zieht die einem Ruck die weiße Tischdecke von einem kleinen Tischlein und ich betrachte schweigend zehn schrecklich schmerzhafte Werkzeuge meines Herrn. Ich rutsche unruhig auf meinem Platz hin und her während seine Finger langsam über Gerte und Rohrstock streichen.

Er dreht sich mit ernster Miene um und sagt, dass ich mich dringend mit der lokalen Küche vertraut machen müsste. Ich stimme ihm kein kleines bisschen zu und wiederspreche aufs schärfste. Er argumentiert, dass  mich chinesische Geschäftspartner mit Vorliebe zu Chinesischen Delikatessen einladen würden und ich wissen müsste was ich essen kann und was nicht. Ich suchte händeringend nach Gegenargumenten, doch mein Herr wusste immer eine Antwort, so das sich bald zum quengeln und jammern überging – doch es half alles nichts und ich hätte am liebsten meine Ohren zugehalten während mein Herr mir die Regeln des Menus erklärte.

Bevor ich das jeweilige Gericht sehen kann muss ich für eines der Bestrafungswerkzeuge entscheiden und zwischen uns auf den Tisch legen. Anschließend muss ich die Hälfte des Gerichts essen. Weiger ich mich bekomme ich 20 Schläge und schaffe ich es nicht die Hälfte zu essen, bekomme ich zehn Schläge auf den Hintern. Mein Herr isst die andere Hälfte, schafft er es verdoppelt sich die Anzahl der Schläge, weigert er sich auch oder kann seine Hälfte nicht essen, halbiert sich die Anzahl der Schläge.

Ich betrachte die Gerte, den Rohrstock und entscheide mich als erstes für den Gürtel und lege ihn auf den Tisch. Dann lass ich mich wieder auf meinen Stuhl fallen, und stütze meinen Kopf auf die Arme während mein Herr den ersten Gang serviert. Noch während er vorliest um was es sich genau handelt, stehe ich auf, ziehe mein Klein ein Stück herauf und lege mich an die Tischkannte. Beim Wort Urin hält mein Herr inne und entschließt sich, dass er auch nicht kosten mag.

Gang zwei verdrücken wir beide und sehen uns dabei mit großen Augen und nur halb kontrollierter Gesichtsmuskulatur an, nach ganz drei läuft mein Herr ins Bad aber behauptet felsenfest, dass sein Aufessen zählen würde. Ich sitze auf meinem schmerzenden Hintern als ich beim vierten Gang nur vorsichtig mit der Gabel pieke und mich dann gegen den Verzehr entscheide. Bei Gang neun – den ekelhaften Tausendjährigen Eiern springe ich schon beim Geruch auf und werfe mich an die Tischkannte.

Mein Herr verdrückt den letzen Gang alleine, meint dann aber dass es diesem Mal wohl nicht zählen würde während er aufspringt und zum Bad rennt. Ich schiebe gerade den Teller soweit über den Tisch wie nur möglich als mein Herr in der Tür steht und sagt, dass die Chinesen ihre Delikatessen behalten können.

Ich stimme ihm zu, wir grinsen uns an und nach dem wir mindestens 20 Minuten die Zähne geputzt und uns gegenseitig versichert haben wie schlimm es war, gehen wir Essen – italienisch.

4 Gedanken zu „Expedition ins Reich der Geschmacksnerven

  1. Sind diese Eier die, die in Kinderurin gekocht werden? Bei der Vorstellung alleine stellen sich schon alle Nackenhaare. 🙂

    • Nee das sind so obereklige vergammelte 😦 Die in Kinderurin hatten wir aber auch 😦 – heißen Frühlingseier oder so – auch eklig – eigentlich ist alles eklig gewesen 😉

      Liebe Grüße

  2. Da hätte ich auch laut bäh geschrien!! Das war ja wirklich total ober fies – bin ich froh, dass ich nicht in China wohnen muss ;-P

    Schön, mal wieder etwas zu lesen 🙂

    Wünsch dir eine schöne Zeit bei denen…

    Liebe Grüße

    Lea

    • Hey,

      ich hader auch immer noch etwas mit meiner Entscheidung – aber so ganz langsam gewöhn ich mich auch dran 🙂

      Nur chinesisch essengehen brauch ich glaube ich mein ganzes Leben nicht wieder wenn ich zurück bin 😉

      lg

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