Vor dem Sonnenuntergang

Grauenvoll schlägt sich das Wissen, nur noch eine Nacht vor seiner Heimreise mit meinem Liebsten verbringen zu können in meinen Kopf. Ich nehme mir vor jede Sekunde auszunutzen und doch kriechen die Gedanken wieder alleine zu sein in meinem Verstand umher.

Wir ziehen durch eine der seltsamsten Städte der Welt und langsam neigt sich der Tag dem Ende als wir im 65ten Stockwerk des Le Royal Meridien einen Cocktail trinken und den Rundumblick über die atemberaubend riesige Stadt genießen. Mein Liebster schweigt und so tue ich es ihm gleich und beobachte die untergehende Sonne als ich plötzlich bemerke wie jemand mein Dekolleté mit kleinen Eiswürfeln bewirft. Ich wende meinen Blick meinem Liebsten zu, der mich mit großen Unschuldsaugen anblickt.

Ich kneife die Augenzusammen und beobachte in mitten der vollen Hotelbar wie mein Liebster eine ganze Hand voll zerstoßenes Eis aus seinem Glas nimmt und seinen Blick einen Moment darauf schweifen lässt. Dann blickt er mir urplötzlich tief in die Augen und während ich noch meine Abneigung gegen seinen Plan formuliere muss ich mit ansehen wie er das ganze Eis in meinem BH verstaut.

Ich würde am liebsten schreien während ich in sein gehässiges Grinsen blicke, doch in mitten der Bar traue ich mich nicht und sehe mit Entsetzen wie sich einzelne Eisstücke wieder ihren Weg aus meinem BH bahnen. Ich fühle die Kälte an meinem Busen, ich fühle wie sich langsam Wasser seinen Weg meinen Körper hinab sucht. Ich blicke meinen Herrn giftig an, doch er rührt seelenruhig mit seinem Strohhalm im Glas und schlürft die letzten Tropfen aus.

Das Eis zwickt in meine Brüste und ich weiß nicht ob ich lieber den Schmerz oder die nasse Bluse ertragen will. Unerträglich langsam scheinen die Sekunden zu vergehen bis der Kellner mit der Rechnung kommt. Mein Herr lässt sich alle Zeit und unterhält sich in aller Ruhe mit dem Kellner während ich am liebsten in den Aufzug rennen würde.

Endlich geht die Fahrt hinab, ich blicke meinen Herrn böse an während ich mich an die Wand des Aufzugs presse und bei jedem Zwischenhalt, jeden langsamen Ein- und Aussteigen innerlich fluche.

Endlich verlassen wir das Hotel, das schmelzende Eis hat meinen BH in das Nordpolarmeer verwandelt und lässt meine armen Brüste leiden während wir in eine großen dunklen Geländewagen steigen. Der Fahrer schließe die Türe und während ich darüber nachdenke woher der Wagen kommt donnern wir durch die Häuserschluchten in die Dämmerung hinein.

Plötzlich rauschen wir eine Tiefgarageneinfahrt hinab und der Wagen fährt langsam über den quietschenden Parkhausboden. Der Wagen hält und der der Fahrer öffnet uns wortlos die Tür, geht zum Kofferraum und stellt unsere Koffer neben einen Aufzug, setzt sich in den Wagen und fährt weg.

Mein Herr geht zu seinem Koffer, nimmt Hand- und Fußfesseln und legt mich inmitten der Tiefgarage in Ketten. Mir wird bei dem Gedanken, dass mich jemand in dem Augenblick sehen könne ganz unangenehm warm und ich vergesse das Eis das in meinem Dekolleté geschmolzen ist. Ich ziehe mit gefesselten Händen und Füßen meinen Koffer in den Aufzug, mein Herr steckt eine Karte in den Aufzug und wir fahren los.

Als sich die Aufzugstüre öffnet blicke ich einem Butler in die Augen, mir werden schlagartig die Knie weich und so warm, dass sich Schweißperlen auf meiner Stirn bilden. Ich blicke den etwa 60 Jahre alten Mann an und kann kein Wort aus meinem Mund hervor bringen als er ohne eine Miene zu verziehen fragt ob er meinen Koffer tragen soll – ich halte ihm wortlos meinen Koffer hin.

Er erklärt, dass die anderen schon da seien und weist uns den Weg zu einer großen Doppeltür. Ich versuche meine Fußkette nicht über den viktorianischen Boden klatschen zu lassen und ich fühle mich wie eine Jungfrau die im Vulkan geopfert werden soll. Mein Herr greift nach den beiden Türen, ich sehe ihn bettelnd an, doch ein entsetzliches Grinsen huscht über sein Gesicht und er stößt die Tür weit auf.

10 Gedanken zu „Vor dem Sonnenuntergang

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