In die Pfalz

In einem der letzen Sommer schickte mir mein Liebster nicht mehr als eine kurze SMS, dass er mich in einem kleinen Ort in der Pfalz treffen will. Es war Freitagnachmittag und ich hatte meinen Koffer schon gepackt, damit ich nach der Arbeit schnell losfahren konnte.

Ich starrte auf mein Handy. Fluchte während ich in der Tiefgarage stand, ich hatte mich so auf unser Wochenende gefreut und nun so etwas. Genervt tippte ich die Adresse in das Navigationsgerät, das mir einen winzigen Ort irgendwo an der Südlichen Weinstraße anzeigte. Ich war hin und hergerissen ob ich ihn anrufen sollte – aber dann entschied ich mich doch einfach zu fahren und bald ließ ich Frankfurt hinter mir.

Nach etwa einer Stunde bog ich von der Autobahn ab und mein Navigationsgerät leitet mich über schmale Straßen durch die stickig heißen Weinberge die einen das Gefühl gaben in einem Labyrinth zu stecken. Ich fuhr durch winzige Dörfer in denen kein Mensch zu sehen war, alles wirkte so leblos und vor Hitze ausgetrocknet.

Stolz meldete die Tante im Navigationsgerät ich hätte mein Ziel erreicht und ich fragte mich, ob er mich in die Wüste geschickt hat. Langsam fuhr ich weiter und als ich schon am verzweifeln war, sah ich plötzlich das große schwarze Auto im staubigen Schatten stehen.

Ihn endlich zu finden hatte meinen Frust über die knappe SMS vergessen gemacht. Ich fiel ihm um den Hals und bevor ich auch nur ein Wort über seine Entscheidung verlieren konnte setze er mich auf den Beifahrersitz, packte meinen Koffer ein und wir fuhren eine schmale Straße entlang weiter hinauf in die Berge.

Die Straße war in schlechtem Zustand, überall klafften Löcher, es war kurvig und das Spiel aus Schatten und Sonne, das die Bäume auf den Schmalen Pfad warfen verlange nach viel Konzentration. So saß ich still auf dem Beifahrersitz und fragte mich wohin unsere Reise wohl führen würde.

Wir hielten auf einem kleinen Waldparkplatz und mein Liebster legte mir einen Beutel auf den Schoß den er hinter dem Sitz hervorgekramt hatte. Ich blickte hinein und sah auf meine Joggingschuhe. Schweigend sah ich an mir hinab, auf meine Strapse, meinen schwarzen Rock und die weiße Bluse von der Arbeit. Ich sah ihn an und er entgegnete mir harsch, du musst sie nicht anziehen. Ich sah aus dem Fenster, blickte den steinigen Weg der steil hinaufführt entlang und beschloss meine Joggingschuhe anzuziehen.

Wenig begeistert kraxelte ich neben meinem Liebsten den steilen Weg hinauf. Es war brütend warm, staubig und ein nervendes Insekt musste immer um mich herum fliegen so dass ich wütend nach im schlug und es doch nicht erwischte.

Ich begann zu quengeln und böse drohte mir mein Herr, dass er mir die Schuhe wegnehmen würde wenn ich nicht brav sei. Als er sich umdrehte um weiterzugehen zog ich eine Grimmasse und äffte ihn nach, doch aus den Augenwinkeln musste er mich gesehen haben und so holte er eine große Rolle Klebeband aus dem Rucksack und klebe einen breiten Streifen in mein entsetzest Gesicht. Er holte kurz inne, lauschte, blickte mich mit gehässigem Grinsen an und sagte „besser – definitiv besser“ und ging.

Wütend stapfte ich hinter ihm her, als er plötzlich vom eh‘ schon steinigen Weg abbog und geradewegs bergauf krabbelte. Als ich nicht hinterer wollte blieb er mit grimmigem Gesicht stehen, kam dann mit bösem Blick zurück, packte mich an den Haaren und zog mich jammernd und flehend hinter ihm her. Ich musste den blöden Abhang hinauf krabbeln ob ich wollte oder nicht. Krachtend liefen wir über das Unterholz das unter unseren Füßen zerbrach. Vorbei an Ästen die unseren Weg versperrten.

Dann ganz plötzlich blieben wir stehen mein Herr zwang mich auf den Boden, ich kämpfe gegen ihn, ich hasste den ekligen Waldboden mit den blöden Insekten, komischen Pflanzen und altem Laub. Mit aller Kraft legte er sich auf mich und bald lag ich falsch und leise winselnd auf dem Boden. Er packte meinen rechten Arm und zwang ihn auf meinen Rücken, ich drehte mein Gesicht weg so wenig wollte ich seine Augen sehen. Dann plötzlich hörte ich eine Kette, ich riss die Augen auf versuchte meine Kopf zu drehen und sah die Kette die an einem Baum ende und fühlte wie er sie um meinen Arm legte. Entsetze bäumte ich mich mit alle Kraft auf, doch als er von mir ließ war ich am Baum gefangen. Ich sah ihn giftig an, wie er in wenigen Metern Entfernung einer Decke saß.

Er legte sich hin und ignorierte mich einfach. Ich zog an der blöden Kette doch sie war mit einem großen Schloss an meinem Arm fixiert. Ich beobachtete ihn eine Weile und dann zog ich mir heimlich und leise das Klebeband vom Mund und erklärte ihm dann laut und deutlich, dass er ein Arsch ist.

Doch mehr als ein leichtes Grinsen konnten meine Beschimpfungen nicht bewirken. Dann plötzlich stand er auf und ging zu einer Kühlbox die er schon früher deponiert haben musste. Er nahm einen Eiswürfel und warf nach mit, nahm eine offensichtlich eiskalte Dose, setze sich zurück auf die Decke und trank. Ich beobachtete ihn, ich hatte ganz schrecklichen Durst doch er schien nicht mal daran zu denken mir auch etwas abzugeben. Ich entdeckte den Eiswürfel den er nach mir geworfen hatte und bewarf ihn mit dem schmelzenden dreckigen Rest. Er sah mich fragend an und ich sagte, ich wolle auch etwas. Er lachte und sagte so wie ich mich benehme würde ich ganz sicher nichts bekommen.

Ich stand auf und ging Richtung Box, doch die blöde Kette war genau so ein bisschen zu kurz dass ich nicht heran kam. Ich versuchte mit dem Fuß an die Kühlbox zu kommen doch es half alles nichts.

Mir blieb nichts anderes übrig als mich zu entschuldigen und allerlei schlimme Bemerkungen zu erdulden. Dann endlich durfte ich mich zu ihm auf die weiche Decke setzend die mich angenehm vom fiesen Waldboden trennte. Mein Herr reichte mir ein herrlich kaltes Getränk und wir legen uns beide hin und genossen die Einsamkeit und Ruhe.

Als ich die Augen öffnete und geradewegs nach oben Sah blickte ich auf ein in mehreren Metern Höhe gespanntes Seil. Ich schnelle hoch, sah meinen Herrn grinsend an und gerade als ich etwas sagen wollte, stopfte er mir eine Erdbeere in den Mund.

Dann gab er mir die ganze Schale und ich musste zur Strafe für mein schlechtes Benehmen für meinen Herrn das Grün von den Erdbeeren zupfen und ihm einzeln übergeben ohne auch nur eine einzige abzubekommen. Der herrliche Geschmack der einen klebe noch auf meinen Lippen und es war eine ganz schreckliche Strafe eine mehr zu bekommen doch dann endlich hatte er Mitleid und wir futterten und beide mit allerlei Obst den Magen voll.

Dann musste ich mich hinstellen und vor ihm ausziehen damit er in Ruhe über meine weitere Bestrafung nachdenken konnte. Irgendwie hatte ich im Gefühl, dass es etwas mit dem Seil im Baum zu tun haben könnte.

8 Gedanken zu „In die Pfalz

    • Ich fand es auch nicht so toll am Anfang – aber ich glaube genau darauf hat er spekuliert 😉

      Mh – aber der Weg durch diesen Wald war gar nicht so lange – wir sind max so 10 min gelaufen – war ne super ruhige Ecke im Pfälzer Wald wo kein nervender Mensch weit und breit war 🙂

      Hoffe du warst weiter fleißig am See 😉

      Liebe Grüße

      Dini

      • Ach so ich dachte jetzt schon du musstest mindestens eine Stunde da rum kraxeln 😉 (Xander ist da glaub ich alles zuzutrauen 😀 )
        Ja, wunderschön am und im See – und ich habe keinen Sonnenbrand!
        Na vielleicht ist ihm ja das Sonnenbaden nun dank Sonnenbrand vergangen und er findet ein bisschen Zeit zum schreiben *quengel* 😀

        Liebe Grüße

        die ungeduldige Ela 😉

      • Ich werde ihn die nächsten Tage mal persönlich ermahnen mehr zu schrieben – mist ich weiß schon wie das endet 😉

        Liebe Grüße

      • Danke 😉 Ich wünsch dir viel Spaß und Erfolg beim ermahnen 😛
        lg

  1. Ein Mensch mit so viel Einfallsreichtum ist wirklich sehr sehr selten. ^^
    Immer wieder für eine Überraschung bereit. *fg*

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