Das Paket

Vor einiger Zeit brachte mir der Empfang bei der Arbeit ein Paket aus Deutschland in mein Büro. Ich warf einen kurzen Blick auf den Absender und freute mich schon auf den Abend, wenn ich endlich sehen könnte, was mir mein Liebster zugeschickt hat.

Ich überlegte einige Zeit und kam zu dem Schluss, dass er mir meinen diesjährigen Adventskalender mit vielen schönen kleinen Gemeinheiten hat zukommen lassen. Ich dachte darüber nach, was mich wohl erwartet und konnte es kaum erwarten – so dass ich irgendwann beschloss schon während der Arbeitszeit einen Blick zu riskieren.

Kaum hatte ich voller Neugierde den Karton aufgerissen, bereute ich meine Entscheidung schlagartig, als gefühlte 10 Millionen Styroporkügelchen an meinen Armen kleben, sich bei jeder Bewegung weiter verteilten und bald von Kopf bis Fuß an mir kleben. An meiner Bluse, meinem Rock und  meiner Strumpfhose festhingen und als ich mir wutentbrannt durch die Haare strich sogar an meine Nase klebten.

Bei jedem Luftzug huschten weitere Kügelchen aus dem Karton und verteilten sich in meinem Büro. Fluchend versuchte ich den Karton wieder zu verschließen, doch dabei schoss mir ein weiterer Schwall der weißen Pest entgegen und verwandelte mich in einen giftig, nicht jugendfrei fluchenden Schneemann.

Während ich versuchte irgendwie das überall haftende Styropor loszuwerden, klingelte mein Handy und erinnerte mich daran, dass ich in wenigen Minuten in ein Meeting musste. Hastig versuchte ich die überall an mir haftenden weißen Kügelchen loszuwerden, doch wann immer ich ein Stück meines Körpers befreit hatte, kamen von anderer Seite schon neue Kügelchen und nahmen ihren Platz ein.

Entnervt, fluchend sprang ich durch mein Büro, warf den Kopf in den Nacken und fragte mich, wieso mir so etwas Gemeines passieren musste. Ich dachte darüber nach, was mein Herr wohl sagen würde und ich äffte nach wie er blöde grinsend in meiner Vorstellung sagte „du solltest ihn ja auch nicht während der Arbeit öffnen“.

Einige Zeit später saß ich mit lauter blöden kleinen weißen Bällchen in den Haaren im Meeting und dacht mit zugekniffenen Augen und aufgestütztem Kopf darüber nach, was ich meinem Herrn für Gemeinheiten an den Kopf werfen könnte. Mit Unbehagen schlich ich mich zurück in mein Büro und blickte zornig das blöde Paket an. Als ich endlich zuhause war, öffnete ich mit größter Vorsicht das Paket und hofft, nicht meine ganze Wohnung zu versauen. Ich hielt die Luft an, blickte das schreckliche weiße Zeug an und stocherte so vorsichtig wie möglich in der Kiste herum. Dann fühlten meine Hände endlich etwas im Meer des schon wieder an mir klebenden Plastikmistes. Vorsichtig zog ich es hinaus und ein blöder billiger Adventskalender kam zum Vorschein.

Ich blickte das billige Ding an, dass er sicher vom Restpostenmarkt hatte oder irgendwo vom LKW gefallen war. Es war ein besonders hässlicher Kalender mit so Schokolade aus eingeschmolzenen Osterhasen vom letzen Jahr. Das Modell das mein seinem verhassten Neven schenken würde, um seine blöde Vegane Bioschokoladenmama zu ärgern.

Wieder fluchte ich laut und hätte am liebsten den Kalender zurück in das Paket geschleudert, doch die Vorstellung der herumfliegenden Kügelchen hielt mich davon ab und so las ich den Brief meines Liebsten, der mir viel Spaß mit meinem Kalender wünschte und vor dunklem Humor kaum zu überbieten war.

Ich saugte wütend meine Wohnung und fluchte über das selbst am Staubsauger klebende Styropor. Ich dachte darüber nach, was für schöne selbstgemachte Kalender ich in den letzten Jahren bekommen hatte und jetzt dieses miese Ding. Manchmal waren Wäsche klammern in den kleinen Taschen oder winzige Geburtstagskerzen mit denen ich mich selbst quälen musste und dieses Jahr bekam ich kleingeriebene Verpackung und einen schnöden Schokokalender.

Einige Tage später am ersten Dezember hatte ich mich wieder beruhigt und nach einigem hin und her öffnete ich das erste Türchen und erwartete mein Stück eingeschmolzenen Schokoosterhasen. Doch hinter der Schokolade war ein winziger Zettel, auf dem in winzigen Buchstaben stand „Sorry wegen der Sauerei mit dem Styropor, aber weil du das Paket schon während der Arbeit geöffnet hast, erwarten dich zwölf  Schläge mit dem Rohrstock“.

Ich kniff die Augenzusammen und ärgerte mich darüber, dass er mich so gut kannte. Doch ich freue mich schon auf den nächsten Tag. Gerne hätte ich gleich alle Türchen aufgerissen, doch nach meiner Erfahrung mit dem Päckchen war ich lieber brav.

Ich wünsch euch einen schönen zweiten Advent

Dini

8 Gedanken zu „Das Paket

  1. Hallo Dini,

    schön mal wieder etwas von dir zu hören. =)
    Und vielen dank für diese Köstliche Geschichte, ich muss noch immer grinsen bei dem Gedanken an Styropor-Kügelchen. *ggg*

    Hoffe du hattest einen schönen 2ten Advent.

    Liebe Grüße Oliver

  2. Hey,

    Na wie geht es dir? Hoffe doch alles gut in Asien. 😉 Schön, dass es auch von dir mal wieder einen Eintrag gab =)

    Das war ja echt ne fiese Aktion.^^ Aber schlimm, wenn der andere einen schon fast besser kennt als man selbst 😛

    Noch viel Spaß mit den weiteren Türchen *g*

    LG, Kitty

    • Hey,

      mir geht es eigentlich soweit ganz gut. Ich muss im Augenblick auch nicht mehr so viel arbeiten und habe daher Zeit einwenig die Gegend zu erkunden 🙂

      Ich würde gerne wieder mehr schreiben, aber mein privates Internet geht oft mehrere Tage lang nicht bzw. ist so zensiert, dass ich nicht mal eine E-Mail schreiben kann :-/ Echt übel und manchmal wenn man eine Zeitung liest, könnte man meinen bei uns im Westen sind sie auf dem besten Weg, dass es genauso wird 😦

      Das war wirklich eine fiese Aktion – ich hab mich hinterher gefragt, wie die beim Zoll wohl geguckt haben, als die es aufgemacht haben 😀

      Ich hab viel Spaß mit den Türchen 🙂

      Hoffe dir geht es gut und du hast auch viel Spaß

      Liebe Grüße

      • Danke, mir gehts auch ganz gut soweit, habe nur zur Zeit selbst etwas Stress :/

        Oh gott das mit dem Internet klingt ja schrecklich, ich als Smartphone und Internetsuchti würde glaub ich die Krise bekommen 😀 Naja aber ich will heutzutage gar nicht wissen, was irgendwelche Behörden schon für Daten über mich gesammelt haben ^^

        Wer weiß, vll. hatten die beim Zoll auch die Kügelchen überall an sich kleben und haben sich geärgert xD Lustige Vorstellung…..

        Liebe Grüße,
        Kitty

      • Schön, dass es dir gutgeht 🙂

        Das mit dem Internet ist halt so ein Ding – manche Dinge funktionieren ganz prima und andere eben nicht besonders. Vorallem Blogs sind bei den zensoren nicht beonders beliebt – weil man könnte krische Dinge schrieben…

        Andere Seiten funktionieren ganz tadellos – ist also immer so ein Glücksspiel wenn man etwas will, ob es dann auch funktioniert oder nicht…

        Manchmal habe ich ja die Angst, wenn ich in ein paar Jahre zurückkomme ist es bei uns genau so :-/

        Ich hätte ja gerne ein Bild davon wie die geguckt haben als die Zolltypen voller Styropor waren 😀

        Liebe Grüße

  3. Ich habe gestern einen Karton ausgepackt, dessen Inhalt in so Styroporformen steckte – die Vorstellung das einem beim Öffnen des Kartons alles um die Ohren weht und überall an einem festklebt, hat mir richtig Gänsehaut gemacht 😉

    Ich freu mich, dass du jetzt endlich Urlaub hast 🙂

    Werden bestimmt ein paar wirklich schöne und aufregende Tage!

    Liebe Grüße

    Lea

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