Das kalte Metall

Mit einer Stunde Verspätung landete mein Flieger in Düsseldorf und ich überlegte, was mein Liebster wohl sagen würde, dass ich ihn warten ließ. Eilig schnappte ich meinen Koffer und düste hinaus in den Wartebereich um meinen Herrn um den Hals zu fallen.

Wir machten uns auf den Weg hinaus, als meine Augen auf einen silbernen Wagen fielen der zu Werbezwecken im Terminal stand. Zu meiner Überraschung gehörte der Wagen zu einer Werbeaktion von Sixt. Langsam umschlich ich den Wagen und blickte meinem Herrn grinsend ich die Augen, der mein Treiben schweigend verfolgte. Noch während ich nach Luft schnappte um zu erklären, dass ich den Wagen unbedingt mieten wollte, hörten meine Ohren ihr sagen, dass das Auto doch viel zu schnell für mich sei.

Böse blickte ich meinen Herrn an, der mich fies angrinste. Langsam kam ich auf ihn zu, als er fragte, was denn mein Einsatz sein solle, wenn ich verlieren würde. Ich überlegte einen Moment, als er mir entgegnete, dass es nicht schlimm sei, wenn ich einen Rückzieher machen würde. Wieder blickte ich in sein fieses Grinsen, als er mir zuflüstere, dass ein Käfig der Einsatz wäre. Wenn ich gewinnen, würde er mich nie wieder fragen, doch wenn ich verlieren würde, müsste ich hinein.

Durch meinen Kopf schossen unzählige Gefühle, zwischen der Peinlichkeit in einen Käfig gesperrt zu werden und dem Gesichtsverlust wenn ich jetzt kneifen würde und ihm zugestehe, dass er besser Auto fährt und ich mir keine Siegeschancen ausrechne. Schon mehrfach war das Thema Käfig zwischen uns zur Sprache gekommen und so beschloss ich, dass es wohl ein ganz guter Moment war, sich der Sache anzunehmen und wenig später hielt ich die Schlüssel zu einem Aston Martin Vanquish in meiner Hand.

Nach dem mein Liebster einen Freund bequatscht hatte ihm seinen Porsche zu leihen, wobei er ihm unverschämter weise versprechen musste mich nicht fahren zu lassen, lege ich mich früh hin, da wir in der Nacht aufbrechen wollten. Plötzlich begann mein Herr mit einem Maßband an mir herum zumessen und erzählte, dass er schon mal Maßnehmen wolle für einen geeigneten Käfig – so dass ich nicht besonders gut einschlafen konnte, da ich unentwegt an den blöden Käfig denken musste.

Mitten in der Nacht starte ich den lauten Motor, mein Liebster fuhr langsam vor mir durch die 30er Zone und wir fuhren auf die ziemlich leere Autobahn. Als wir endlich die letzen Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der A61 hinter uns ließen, fühlte ich das erste Mal die ganze Kraft des Motors und war hell wach. Ich genoss die Fahrt und nach einer Weile gewöhnte ich mich an den Wagen und dachte nicht daran, meinen Liebsten wieder vor mir zu lassen, doch als wir uns unserem Ziel nährten und die Sonne langsam aufging geschah es dann doch.

Wir hielten am Anfang der schmalen Straße die de Pfälzerwald von Kaiserslautern bis Landau durchzieh und zu meiner Verwunderung ließ er mich alle Regeln aufstellen wie wir feststellen wollten wer der Bessere Autofahrer von uns war und akzeptierte ohne jedes Maulen. Als wir die Motoren wieder starteten dachte ich noch einen Moment darüber nach dass er mir freie Hand lies, doch dann ging es los und ich zog ein meinem Liebsten vorbei. Ich fuhr so gut ich konnte und dachte einen Moment lang, dass ich vielleicht gar gewinnen könnte, als plötzlich in einer Kurve der Porsche mit durchdrehenden, qualmenden Reifen an mir vorbei zog und während ich mich noch ärgerte und Gas geben wollte, vor mir immer langsamer wurde und sich auf der Straße so breit machte, dass ich einfach nicht vorbei kommen konnte. Ich fluchte laut, während die Tachonadel immer tiefer sank, doch wann immer ich eine Lücke erkannte, war sie auch schon wieder weg, bevor ich auch nur den Hauch einer Chance hatte. Langsam begann ich die Lektion meines Herrn in Sportwagen fahren zu verstehen, auch wenn mein Frust und der Gedanke, dass ich haushoch verloren hatte mich zum Platzen bringen konnte.

Ich zog hinter meinem Herrn meine Bahnen, bremste und beschleunigte wie er und plötzlich waren wir schneller als ich mir je auf der engen kurvenreichen Straße mit den tiefen Abhängen und Bäumen am Rand zugetraut hätte. Wir hielten und mein Herr grinste mich fies an, schüttelte den Kopf und während er mich in den Arm nahm, sagte er naives kleines Ding, denkt es könnte besser fahren als ich.

Ich kniff die Augen zusammen und blickte meinen Herrn an, schlug ihm leicht gegen die Schulter und kuschelte mich dann in seinen Arm.

Als wir wieder zu Hause waren, wurde ich zum Abendessen machen verdonnert, während mein Herr mit allerhand Metall im Schlafzimmer dumpf aufeinander zu schlagen schien und es mir fast unmöglich machte, mich auf das Essen zu konzentrieren. Dann deckte er schweigend mit leichtem Grinsen den Tisch, rückte die Gabeln zurecht und zündete eine Kerze an. Mit den Gedanken an den elenden Käfig, der unweigerlich im Schlafzimmer seinen Platz gefunden haben musste, servierte ich das Essen und dachte bei jedem Bissen daran, was mich erwarten würde.

Als wir fertig waren, blickte mich mein Herr eine Weile schweigend, zurückgelehnt in seinen Stuhl an. Plötzlich blies er die Kerze aus, ging zu mir hinüber und während ich seine Hand in meinem Nacken spürte, sagte er: Ich wasche heute ab. Du gehst jetzt ins Bad und wenn du fertig bist, gehst du ins Schlafzimmer, ziehst dich aus, setzt dich in den Käfig und wartest bis ich mit dem Abwasch fertig bin.

Mit flauem Magen putze ich mir die Zähne, meine Gedanken kreisten immerzu um den schrecklichen Käfig. Langsam schlich ich Richtung Schlafzimmer und zu meinem Entsetzen blickte ich auf einen winzig kleinen Metallkäfig der mit weit geöffneter Tür hinter dem Bett stand. Langsam ging ich näher, fühle das massive kalte Metall und die Vorstellung mich hineinzusetzen war gleichermaßen peinlich und doch erregend.

Ich zog mich aus, lege meine Kleider sorgsam zusammen und nährte mich ganz langsam den kalten matt funkelndem Stahl. Ich hörte meinen Herrn die Töpfe in den Schrank räumen und krabbelte mit überbrodelnden Gedanken und Gefühlen in den winzigen Käfig. Dann plötzlich Stand mein Herr in der Tür, blickte einen Moment zu mir hinüber. Griff langsam in seine Tasche und holte ein großes Vorhängeschloss heraus. Schlagartig waren meine Gedanken wie gefesselt, schweigend, sah ich wie er sich mir langsam nährte, ungläubig beobachtete ich wie er die Türe des Käfigs zuschob und das große Schloss mein Schicksal besiegelte.

Er blickte schweigend auf mich hinab, ein dezentes Grinsen lag in seinem Gesicht als er sich umdrehte und im Schlafzimmer zurück ließ. Ich war gemeinsam mit meinen Gedanken und Gefühlen eingesperrt worden, doch langsam begann es mich zunehmend zu erregen und heute mag ich den Käfig im Spiel nicht mehr missen.

2 Gedanken zu „Das kalte Metall

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