Drei in eines

Im strömenden Regen beginne ich meinen Koffer zu packen und frage mich, wie wohl das Wetter an unserem Zielort sein wird. Wir haben uns eine Hütte in den Schweizer Bergen gemietet und ich überlege, was ich bloß mitnehmen soll als es an der Türe klingelt.

Ich blicke erschrocken auf die Uhr, doch zu meiner Erleichterung habe ich noch Zeit bis ich mit meinem Koffer fertig sein muss und überlege, wer wohl vor der Tür steht. Leise schleiche ich mich zur Tür und halte den Atem an, als ich durch den Türspion blicke. Ich muss grinsen als ich in die von zerzausten nassen blonden Haaren halb verdeckten Augen meiner Freundin Natalia blicke.

Ich reiße die Tür auf, halte eine Sekunde inne als ich ihre vom Regen durchtränkte Kleidung sehe und dann fallen wir uns in die Arme. Ich tue überrascht, als ich höre, dass sie sich von ihrem Freund getrennt hat und freue mich insgeheim, dass sie den Deppen abgeschossen hat, während ich uns einen Kakao mache.

Ich beobachte wie ihre blauen Lippen langsam den heißen Kakao berühren, wie sie nachdenklich in die Tasse blickt und frage mich insgeheim wie ich ihr nur beibringen soll, dass ich in wenigen Stunden wegfahre. Irgendwann platzt es einfach aus mir heraus, sie sieht mich fragend an und ich schiebe schnell hinterher, dass sie gerne hier bleiben kann. Still beobachte ich wie sie noch einen Schluck Kakao trinkt, wie ihr nasses Haar wieder in ihr Gesicht zu rutschen droht und denke darüber nach, wie es wäre wenn wir sie einfach einpacken und mitnehmen würden.

Ich blicke ihr grinsend ich die Augen und als sie meinen Blick bemerkt kneift sie die Augen zusammen und erkennt meinen Intention nach einem langen Moment intensiven Blickkontakts. Verlegen blickt die in ihre Tasse und sagt, dass es doch nicht ginge. Mein Grinsen wird breiter und ich sage, stimmt so nass nehmen wir dich nicht mit. Sie schweigt einen Moment und bricht dann mitten im Satz, ob ich nicht wenigstens meinen Liebsten fragen solle, ab.

Eilig packe ich meinen Koffer weiter, während Natalia sich ihre Haare trocknet und in einen meiner Trainingsanzüge schlüpft. Ich blicke entsetzt auf die Uhr und während ich noch mit meinem wie immer zu keinen Koffer kämpfe, kämpft Natalia mit ihren Haaren und als wir hören wie es Klingelt stehen wir beide etwas nervös da und blicken uns mit großen Augen an.

Mein Liebster gibt mir einen Kuss und sieht mich dann einen Moment schweigend an, bevor erfragt, ob ich mal wieder mehr mitnehmen wolle als in meinen Koffer passt während sein Blick über Natalia in meinem Trainingsanzug streift. Natalia begrüßt meinen Liebsten und fragt leise, ob es für ihn in Ordnung sei, was bei meinem Herrn ein breites Grinsen hervorzaubert und zu der Bemerkung verleitet, dass es wohl eher wir seien, sie sich da Gedanken machen müssten.

Wieder blicke ich Natalia einen Moment schweigend in die Augen, dann müssen wir beide grinsen und erklären übereinstimmend, dass es er sei, der sich fragen müsse ob er mit uns beiden fertig wird.

Nach dem ich mit Natalias Hilfe endlich meinen Koffer zubekommen habe, muss sie ihre Autoschlüssel an meinen Herrn übergeben und wir fahren mit ihrem schwarzen Einparkschreck, noch einen Koffer für Natalia packen – der aus irgendeinem Grund genauso schwer zugeht wie mein eigener. Doch gemeinsam schaffen wir auch das und sind mit Einbruch der Nacht auf dem Weg Richtung Süden.

Da mein Liebster kein Freund von Scheinwerfern im Rückspiegel ist, wechseln wir uns mit dem Fahren ab und nach einigen Stunden darf ich mich auf die Rückbank kuscheln während Natalia weiter durch den strömenden Regen brettert und mein Liebster sich ärgert, dass er zum Sitzplatzwechsel im Gegensatz zu mir ausgestiegen ist.

Irgendwann kurz nach dem ich aufwache und nach einigem Minuten Halbschlaf mitbekomme, dass es gar nicht dunkel ist, sondern wir durch den Gotthard fahren grüßen uns die ersten morgendlichen Sonnenstrahlen als wir das Tessin erreichen. Wir fahren von der Autobahn ab und frühstücken in einem verschlafenen Nest, warten bis wir den Schlüssel für unsere Hütte von der Vermieterin gebracht bekommen, freuen uns wie schön es ist die Miete durch 3 zu teilen und überlegen, was wir noch einkaufen wollen, bevor wir in die Berge weiterfahren.

Nach dem wir genug zu essen für eine Woche haben und sich auch die eine oder andere Flasche Wein in unseren Einkaufswagen verirrt hat machen wir uns auf den Weg in die Berge. Es sind nur noch 8 Km und ich freue mich schon darauf auf dem Sofa auszuspannen, doch der Weg wird unglaublich schmal und wir fragen uns ob wir wohl die richtige Straße genommen haben als wir durch einen kleinen Bach fahren. Der Weg ist so schmal, dass wir nicht wenden können, er ist so schmal, dass wir uns nur ganz langsam weiter vorwagen und alle hellwach sind, während wir in die Tiefe blicken die sich 10 cm neben den Reifen gefühlt senkrecht bis ins Tal erstreckt.

Nach einer Stunde erreichen wir plötzlich unsere Hütte mitten in den Alpen nur ein paar Hundert Meter unter der Baumgrenze und blicken hinab in das weite Tal und hinauf zu den Schneebesetzen Wipfeln, während wir uns an die Schultern meinen Liebsten kuscheln.

Natalia schnappt sich den Schlüssel und ist als erste im Haus, dessen Erdgeschoss aus einer großen Wohnküche, Bad und einem Holzofen besteht, hinauf in den ersten Stock führt eine kleine Wendeltreppe, es gibt zwei hübsche Zimmer mit Doppelbetten mit Balkon und eine Leiter hinauf in das Dachgeschoß, wo sich noch ein paar weitere Betten verstecken die uns irgendwie an die Geschichte von den 7 Zwergen erinnern.

Offenbar hatte mein Herr aber noch einen anderen Gedanken beim Anblick der Leiter gehabt und so finden sich Natalia und ich bald gebückt, mit auf dem Rücken an der elenden Leiter gefesselten Armen wieder, während mein Herr sich nicht von dem Gedanken abbringen lässt, dass wir auf dem schmalen Weg viel zu viel genörgelt und an seinen Orientierungskünsten gezweifelt hätten.

Unsere Versuche unser Schicksal, wahlweise durch Beschwichtigungen oder Flüche abzuwenden endet schließlich darin, dass wir mit heruntergelassenen Hosen den ganzen Vormittag in unserer Lage belassen werden und die fiese Position in der wir gefesselt sind meinem Herrn die Arbeit und zu bestrafen abnimmt, während er in aller Ruhe das Auto auspackt und den kleinen hübschen steinernen Grill neben dem Haus mit einigen Holzscheiten anfeuert.

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