Das Einzelzimmer

Den ganzen Nachmittag hatten meine Freundin Natalia und ich darüber nachgedacht, wie wir es am besten Anstellen würden, dass wir das freie Bett neben meinem liebsten fair aufteilen. Uns beiden lief beim Gedanken alleine im Einzelbett zu liegen, während die andere bei ihm war, ein kalter Schauer über den Rücken. Wie entsetzlich langweilig es wäre und anstrengend sich die ganze Nacht das Kissen über den Kopf zu ziehen, damit man überhaupt einschlafen könnte bei dem zu erwartenden lärm.

Am Abend saßen wir gemeinsam auf der Couch und kuschelten uns an die Seite meines Liebsten, tranken ein paar Gläser Wein und schlugen unsere Ideen vor. Mein Herr grinste leicht vor sich hin, als er unsere Vorschläge zur Kenntnisnahm und erklärte, nach dem wir alles erläutert und die Vor- und Nachteile aufgezählt hatten, dass er schon eine adäquate Lösung gefunden hatte.

Blöderweise ließ sich kein Fünkchen seiner Überlegung herausfinden so viel wir auch quantelten und so blieb uns nichts anderes übrig als uns für die Nacht fertig zu machen. So standen wir bald da und warteten gespannt, was sich mein Herr für unser Dilemma überlegt hatte.

Doch zu unserem Entsetzen mussten wir feststellen, dass seine Überlegung so gar nicht zu unseren passten. Recht wortlos wurden wir zu den zwei übrigen freien Schlafzimmern geführt und mussten uns jeweils alleine in eines der Zimmer begeben. Mit der Bemerkung, dass wir heute schon genug angestellt hätten, wurden die Türen hinter uns verschlossen und ich setzte mich ziemlich enttäuscht auf mein Bett. Trotzig blickte ich die verschlossene Tür an, verschränkte meine Arme vor dem Körper und dachte darüber nach wie gemein und unfair es war, dass ich nun hier alleine in dem blöden Bett schlafen musste.

Ich starrte Löcher in die Decke und war ziemlich sauer auf meinen dummen Herrn. Ich hatte immer noch die Arme verschränkt und lag auf dem Bett, als ich plötzlich Natalias Stimme hörte. Ich machte das Fenster auf, streckte den Kopf hinaus und sah Natalia aus dem Nebenzimmer die es mir gleich tat. Wir klagten uns gegenseitig unser Leid über unsere blöden Einzelzimmer und überlegten die halbe Nacht wie wir es meinem Herrn heimzahlen könnten. Erst spät, als unser Plan stand und wir halb erfroren die Fenster schlossen, schlief ich ein.

Am Morgen begrüßte uns mein Herr mit frischem Kaffee und fertig gedeckten Frühstückstisch, doch von unserem Vergeltungsplan für die fiese Nacht ließen wir uns nicht so leicht abbringen, auch wenn wir uns bemühten uns nichts anmerken zu lassen.

Für den Tag hatten wir einen Ausflug in die Therme Vals geplant und so machten wir uns nach dem Frühstück auf Richtung Graubünden. Je länger die Fahrt dauerte, desto öfter beobachtete uns mein Herr im Rückspiegel, denn so ganz wollte er dem Frieden wohl nicht trauen, doch dann lächelten wir nur und freuten uns innerlich auf unsere Rache.

Nach dem wir die Therme betreten hatten, vergaßen wir für einen Augenblick unseren Tagesplan und ich schwamm mit Natalia durch das Becken und während uns das warme Wasser die letzte Kälte der vorhergegangenen Nacht aus dem Körper zog, genossen wir den Blick hinaus in die Berge.

Mein Liebster ärgerte uns ein bisschen, in dem er manchmal an den Bändern unser Bikinis zog, doch nie so, dass wir ihn ernsthaft vertreiben mussten, sondern ihn nur böse anguckten.

Dann beobachten wir meinen liebsten wie im ganz warmen Becken verschwand und fackelten nicht lange seinen Bademantel samt Inhalt wie Zugang zum Spint in unserem in der Damenumkleide zu verstecken. Unschuldig trieben wir durch das warme Wasser als mein Herr uns wenig später vom Beckenrand mit zugekniffenen Augen beobachtete. Fies grinse ich ihn an, bevor wir das Weite suchen und ihn einsam in seiner Badehose zurücklassen. Langsam beginnt eine stille Jagt durch die Becken, wobei wir uns, wenn wir grade so entkommen sind ausmalen, was uns schreckliches blühen würde, wenn er uns erwischt. Wir schleichen uns durch die Gänge der grottenartigen dunklen Therme, verstecken uns im Dampfbad, merken panisch, das das Feuerbad wirklich ziemlich heiß ist und flüchten zum Abkühlen in das Eisbad (das wirklich ziemlich eisig ist). Ohne zu rennen und Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen ist das Flüchten und Jagen ganz schön nervenaufreibend und irgendwann gerät Natalia in die Fänge meines Herrn. Aus der Ferne beobachte ich wie er sie mit ins Eisbad nimmt und schon beim Anblick wird mir ganz kalt und um Natalia zu retten hole ich notgedrungen den Bademantel aus der Damenumkleide.

Nachdem Natalia beschließt nun doch noch mal das Feuerbad aufzusuchen, lasse ich mich ganz langsam zu meinem Herrn in das kalte Wasser hinab. Wortlos treiben wir aufeinander zu, sehen uns lange in die Augen während wir durch den Pool treiben und geben uns einen Kuss in der bei nahen Dunkelheit des Bades. Ich schließe die Augen und genieße den Moment der Ruhe und Ungestörtheit.

Auf der Rückfahrt blickt uns mein Herr mit zugekniffenen Augen im Rückspiegel an, während wir ihn davon überzeugenwollen, dass dies nur ausgleichende Gerechtigkeit für die fiese Nacht im Einzelzimmer war. Doch irgendwie werden wir das Gefühl nicht los, dass ihn unsere Argumente nicht so recht überzeugen wollen.

Wir gruseln uns bei dem Gedanken, dass wir wieder in unsere Einzelzimmer sollen und schlagen vor, dass wir uns auch ein Bettchen teilen könnten ohne ihn aus dem Bett zu drängen, was mein Herr mit einem mit einem skeptischen Blick beantwortet und dann in sich hinein grinst.

Wieder in unserer Berghütte angekommen müssen wir uns um das Essen kümmern, während mein Liebster Holz hacken geht. Damit wir uns zumindest etwas benehmen und die Schuld nicht auf die jeweils andere schieben können, wenn irgendetwas mit dem Essen nicht stimmen sollte, werden wir dieses Mal an einer Hand aneinander gekettet.

Nach dem Essen gucken wir uns noch einen Film an, wobei wir nur weil wir ausversehen etwas Popcorn im Nacken meines Herrn fallenlassen, übers Knie gelegt werden und zu allem Überfluss auch noch die Schläge zählen müssen. So kommt es, dass wir nur wenig vom Film mitbekommen. Später als wir uns noch einen Kakao gemacht haben und den letzen Flammen im Ofen zugucken, deren Glut etwa gleich warm zu sein scheint wie unsere Hintern, denken wir darüber nach worum es in dem Film eigentlich ging, während mein Herr sich entscheidet, dass er uns heute mit in sein Bettchen nehmen will.

 

2 Gedanken zu „Das Einzelzimmer

    • Hi Lea,

      die Therme liegt im Ort Vals in Graubünden und gehört zu einem Hotel mit dem Namen „7132“. Leider sind die in letzter Zeit etwas durchgeknallt und der Eintritt kostet 80 Franken! Wir waren vor zwei Jahren mal dort und damals haben sie noch ca. 40 Franken verlangt. Bei den neuen Preisen lohnt sich der Besuch eigentlich nicht mehr – wir wollten nur nach der langen Fahrt nicht umkehren :-/

      Liebe Grüße

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