Männerträume oder funktioniert BDSM mit zwei Frauen

handsKurz vor Weihnachten 2012 haben wir auf unserem Blog einen Eintrag veröffentlicht, in dem wir eine zweite Sub gesucht haben. Wir hatten beinahe ein ganzes Jahr über dieses Schritt nachgedacht und waren uns anfangs sehr unsicher, wie sich eine andere Frau auf unsere eigene Beziehung auswirken würde, ob auf einmal Eifersucht oder Verlustängste sich in unseren Gedanken breit machen würden.

Ursprünglich war es, entgegen der allgemein geäußerten Vermutung übrigens meine Idee gewesen, denn die Vorstellung eine gute Freundin zu haben, mit der ich einige Dinge gemeinsam erlebe hat mich schon lange gereizt, wobei sich dies primär auf reine BDSM Themen bezog und weniger auf Sex an sich. Genau genommen war Sex sogar der Punkt weswegen ich lange unsicher war, ob ich die Idee wirklich gut finden sollte oder lieber tief in meinem Kopf vergrabe.

Aber am Ende haben wir uns gemeinsam dafür entschieden, es zumindest zu versuchen. Wir treffen alle wichtigen Endscheidungen gemeinsam und ich denke, eine gesunde Beziehung ob nun mit oder ohne BDSM Elementen, wird auf Dauer nur funktionieren, wenn man sich gemeinsam für oder gegen etwas entscheidet und dann auch zu seiner Entscheidung steht.

Auf unsere Anzeige meldeten sich mehrere Frauen und zu meiner großen Überraschung waren sie alle wesentlich vernünftiger und netter als in der BDSM Szene teilweise üblich. Was sie gemeinsam hatten war, dass sie erfreulich wenig mit der offenen BDSM Szene zu tun hatten und von den Vorstellungen mit uns sehr gut harmonierten. Mehrere waren selbst in glücklichen Beziehung, nur eben mit einem Partner der mit BDSM selbst nichts anfangen konnte. So dass sich das Thema Sex erst einmal gar nicht so sehr in den Vordergrund schob und ich am Ende wesentlich besser mit dem Gedanken umgehen konnte, als anfangs gedacht.

Nach einiger Zeit kristallisierte sich heraus, mit wem es womöglich passen könnte und während ich in Shanghai durch die Stadt irrte auf der Suche nach deutschem Brot, kam es zur ersten Session ohne das es mich innerlich zerriss, da ich fühlte, dass meine eigene Beziehung und unsere gegenseitige Zuneigung und Ehrlichkeit so stark waren, dass ich mir keine Sorgen machen musste.

Das schöne war, dass sich so für meinen Liebsten ein Teil seiner Neigung erschloss, den ich nicht mit ihm teilte und auf den er in unserer eigenen Beziehung all die Jahre verzichtet hatte. Ich war mehr neugierig wie ihm eben jene Dinge denn am Ende gefallen haben, als das ich es schlimm fand und irgendwie überlegte ich mir, wie es wohl sei gleichzeitig mit einer anderen Frau in eine Session zu tauchen.

Natürlich hätte ich selbst auch ausprobieren können, wie es denn mit einem anderen Mann ist, aber zum einen hab ich nie das Bedürfnis verspürt mit einem anderen Mann zu schlafen, da ich mit dem was ich habe sehr zufrieden bin und mir einfach nichts fehlt. Zum anderen ließ sich keiner für eine Session finden zu dem ich genügend vertrauen hätte oder das Gefühl, dass er meinem Liebsten in dem was er tut ebenbürtig ist. Ich habe inzwischen sogar den Eindruck relativ verwöhnt zu sein, was BDSM betrifft.

Eine anfangs ziemlich stille Beobachterin war meine Freundin Natalia, die dem ganzen eine Weile mit einer Mischung aus Interesse und Belustigung folgte. Sie warnte mich davor, dass solche Experimente am Ende meistens nicht gutgehen würden und oft das Vertrauen in einer Beziehung nachhaltig stören würden.

Tatsächlich kam nach dem ersten relativ unbeschwerten Umgang eine Phase, in der ich das ganz schwieriger fand und hätte mein Liebster in dieser Zeit anders reagiert, wäre es für unsere Beziehung zu einer Belastung geworden. Doch ich habe das Glück einen Freund zu besitzen, der auch auf das was ich nicht sage sehr feinfühlig reagiert und so hat es unseren Zusammenhalt und unsere Liebe zueinander am Ende wohl gestärkt.

Es kam zu einem Abend, an dem Natalia nach starkem Zoff mit ihrem damaligen Freund vor meiner Wohnungstür stand und ich relativ spontan entschloss, dass es der richtige Moment wäre sie einfach mal mitzunehmen auf unsere einsame Hütte in den Bergen und zu sehen was passiert. Schon auf der Fahrt kam es ungeplant zu gemeinsamen Sticheleien gegen meinen Liebsten, bei der wir uns in die Augen sahen und beide wussten wie das ganze am Ende für uns ausgehen würde und doch fühlet ich mich in dem Moment gut und wir setzen beide zu weiteren fiesen Attacken an.

Ich habe an diesem Abend das erste Mal gefühlt wie es sich anfühle, wenn man nicht zu zweit in einem Raum ist, sondern wie eine dritte Person das Spiel beeinflusst, es gewinnt an Dynamik, da keiner weiß was der andere machen wird. Man kann sich gegenseitig tiefer hineinziehen, sich gegenseitig Halt geben oder gegen den anderen Spielen wenn er einen verärgert hat.

Ich habe diese Wechselbeziehungen sehr schnell zu schätzen gelernt und manchmal ist mir nach genau so einem Spiel. Doch genausooft mag ich meinen Herrn einfach nur für mich alleine haben. Darin liegt die Schwierigkeit eben jener Konstellationen. Es ist schwierig die Waage zu finden.

Ich denke, dass eben jene Spiele nur dann funktionieren, wenn man der anderen Frau ebenso vertraut wie dem Partner. Ob man sich auf eine Session mit zwei Frauen einlässt, sollte man sich gut überlegen. Gefühle sind nur selten rational und wenn es auch nur selten kriselt, dann können sich in diesen vielleicht auch noch so winzigen Spalt zwischen beiden viele verwirrende Gefühle einnisten.

Es ist eine Entscheidung, die man nur gemeinsam treffen kann und wenn auch nur ein Hauch von zweifel herrscht, sollte man es lieber lassen oder man riskiert sehr schnell alles. Ich für mich habe gelernt, dass ich es manchmal liebe, eine verbündete an meiner Seite zu haben. Jemanden mit dem ich gemeinsam austesten kann wie weit ich gehen kann und die Konsequenzen gemeinsam zu tragen. Ich sehe die Frau mehr als eine Freundinn an meiner Seite als eine Gespielin meines Herrn.

Ich glaube, ich könnte es mir auch nicht anders vorstellen.

In Teilen der BDSM Szene hat sich die Vorstellung verbreitet, dass ein Dom mehrere Subs haben darf und diese kein Mitspracherecht daran haben. Ich halte dies für Unfug, eine Beziehung besteht nicht nur aus BDSM, sondern ganz stark auch aus normaler Partnerschaft und in eben jener kann man nur gemeinsam entscheiden was man mag und was nicht. Ich jedenfalls würde mir so etwas nie gefallen lassen.

12 Gedanken zu „Männerträume oder funktioniert BDSM mit zwei Frauen

  1. Super Artikel, vielen Dank dafür! Ich bin ganz deiner Meinung: wenn eine zweite Frau mitspielt, sollte man (frau) sie als gute Freundin sehen können. Eure Geschichte zeigt, dass mit Ehrlichkeit, Offenheit und einer gewissen Verhandlungsbereitschaft sehr vieles möglich ist. Zu den „Dom’s“ die ohne Mitspracherecht der Sub sich mehrere Frauen „halten“ wollen. Nun, wo ist die Dominanz, die Fähigkeit zu Führung, wenn der submissiven Partei sowieso kein Vetorecht eingeräumt wird?

    • Ja genauso seh ich das auch! Wenn ein dom sich im Alleingang eine zweite Frau sucht, dann ist das ein „Halten“ wie man sich zwei Hunde hält. Ich könnte so nicht leben – da würde ich mich immer unter Wert behandelt fühlen…

      Ich kann auch nicht verstehen, wie sich manche Frauen darauf einlassen können. Aus meiner eigenen Perspektive kann ich das gar nicht nachvollziehen und auchnicht verstehen.

      Liebe Grüße

  2. Huhu Nadine,

    ich kann mich da nur anschließen, ist ein sehr schöner Artikel geworden. =) Und ich stimme zu, funktionieren könne viele Art der Beziehungen, es ist halt nur eine Frage des Vertrauen und wie das ganze zusammen passt. Ich kenne das ja selbst aus meiner Vergangenheit.

    Und nein, ich sage mal das es nur nur eine (Dom) Männer Phantasie ist das spiel zu dritt zu gestalten. Diese Vorstellung haben auch einige Subs. *fg*

    Man muss es auch so sehen, wenn es funktioniert, dann eröffnen sich ja auch sehr interessante Spiel-Konstellationen … man kann unter den Sub einen Wettkampf machen oder die eine die andere ärgern lassen und da kommt dann definitiv eine Retourkutsche oder sie verschwören sich eben gemeinsam gegen Dom (wer verliert ist ja klar). *fg*

    Das wichtigste ist aber immer, das alle es auch wollen, also nicht so wie man es üblich kennt, das sich der Dominate paar einfach jemanden zweiten nimmt ohne das Sub das auch will. Denn das kann nur nach hinten los gehen. ^^

    Wie sagt man, wenn’s passt, dann passt’s oder es wird einfach passend gemacht. =)

    Liebe Grüße,
    Ruby

    • Hallo Oliver,

      schön, dass du dich mal wieder meldest 🙂

      Ich finde es manchmal selbst seltsam, dass es durchaus eine Fantasie ist, die ich manchmal habe – aber wenn man es vorsichtig angeht, dann kann es wirklcih viel Spaß machen und du hast recht, dass sich gegenseitig in den Kakao ziehen oder verbünden funktioniert dabei ziemlich gut^^

      Ich glaube ich bin wohl zu wenig unterwürfig um mir eine andere Frau gegegn meinen Willen an die Seite stellen zu lassen 😉

      Wie geht es dir denn? Läuft es gut mit deiner Dame? So ein wenig haben wir ja den Kontakt verloren…

      Liebe Grüße

      Nadine

      • ^^ zu unterwürfig sollte man ja auch nicht sein. *ggg* Zumindest wenn man es kann. ^^ *pfeif*

        Danke mir geht es soweit gut und es läuft vor sich hin wie man so schön sagt.

        Meine Lady Roza und ich sind, ein Herze und eine verdammt sadistische Seele die perfekt zusammenpassen. ^^ Nur trennt uns leider so wie bei euch, die Distanz (noch) um auch ganz viele böse Erlebnisse auf die Beine zu stellen. *ggg* Aber das werden wir auch noch überstehen.

        Ja, leider. Die Zeit vergeht so schnell und man soll oder will so viele Dinge tun. Deine Mail Add habe ich ja leider auch nimmer (alten PC geschrottet). Und wenn dann nicht gerade mal wieder ein Artikel kommt, das man wieder erinnert wird, das man ja eigentlich sich melden wollte. Würde mein Hintern nicht angewachsen sein, müsste ich ihn sicher jedes mal suchen, wenn man ihn verhauen möchte. =)

        Ich verspreche mich zu bessern, das ich nicht verloren gehe und zumindest bin ich ja immer zu finden auf meinem (neuen) Blog.

        Wünsche dir ein schönes Wochenende und nochmal viele liebe grüße. =)

  3. Hallo Nadine,

    schöner Artikel, danke dafür. Ich teile deine Sicht. Leider muss ich es erleben, dass meine Subbie sich entschieden hat, eine Gelegenheit zu nutzen und mit anderen zu spielen. Sie ging stillschweigend davon aus, es mache mir nichts aus, weil wir sonst recht offen sind. Ich finde, sie hätte mir sagen müssen, dass ihr etwas fehlt – das Spiel zu dritt, viert..
    Wir haben die Entscheidung nicht gemeinsam getroffen und entgegen meinen eigenen Erwartungen bin ich eifersüchtig.
    Ja, ich weiß, Eifersucht und BDSM passen für viele nicht zusammen, aber ich liebe meine Subbie. Ich empfinde es als Vertrauensbruch. Wahrscheinlich wird das Verhältnis enden.

    Reden ist alles. Schon, wenn man gemeinsam eine Lösung finden kann

    Gruß Wolf

    • Hallo Wolf,

      ich kann dich gut verstehen, dass du die Situation als Vertrauensbruch empfindest. Ich denke, mir wäre es an deiner Stelle ähnlich gegangen…

      Auch wenn Teile der BDSM Szene, vor allem der sehr laute Teil, der Ansicht ist, dass man grundsätzlich sehr offen zu sein hat, so ist doch jeder Mensch anders und hat andere Vorstellungen. Nur weil man auf BDSM steht, heißt das ja auch noch lange nicht, dass man alles gut finden muss, was es in der Szene gibt.

      Ich beobachte immer wieder, dass es sowohl Subs als auch Doms gibt, die scheinbar mit dem was sie haben nicht zufrieden sind und sofort wieder ausschau nach neuen Bekanntschaften suchen. Ich bzw. wir fragen uns dabei jedoch immer, wie man seinen Partner überhaupt gut genug kennenlernen soll, damit man spürt wie es ihm in einer Session geht, wenn man sich nie richtig auf einen Menschen einlässt, sondern ständig mal hier und mal da ist…

      Aber das ist eine Entscheidung die jeder für sich selber treffen muss…

      Ich wünsch dir, dass ihr da noch einmal zusammen an einen Punkt kommt, an dem sich das Reden lohnt 🙂

      Liebe Grüße

      Nadine

    • Hallo Wolf
      Ich kann gut verstehen, wie du dich fühlst. Bin selbst auch ein eher monogamer Mensch. Trotzdem fallen mir ein paar Sachen auf in deinem post. Das Wichtigste und Schönste: du liebst sie. Lässt man die Liebe so einfach gehen, oder – in diesem Fall – jagt man sie davon? Wenn Sub ihre „Seitenspiele“ hätte verheimlichen wollen, hätte sie es gekonnt. Wie ich dich verstehe, war sie aber offen? Nur nicht zu dem von dir bevorzugten Zeitpunkt. Sie hat die Lage falsch eingeschätzt. Da kommt der zweite wichtige Punkt: Du schreibst „Zu meiner eigenen Überraschung war ich eifersüchtig“. Selbst du warst überrascht von deiner Reaktion? Wie hätte Subbie es dann ahnen sollen, gehen wir mal davon aus, dass du dich bisher immer verhalten und geäussert hast in die Richtung „ich bin nicht eifersüchtig“? Klar, wenn Subbie eine Person ist, die nie wirklich nahe ist und immer nach Neuem sucht, ist sie vielleicht nicht die Richtige für dich. Aber nach dem, was du geschildert hast, würde es sich vielleicht lohnen, zu reden. Wirklich zu reden. Und wirklich zuzuhören. Mit dem Herzen.

  4. Vielen Dank für den Artikel, ich stecke gerade in einer solchen Situation, nur bin ich diejenige die hinzu kommt, ich stehe auf der anderen Seite. Ich habe mir, wir haben uns, sehr ähnliche Gedanken darüber gemacht, ich finde hier viele Gedanken wieder.

    LG – Lieselotte

    • Hallo Lieselotte,

      es freut mich, dass du dich in meinem Beitrag wiederfinden kannst 🙂

      Es ist einfach eine Abwägung ob es geht oder nicht. Man darf das Risiko nicht außer acht lassen, aber auf der anderen Seite ergeben sich auch viele Möglichkeiten.

      Liebe Grüße

      Nadine

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