Anderer Eltern Kinder – oder wieso BDSM mit Respekt und Behutsamkeit zu tunhaben sollte

Ich glaube, das BDSM Praktiken eine zeitlich begrenzte Ausnahme der im Alltag zwischen Menschen geltenden Regeln des Miteinanders darstellen. Was in einer Session passiert findet einvernehmlich zwischen den Beteiligenten erwachsenen für einen begrenzten Zeitraum aus erotischen Motiven statt.

Was genau die beteiligten unter BDSM Praktiken verstehen, muss nicht dem der Mehrheit der BDSM betreibenden oder gar der allgemeinen Vorstellung von BDSM gerecht werden. Sondern für die Beteiligten zum einen das sein, was ihrer Erotik entspricht und zum anderen Müssen sich alle über die ganze Tragweite ihrer Einwilligung in die Ausnahme des normalen Miteinanders bewusst sein.

Ich habe oft das Gefühl, dass vor allem der letzte Punkt wenig mit der gelebten Realität gemein hat. Wirft man einen Blick auf einschlägige Partnerportale, Foren oder auf die eine oder andere Veranstaltung, so wird einem schnell bewusst, dass sicher nicht alle, aber doch ein nicht unerheblicher Teil der sich selbst als „dominant“ bezeichnenden Nutzer, zwar von den allesamt in den Newsgroups der späten 80er und frühen 90er Jahre geschaffen Regeln die BDSM profitieren sich selbst aber nur oberflächlich damit verbunden fühlen.

Natürlich gibt es nur wenige, die soweit gehen und die Regeln etwa des SSC oder meinetwegen auch RACK offen missachten. Ganz im Gegenteil sind die meisten der Ansicht, dass ihnen Einvernehmen außerordentlich wichtig ist. Aber aus meiner Sicht gehört zum Einvernehmen wesentlich mehr als ein paar dahingeworfene Worte von Einverstanden und Safeword.

Insbesondere gegenüber unerfahrenen Subs wird sehr häufig der Eindruck vermittelt, dass sie Dinge zu akzeptieren hätten, die in der BDSM Szene eben so seien. Ich glaube, das oft sowohl bewusst als auch unbewusst das fehlende Wissen und die Unsicherheit von Menschen ausgenutzt werden, die eine BDSM Neigung in sich selbst entdecken. Manchmal mag auch das Gefühl dazu kommen, jemandem Gefallen zu wollen und dabei bewusst das überschreiten der eigenen Grenzen in kaufzunehmen.

Ich glaube, dass es eine Voraussetzung für eine wirklich gute Session ist, dass man den anderen gut kennt. Bevor ich selbst eine Session mit einer Frau begonnen habe, sind oft unzählige Emails, Telefonate und nicht selten treffen vorausgegangen, in denen ich den Menschen als solchen kennengelernt habe. Ich glaube zum einen das es wichtig ist, dass man zu keinem Zeitpunkt in einer Session vergisst, dass man es mit einem wunderbaren Menschen zu tun hat, der einem im Augenblick ausgeliefert ist und einen immer zwei mal denken lassen sollte, bevor man etwas tut. Zum anderen kann ein Sub innerhalb einer Session an einen Punkt gelangen, an dem er nicht mehr selbster entscheiden kann, was gut für ihn ist und an der Stelle muss man selbst erkennen, das es genug ist.

Die Gefühlszustände etwas real zu fühlen, zu erleben, das einen Jahre nur im Kopf begleitet hat, kann überwältigend sein. Eine schöne und berauschende Erfahrung, aber es kann auch dazu führen, dass man nicht mehr in der Lage ist objektive Entscheidungen zu treffen. Wie will man bei jemanden den man nicht richtig kennengelernt hat diesen Moment erkennen?

Zum anderen glaube ich auch, dass Einvernehmen bedeutet, dass man die Tragweite der eigenen Entscheidung versteht. Hierbei muss es sich gar nicht um Dinge handeln, die im ersten Moment eine weitreichende Folge für das weitere Leben dazustellen scheinen.

Ein schönes Beispiel was ich hierunter meine, sind Fotos, die während einer Session aufgenommen werden und mit etwas rauschen in der Gesichtsregion zur Unkenntlichmachung z. B. im Rahmen eines Blogs veröffentlicht werden. Vermutlich werden diese Bilder nur ein paar interessierte Leser jemals sehen, doch man sollte in diesem Zusammenhang auch bedenken, dass bereits heute üblich ist, dass vor einer Einstellung das Facebookprofil und andere Internetaktivitäten von darauf spezialisierten Unternehmen für Personalabteilungen durchforstet werden. Es ist wahrscheinlich, dass es in Zukunft Algorithmen geben wird, die Personen auf Fotos auch anhand anderer körperlicher Merkmale zuordnen werden und so kann ein heute veröffentlichtes Bild vielleicht in 10 Jahren bedeuten, dass man eine Stelle nicht bekommt oder ein öffentliches Amt nicht bekleiden kann.

Dies ist auch der Grund, wieso ihr in unserem Blog nie ein eindeutiges Bild gesehen habt. Wir verzichten mit Absicht auf Bilder die eine bestimmte sexuelle Neigung ausdrücken und beschränken uns bewusst auf wenig.

Ich glaube, was man sich einfach wirklich immer bewusst machen muss, ist, dass man einen wundervollen Menschen vor sich hat, der bereit, ist etwas sehr Intimes mit einem zu teilen. Dafür lohnt es sich, ihn wirklich kennenlernen zu wollen und sich die Zeit zu nehmen, die notwendig ist um seine Bedürfnisse, sein Verlangen aber auch seine Grenzen zu verstehen.

Man sollte nie vergessen, dass derjenige der vor einem steht ein Mensch ist, ein Wesen mit Mutter und Vater, mit Hoffnungen, Sehnsüchten und Ängsten. Dass er es verdient hat ehrlich und mit Respekt behandelt zu werden, offen zu sagen, wenn man selbst an Grenzen stößt oder unsicher ist. Ich glaube, dass diese Ehrlichkeit eine gute BDSM Beziehung ausmacht.

Sich wirklich auf jemanden einzulassen bedeutet Arbeit und Geduld und das ohne Garantie auf Erfolg. Aber ich glaube am Ende beruh jede gute Beziehung ob nun mit BDSM oder ohne darauf, dass man den anderen lieben gelernt hat. Mit den kleinen Fehlern, die ihn selber stören, mit denen derer er sich gar nicht bewusst ist und denen sie ihn ausmachen.

Wenn du eine Session vorbereitest, nimm dir die Zeit, die notwendig ist, um es gut zu machen. Kreativität kommt aus Kleinigkeiten. Was Nadine und ich tun, beruht nicht auf einem Vermögen oder besonderen Fähigkeiten, sondern auf dem Willen meine Partnerin immer spüren zu lassen, dass ich sie liebe und mein möglichstes tue. Das kann auch etwas kleines sein, solange der Wille dahinter stimmt.

 

10 Gedanken zu „Anderer Eltern Kinder – oder wieso BDSM mit Respekt und Behutsamkeit zu tunhaben sollte

  1. Ich hab mich ja schon ewig nicht mehr bei euch gemeldet, aber da sich heute niemand zu einem Kommentar durchringen kann und es auch nur 2 Likes gibt, dachte ich es ist villeicht ein guter Moment.

    Ich hab mich vor einiger Zeit auf Gentledom angemeldet, weil es ja immer heißt, dass es dort so nett sei…

    Aber ich hab die Erfahrung gemacht, dass viele „doms“ nur auf schnelle Nummern aus sind und sich nichtmal die Zeit nehmen einen überhaupt richtig kennenlernen zu wollen. Ich könnte mir das so nie vorstellen, einem Mann zu vertrauen, dass er weiß was er tut und nicht mehr tut als ich will, der sich nicht mal die Zeit nimmt sich meinen Namen nichtig zu merken.

    Inzwischen geh ich manchmal auf Stammtische vom smjg und habe zum Glück die Erfahrung gemacht, dass es auch Menschen in der BDSM Szene gibt, die sich für einen interessieren und nicht nur ihren Tieb befriedigen wollen.

    Mir gefällt dein Beitrag daher sehr gut

    Ich wünsch euch einen schönen Abend

    Lg Lea

    • Hallo Lea,

      schön mal wieder von dir zu lesen 🙂

      Es ist schade das man das in letzter Zeit leider öfters lesen muss – aber es freut mich, dass du zumindest auf dem Stammtisch nette Leute kennengelernt hast.

      Es würde mich wirklich freuen, wenn du dich in Zukunft wieder öfters melden würdst 🙂

      LG

      XK

  2. Pingback: Anderer Eltern Kinder – oder wieso BDSM mit Respekt und Behutsamkeit zu tunhaben sollte | KaffeeEis

  3. Sehr schön geschrieben. Man muss im Netz echt viel filtern um nicht an solche Doms zu geraten, die nur auf die Befriedigung ihrer Bedürfnisse aus sind. Aber ich glaube das ist nicht nur im BDSM-Bereich so. 🙂

    • Hey,

      da hast du vermutlich recht….

      Naja, das ist wohl ein Teil der Welt in der wir leben und womit man umzugehen hat. Das Leben hält wohl immer die Eine oder Andere Sache bereit die man lernen musss

      Ich wünsch dir einen schönen Abend

      Liebe Grüße

  4. Ich finde Du hast sehr starke und vor allem richtige Worte gefunden!

    Im BDSM ist der Respekt vor der körperlichen und seelischen Achtung des Gegenübers noch wichtiger als im „normalen“ Leben. Grade wenn mit Schmerz und Unterwerfung gespielt wird muss den Beteiligten klar sein, dass es am Ende um die gemeinsame Lust und nicht um das Ausleben von Gewaltfantasien geht.
    Sich zu Kennen ist dabei ganz wesentlich.

    Romanartige Erzählungen sind als solche zu verstehen und genau wie ein guter Thriller, ein Drama oder eine Komödie nicht als Anleitung für das Leben zu verstehen.

    • Hallo 64er,

      schön mal wieder von dir zu lesen und danke für dein Lob 🙂

      Ich denke, ich werde in Zukunft mehr Beiträge verfassen, die sich mehr mit den Steinen befassen die man auf dem eigenen Weg findet. Aber da ich mich in letzter Zeit nicht als besonders fleißiger Schreiber gezeigt habe, sollte ich lieber nicht zu viel versprechen 😉

      Einen schönen Abend

      Liebe Grüße

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s