Sich selbst Beweihräucherung oder manche müssen Dominanz zur Schau stellen

rainstreetVor einiger Zeit saß ich beim strömenden Regen in einem Café, blickte mit einer warmen Tasse Kaffee in der Hand hinaus und beobachtete die vorbeihuschenden Menschen. Mit einem gewissen Interesse verfolgte ich diejenigen denen der Regen scheinbar egal ist und ihres Weges ziehen und die, die bloß nicht nasswerden wollen und sich allerhand einfallen liessen.

Ich beobachtete Paar, dass gemeinsam unter dem Mantel des Mannes Schutz suchend den Weg Richtung Café bestritt. Als sie es erreichten, versuchte er ruhig, den vor Nässe triefenden Mantel vorsichtig an einigen Harken an der Wand zu befestigen, damit er trocknen konnte, während seine Frau bereits einen Tisch in beschlag genommen hatte und ungeduldig wartete.

Mit einem leichten lächeln auf den Lippen, machte er sich auf den Weg zu seiner Partnerin, während er sich den nassen ungeschützt dem Regen ausgelieferten Ärmel seines Hemdes hinabstrich um wenigstens ein wenig des Wassers hinauszupressen. Er setze sich zu ihr und verlor kein Wort über seine durchnässte Kleidung, während sie ihm ihr Leid klagte.

Ich musste dabei an einen Satz denken, den mir mein Vater als kleines Kind auf die Frage erwiderte was ein Gentleman sei. Sinngemäß antwortete er in etwa, das ein Gentleman jemand sei, der das Selbstverständnis hätte sich selbst nie so zu bezeichnen.

Manchmal wünsche ich mir, dass auch im BDSM Kontext mehr Menschen das Selbstverständnis hätten, ihre Dominanz nicht auf so primitive Weise zur Schau zu stellen, wie es teilweise der Fall ist.

Einen Partner zu haben, mit der man seine sexuellen Neigungen ausleben kann und zum beiderseitigen Lustgewinn Elemente einbringen kann, die nicht dem gleichberechtigten Alltag entsprechen, ist ein Geschenk und keine Selbstverständlichkeit. Dennoch erinnert das teilweise praktizierte und in Vorstellungen vom „Doms“ hervorgebrachte nicht an einen reifen Umgang mit BDSM Elementen, sondern mehr an Knutschflecken der ersten Freundin, als man aller Welt zeigen musste, dass man ein Mädchen hat.

Ich denke es ist eine Frage des Anspruchs an sich selbst, ob man sich wirklich wie ein rolliger Teenager verhalten will, oder einen etwas differenzierten Umgang mit seiner eigenen Neigung entwickeln möchte. Zu einer auf Dauer erfolgreichen und für beide mit tiefe und vertrauen geführten Beziehung gehört auch die Frage, wie man miteinander umgehen mag. Muss der devote Part dies wirklich immer zum Ausdruck bringen oder kann Gleichberechtigung und wirkliches Argumentieren und um seinen Standpunkt kämpfen nicht gerade die Spannung ausmachen, die eine Beziehung auf dauer braucht um nicht langweilig zu werden?

Soll es Sub auf Dauer wirklich beeindrucken, wenn man immer den konsequenten und unfehlbaren spielt. Liegt es nicht vielmehr daran, das der Alltag alles andere als perfekt ist, dass so viele BDSM Beziehungen rasch zerbrechen, wenn aus einer Spielbeziehung mehr wird? Ist es nicht sinnvoller, wenn man von Anfang an versucht Alltag und Neigung in Koexistenz zu bringen, als so zu tun, als wäre man auch im Alltag ein von Dominanz durchdrungener Mensch, dem sich alle wie seine Sub fügen?

Ich habe schon oft die Beobachtung gemacht, dass insbesondere Männer mit einer dominanten Neigung dazu neigen, sich als in jeder Hinsicht fantastisch dazustellen. Sie sind so perfekt, dass sie zur Tarnung ihrer Perfektion auch gleich noch ein paar „süße“ Macken hinterherschieben.

Ich denke, dass man sich selbst etwas vormacht, wenn man glaubt, eine Partnerin damit beeindrucken zu müssen. Zum einen wird man dieses Bild nur solange aufrecht erhalten können, bis aus einer Spielbeziehung mehr wird, denn spätestens dann werden die kleinen Ungereimtheiten auffallen.

Es kommt nicht von ungefähr, dass man auf den einschlägigen Seiten sehr häufig über die gleichen Männer stolpert, weil der faule Zauber aufgefallen ist und jemand Neues als Ersatz für die gescheiterte Beziehung herhalten werden muss.

Es ist aber auch die Frage, ob man wirklich ein Mensch sein will, der einen anderen nur durch Vortäuschung für sich begeistern kann. Man ist dem anderen gegenüber ungerecht, wenn man ihn mit einer Illusion verzaubert an deren Ende der Frosch und nicht der Prinz wartet.

Ich glaube, dass man versuchen sollte, als Mensch zu überzeugen. Sicher wird es den einen oder anderen geben, dem das nicht genügen wird. Sicher ist es mühsamer, aber am Ende wird man eine Beziehung aufbauen, die auf Ehrlichkeit und Vertrauen beruht und das bringt einem mehr wenn die Zeiten stürmisch werden, als jemand der nur mit einem zusammengekommen ist, weil er etwas anderes erwartet hat.

14 Gedanken zu „Sich selbst Beweihräucherung oder manche müssen Dominanz zur Schau stellen

  1. Vielen Dank für diesen tollen Artikel. Die von dir beobachtete Szene mit dem Gentleman ist zauberhaft. Es gibt sie, ich kenne sogar ein paar davon. Und für die Profilierungs-Doms, aka Frösche, habe ich einen guten Plan: hopp, auf die Leitern mit euch und nach oben, dann gibts wenigstens schönes Wetter. Und wir hier unten haben unsere Ruhe.

  2. Auch von mir vielen Dank für den Artikel. Ich mag es, auch mal ein wenig Kritik daran zu lesen, wie dieser unglaublich vielschichtige Kosmos aus Dominanz und Submission von manchen Menschen ausgefüllt wird.

    Aber den Satz hab ich nicht verstanden: Es kommt nicht Neuem sind, weil der faule Zauber aufgefallen ist.

    Dialekt oder fehlt da was!?

    • Hallo Mic,

      vielen Dank für den Hinweis. Wie es aussieht hat sich Word wohl etwas verschuckt und ein halber Satz ist hops gegangen.

      Wir wollen es nicht zum Mittelpunkt unseres Blogs machen, aber ich denke, dass es auch wichtig ist hier und da mal über Dinge zu reden die nicht so toll sind und gerade auf diesem Gebiet unerfahrene Menschen auch schnell verschrecken können. Ein gutes und ehrliches Miteinander sollte ja eigentlich selbstverständlich sein, aber da es gerade in unserem Umfeld wieder einen etwas schrägen Fall gab mit einem sehr speziellen Charakter hat die unerfreuliche Seite des BDSM grad ein wenig einzug in unsere Gedanken erhalten.

      Heute passiert allerdings auch noch etwas anderes bei uns, so dass wir hoffentlich bald wieder ein paar andere Dinge erzählen können 😉

      Liebe Grüße

      Und danke für das regelmäßige Kommentieren und „Liken“. Ein Blog lebt einfach von Menschen wie dir, die auch mal ein wenig einbringen….

      • Nun, wenn heute noch etwas anderes bei euch passiert, dann kann man ja wohl viel Spaß wünschen (bzw. wünschen, viel Spaß gehabt zu haben *g).

        Gut, dass der Absatz jetzt wieder hergestellt ist, denn den finde ich im Gesamtkontext des Artikels sehr, sehr wichtig: nämlich, dass solche Menschen, wie du sie beschreibst, sich nicht weiterentwickeln, sondern munter mit der gleichen Masche wieder auf die Jagd gehen.

        Und ansonsten mag ich euren Blog sehr, gerade für die Ausgewogenheit der Themen und dafür, dass man immer eine dumme Frage stellen darf, wenn sie einem auf der Zunge brennt ;-).

        Beste Grüße zurück!

      • Na so dumm war die Frage ja nicht und in Anbetracht der Tatsache, dass wir hier ziemlich schlamig schreiben wenn man ganz ehrlich ist, wundert es, dass so selten Nachfragen kommen *rot werd*

  3. Ein schöner Beitrag. Der Einstieg grandios – ich liebe diese Szene – und die anschließenden Zeilen regen zum Nachdenken an…

    Mit der Szene bin ich immer mal wieder im Zwiespalt; ich genieße den Austausch und teils gemeinsame Partybesuche, doch fehlt mir auf der anderen Seite oft das Natürliche, das Leichte – auch und gerade in der Dominanz einiger Herrschaften. Sie klammern sich an Szenen und Ritualen, wirken oft wie ein Abziehbild ihrer selbst. BDSM wird zum Rollenspiel.

    Da jeder Mensch fehlbar ist, kommt es unweigerlich zu Fehlern, wenn man nicht nach Drehbuch agiert, sondern authentisch ist und bleibt. Ja, es gehen Dinge daneben – laden ein zum gemeinsamen Lachen mit Sub. Solange man „Mensch bleibt“ – wie du so schön schreibst – schafft man einerseits die Ausgangsbasis für wirklich tiefgreifende Gefühle (und dann macht BDSM so richtig Spaß). Und ich kann als dominanter Part mich ganz anders durchsetzen, da es aus innen heraus kommt, es das ist, was ich will – und nicht was ich in der Rolle zu wollen hätte.

    Ja, das Thema gegenseitige Erwartungen ist auch noch einmal ein weites Feld der Gedanken und Worte…

    Lieben Gruß
    Morgana

    • Hallo Morgana,

      vielen Dank für deinen Kommentar 🙂

      Mir geht es was die Szene betrifft wohl ähnlich. Auf der einen Seite ist man immer wieder versucht sich stärker darauf einzulassen, aber dann wird man doch jedes Mal wieder von sehr flachen Menschen abgeschreckt.

      Ich versuche jeden frei zu lassen, aber was teilweise vorgetragen wird, repräsentiert nicht die Masse von uns, sondern ist eine kleine laute Gruppe die alle in eine wenig vorteilhafte Ecke treibt.

      BDSM hat so viele schöne Seiten, doch werden die jenigen die ihre Neigung neu kennenlernen und am Anfang an möchte gern Dominante geraten einen schweren Start dabei haben mit ihrer Neigung in Einklang zu kommen…

      Liebe Grüße

  4. Wie schön zu sehen, dass es hier wieder regelmäßig Einträge gibt. 🙂

    Wahre Worte, und auch wenn wir hier nicht bei Facebook sind, tausend Likes dafür! 😉

    Ich habe mittlerweile auch häufiger diese Feststellung gemacht und muss sagen, dass ich das Verhalten einiger mittlerweile wirklich untragbar finde. Ich verstehe nicht, BDSM hin oder her, wieso man sich so selbst darstellen muss. Schaut man vorallem nur ein bisschen genauer hin, kann man regelrecht zusehen, wie die Fassade bröckelt. Zu aller erst sollte es menschlich passen und der Rest funktioniert dann eigentlich auch. Aber mir scheint, dass es für solche Menschen wohl oft angebrachter ist ein „perfekter“ Schauspieler zu sein….

    Ganz schlimm finde ich allerdings auch, dass gerade solche „Doms “ ihre Neigung als Rechtfertigung sehen, andere einfach ungefragt als Sub zu behandeln. Sowas finde ich ohne Absprache völlig daneben, denn jeder ist primär Mensch und nichts anderes. Eine ungezwungene Unterhaltung wird dann fast unmöglich…..

    Wie geht es euch denn so? Wünsche euch eine schöne Woche, 🙂

    Lieber Gruß, Kitty

    • Hallo Kitty,

      vielen Dank für deine Likes 🙂

      Mir geht es auch so, dass es mir in letzter Zeit zu viel geworden ist mit dem Verhalten einiger. Durch ihr verhalten bingen sie die gesamte BDSM Szene in Verruf und schaden am Ende allen.

      Allgemein geht es gar nicht jemanden ohne Einverständnis als in einem „sub“ Kontext zu behandeln. Das ist ein Zeichen fehlendem Respekts vor anderen Menschen und kann nicht mit irgendeiner Neigung entschuldigt werden.

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