Das Bett im Flammenmeer

fireUngeduldig warte ich auf einen Bekannten. Kalt bläst der Wind, durch den beinahe nur aus über den einzelnen Bahnsteigen emporragenden Dächern bestehenden Bahnhof. Ich ziehe meinen Mantel fester zu und verstecke mich hinter einem der Pfeiler, als ein Zug mit lautem schrillendem Quietschen auf dem Gleis zum stehen kommt.

Meine Augen überfliegen die in graue Jacken gehüllten Menschen und erblicken nach einigem Suchen den großen in einer strahlend blauen Jacke verpackten ernst dreinblickenden besten Freund meines Liebsten. Ich freue mich ihn zu sehen, doch sein wie gewöhnlich ernster Blick verunsichert mich ein wenig, als er mir langsam immer näher kommt und meine Augen wissen nicht so recht wo sie hinblicken sollen.

Ganz langsam wandern seine Augen meinen Körper hinauf, bis sie endlich meine Augen treffen und ich für einen Moment den Atem anhalte und wie in Zeitlupe sehe, wie langsam ein breites Grinsen über sein Gesicht zieht. Ich fühle mich ertappt und fühle wie mir warm wird, werdend er mich umarmt und wir endlich den kalten windigen Bahnhof verlassen.

Wir unterhalten uns während wir langsam durch den zähen Verkehr der Stadt schleichen. Ich muss mich konzentrieren, damit der große Motor nicht aufheult während wir im Schneckentempo langsam der Ampel immer näher kommen und fühle mich fast so beobachtet wie bei mein meinem Liebsten.

Ich schließe die große Schwere Tür zu unserer Wohnung auf und während mein Bekannter sich ein wenig einrichtet, frage ich mich wo mein Liebster bleibt. Ich beobachte wie er seine Sachen auspackt und treibe in Gedanken, als plötzlich mein Handy klingelt. Mein Liebster verlangt, nach dem er wenige Worte mit mir gewechselt hat und meine Fragen nach seinem Fernbleiben auch zum zweiten Mal ignoriert, nach seinem Freund und so beobachte ich neugierig, wie er mit meinem Bekannten spricht.

Ich versuche aus seinen Antworten und Fragen auf den Gesprächsinhalt zu schließen, doch so richtig werde ich nicht Schlau und fühle mich zunehmend unsicher als er beginnt mich wieder mit seinem ernsten Gesichtsausdruck zu mustern. Dann beendet er den Anruf und wirft mir das Handy zu und während ich noch damit beschäftig bin, es in meiner Handtasche zu verstauen, kommt er mir langsam immer näher. Ich blicke zu ihm hinauf, als er direkt vor mir steht. Ich sehe seinen langsamen ruhigen Atem, seinen unberechenbaren Blick und während ich noch nach Worten aushole um mich aus seinem kühlen Blick zu befreien packt er mich feste an den Armen. In meinem Kopf schnellen noch die Gedanken umher, die mir sagen, dass er das Grade nicht wirklich sein kann, spüre ich wie er mir langsam den Arm immer weiter in den Rücken presst, bis die schmerzen in meiner Schulter meine Gedanken durchbrechen. Mein Puls rast, ich fühle mein Herz in der Brust schlagen, wehrend ich als sei ich nur eine Zuschauerin des ganzen beobachte wie er mich langsam Richtung Tür schiebt.

Auf dem Weg hinab zur Garage versuche ich zu erfahren, was mein Liebster ihm gesagt hat und was er mit mir vorhat, doch er packt nur grob nach meinem Gesicht und führt mir mit kaltem Blick den Finger vor den Mund um mir zu verstehen zu geben, dass ich den Mund halten soll.

Er führt mich, in dem er grob meinen Arm auf meinen Rücken zwingt, zurück zum Auto. Wir bleiben einen Moment mittig hinter dem Auto stehen und mir fährt ein kalter Schauer über den Rücken, als er den Kofferraum öffnet. Ich ringe nach Luft, als er mich ernst anblickt während er sich zwischen mich und den Kofferraum gestellt hat und meine Augen kaum an seinen breiten Schultern vorbeiblicken können. Ohne jede Emotion fragt er mich, ob ich brav sein wolle, oder er mich in den Kofferraum sperren müsste.

Ohne Widerstad oder weitere Fragen setze ich mich auf den Rücksitz und schnalle mich an. Ich beobachte wie er sein Hemd zurechtzupft und dann in aller Ruhe auf dem Fahrersitz platznimmt. Langsam rollt der Wagen aus der Parklücke, bevor er mit Schwung die schmale Auffahrt der Tiefgarage hinaufklettert. Ein letztes Mal blickt er mich im Rückspiegel an, bevor wir langsam und ruhig beschleunigen. Bald lassen wir die Stadt hinter uns und der große Motor fühlt sich endlich wohl während ich immer noch mit in die Hose gerutschtem Herz auf dem Rücksitz leise jede Bewegung beobachte.

Bald fliegen wir über die Autobahn und ich überlege das mein Liebster ihm bestimmt darum gebeten hat mich irgendwohin zu bringen, doch wieso hat er mich so grob gepackt und warum sagt er mir nicht wohin wir fahren. Ich blicke aus dem Fenster, während wir an den anderen Autos vorbeirauschen und irgendwann der Motor böse aufheult, als wir viel zu spät bremsen und in die Ausfahrt donnern.

Wir fahren über eine trostlose Straße, durch kleine schmucklose Dörfer und huschen dann über eine Landstraße und ich bin mir sicher, noch nie an diesem Ort gewesen zu sei und frage mich zunehmend, was mich hier bloß erwarten soll. Das Auto wird immer langsamer und wir biegen in eine holprige Straße ein, die diesen Namen eigentlich kaum verdient hat.

Schließlich erreichen wir einen staubigen, schmutzigen Steinbruch. Auf der Straße liegen riesige Reifen die einen zum langsamen Fahren ermutigen sollen, in denen man ihnen ausweichen muss. Mehrmals müssen wir hart bremsen, weil große Steinbrocken auf dem Weg liegen.

Dann halten wir an. Es ist kalt und alles um mich herum ist von einer dicken Staubschicht umgeben. Meine Hände werden mit Handschellen auf den Rücken gefesselt und er packt mich am Arm, während ich versuche, über die groben Splitter mit meinen Absetzen zu laufen. Es wird langsam dämmrig und immer kälter, während wir tief in den riesigen Steinbruch laufen. Die Wände aus grobem Stein sind fast senkrecht und in riesigen Treppenstufen um uns herum und lassen mich keinen Fluchtweg erkennen.

Irgendwann blicke ich auf ein Bett das umgeben von einigen alten Holzbrettern, kaputten Paletten und Ästen in mitten des riesigen Steinbruchs steht. Mein Herz fängt wieder an zu rasen und ich fühle, wie meine Beine nicht mehr weiter wollen, doch der feste Griff an meinen Arm lässt mich wie ferngesteuert weiterlaufen.

Ich muss mich auf das Bett setzen. Wortlos geht er einige Meter von mir weg, als ich plötzlich das Grollen eines riesigen Baggers höre. Mein bekannter zupft sich seinen Mantel zurecht, dreht sich um, öffnet meine Handschellen, grinst mich kalt an und geht dann mit wehendem Mantel auf den herandonnernden Bagger zu.

Der Bagger bleibt wenige Meter vor ihm stehen und ich versuche im schwachen Licht der Dämmerung zu erkennen, wer aus dem Bagger aussteigt. Ich sehe, wie mein Bekannter einen Kanister in die Hand nimmt und während er mich mit ernstem Blick ansieht den Inhalt über das Holz das mit umgibt zu verschütten. Als er mich einmal umrundet hat, verschließt er den Kanister sorgsam und geht zurück zum Mann, der am Bagger wartet. Dann kommen beide langsam lachend auf mich zu. Ich fühle wie mein Herz so feste schlägt, dass es fast meine Brust zu durchschlagen scheint. Meine Atmung ist flach und schnell, als ich plötzlich in das grinsende Gesicht meines Herrn blicke. Mein bekannter grinst breit als er meinen Gesichtsausdruck sieht, legt die Hand kurz auf die Schulter meines Herrn und geht dann einige Meter zurück. Hält einen Moment inne, holt eine Schachtel Streichhölzer aus seiner Hosentasche und zündet eine Handvoll an, die als sie auf den Boden fallen in Windeseile den ganzen Holzhaufen rund um das Bett in Flammen setzen.

Mein Herr befiehlt mir aufzustehen. Dann reißt er mir das Kleid vom Körper, schmeißt mich zurück auf das Bett und knöpft sich in aller Ruhe das Hemd auf, während das Feuer um uns langsam den kalten Steinbruch erwärmt. Es ist dunkel geworden als mein Herr mich nimmt und uns die Flammen, die uns umgeben in ein unwirkliches Meer aus Feuer tauchen.

Am Ende liegen wir erschöpft auf dem Bett, wehrend die Glut uns wärmt und als in der Ferne der große Bagger grimmig wie mein Bekannter auf uns zukommt, während wir in die Sterne blicke, kuschel ich mich an die Seite meines Liebsten und genieße den eigenartigen Moment.

5 Gedanken zu „Das Bett im Flammenmeer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.