Kalter Nebel

nebelWährend sich die Meetings meines Liebsten zäh in die Unendlichkeit zuziehen schienen, beobachtete ich zuhause gelangweilt auf dem Sofa, wie meiner Tasse Kakao kleine sich kräuselnde Nebelschwaden entkamen. Ich dachte darüber nach, was für eine Gemeinheit es war, mich mit meiner Langeweile alleine zu lassen, als meine Gedanken plötzlich, durch das sich auf den ganzen Tisch übertragende Vibrieren meines Handys, gestört wurden.

Ich starrte einen Moment mein Handy an und überlegte, wer mir wohl eine Nachricht geschrieben hatte. Wobei meine Vermutung es am wahrscheinlichsten erscheinen ließ, dass es etwas schrecklich Langweiliges war und ich mich nur ärgern würde, wenn ich aufstehen und zum Tisch laufen würde. Wieder blickte ich die Tasse an und nach einem Moment sprang ich über mich selbst fluchend auf, weil ich die neugiere doch nicht ertragen konnte.

Mit einem leichten Grinsen blickte dich auf das Display, als ich die etwas kryptische Nachricht meines Liebsten erblickte, der mir sagte, dass ich um Mitternacht zu einer bestimmten Adresse kommen sollte. Ich blickte auf die Uhr versuchte herauszufinden, wie genau ich eigentlich hinkommen sollte und nebenbei überlegte, ob heute vielleicht ein guter Tag für meine neue Unterwäsche mit passendem Strapsgürtel sein könnte. Ich hatte noch eine knappe Stunde um mich fertigzumachen und wartete am Ende genervt auf den Aufzug, den alten Verräter, der immer dann am längsten braucht, wenn man es am eiligsten hat.

Etwas unsicher blickte ich mein Navigationsgerät an, das behauptet, dass ich mein Ziel erreicht habe, doch beim Blick hinaus durch die Scheiben des Wagens, bin ich mir da nicht so sicher. Nebel zieht durch die Bäume die den Straßenrand säumen, während ich einen kleinen matschigen Parkplatz erreiche und beim Öffnen der Tür ziemlich sicher bin, dass ich heute lieber Gummistiefel angezogen hätte. Leicht fluchend steige ich aus und spüre wie der kalte feuchte Nebel meine Beine hinaufzieht. Ich fühle mich sicher, ich blicke wieder auf mein Handy um noch einmal nachzusehen, ob die Nachricht auch wirklich von meinem Liebsten war und ich am richtigen Ort bin.

Ich schließe die Autotür und während ich mit meiner ganz und gar nicht an diesen Ort passenden Kleidung versuche, mich über die Schottersteine Richtung Brücke durchzuschlagen, überlege ich, wer hier alles in der Dunkelheit lauern könnte. Ich bekomme Gänsehaut während ich in meinen Gedanken schweife und jedes Geräusch um nicht herum meinen Atem stocken lässt. Dann erreiche ich die Brücke an der mich mein liebster treffen will, doch ich kann ihn nirgends sehen, während der Nebel sich daran macht die Brücke im ganzen zu verschlucken.

Unsicher laufe ich über die Brücke hinein in den Nebel, der selbst das spärliche Licht der Brückenbeleuchtung aufzufressen scheint und als ein bedrohlichen Schein voller dunkler Gestalten wieder ausspuckt. Ich klammer mich an meine Handtasche, während ich so leise es meine Absätze erlauben weiter über die Brücke schleiche.

Dann höre ich ein lautes Lachen, dass mein Blut in den Adern gefrieren lässt und mir die Luft aus der Lunge zu ziehen scheint. Ich höre laute Schritte. Ich fühle wie die Brücke unter mir zu vibrieren beginnt und sehe wie sich etwas seinen Weg durch den Nebel bahnt. Ich schwanke zwischen der Hoffnung meinen Liebsten zu erblicken und der Furcht vor etwas üblem, als plötzlich eine große Gestalt auftaucht, deren Gesicht sich unter einer schwarzen Kapuze verbirgt. Ich will umdrehen und wehlaufen, doch als ich mich umgedreht habe, erblicken meine entsetzen Augen eine weitere schwarze Gestalt, die mir den Rückweg abschneidet und langsam durch den Nebel immer näher kommt.

Ich starre in das schwarze Nichts unter der Kapuze, als ich plötzlich aus den Augenwinkeln sehe, wie die Gestalt ein paar Handschellen in ihrer Hand hält und beschließe loszustürmen, irgendwie vorbei an den in dicke Jacken gehüllten Ungeheuern. Doch mein Plan misslingt und Sekundenbruchteile später fühle ich das kalte feuchte Holz an meiner Wange, während ich auf den Bodengedrückt werden, einer der beiden mit seinem Schuh schmerzhaft auf meine Haare tritt um meinen Kopf zu fixieren und der andere sein Knie in meinen Rücken presst während er mit Gewalt meine Arme in die kalten metallenen Handschellen zwingt.

Ich versuche mich zu wehren, doch muss hilflos mit anhören, wie die Handschellen hinter meinem Rücken einrasten, wie sie mit jedem Klick ein bisschen enger werden und mich am Ende mühelos fesseln. Ich atme tief und versuche mich zu wehren, als ich grob an den Haaren hochgezogen werde, doch muss mit tief gebückten Körper im Haltegriff zum anderen Ende der Brücke laufen.

Eine der Gestalten öffnet den Kofferraum einer dunklen Limousine und ich versuche verzweifelt und mit aller Kraft zu verhindern, dass meine Füße mit einem weiteren Paar Handschellen gefesselt werden. Vergebens. Ich spüre wie mein Herz laut schlägt, nach dem die Kofferraumklappe vor meinen Augen zugeschlagen wird. Ich spüre meine trockene Kehle, meinen Puls in den Adern pochen und höre wie die Reifen des Autos langsam über den Kies fahren.

Während das Auto fährt, werde ich langsam ruhiger, ich versuche mich zu orientieren, etwas mit den Händen zu greifen, doch fühle nichts außer dem Teppich des Autos und einer absoluten Dunkelheit um mich herum. Plötzlich hält der Wagen, ich höre Stimmen, das Quietschen es Tores. Ich halte den Atem an. Langsam setzen wir uns wieder in Bewegung, fahren einige Kurven und bleiben plötzlich wieder stehen. Mein Herz rast, als ich höre wie die Türen des Autos aufgehen. Mein Herz schlägt so feste, dass es fast schmerzt als die Kofferraumklappe sich öffnet.

Eine Taschenlampe blendet meine Augen und ich bin orientierungslos, als ich wieder im schmerzenden gebücktem Griff laufen muss. Ich werde in einen großen Kellerraum gebracht. Meine Hände werden an einen Stuhl gefesselt und unter Gelächter verlassen die beiden bösartigen Gestalten den Raum.

Ich beginne mich umzusehen, doch dann geht das spärliche Licht aus und ich bin wieder in der Dunkelheit gefangen, die mich noch viel einsamer fühlen lässt. Die Zeit vergeht langsam, ich versuche mich zu befreien, doch kann die Handschellen nicht öffnen. Dann höre ich Schritte in der Dunkelheit und werde ganz still.

Immer lauter werden die Schritte hinter meinem Rücken. Dann plötzlich fühle ich eine Hand auf meiner Schulter und mit einer erleichternd vertrauten Stimme fragt mich mein Herr, ob ich ihn vermisst hätte. Langsam gleitet seine Hand über meinen Körper, während ich seine Lippen an meinem Hals spüre. Immer noch bin ich an den Stuhl gefesselt und seinen Händen ausgeliefert.

Mit wucht lässt er eine Sporttasche vor mir auf den Tisch knallen. Zieht langsam und bedächtig den Reißverschluss auf und legt neben mir mehrere schmerzhafte Werkzeuge auf den Tisch.

Er öffnet die Handschellen und befiehlt mir mich vor seinen Augen auszuziehen, während er eine lange Peitsche greift.

9 Gedanken zu „Kalter Nebel

  1. Wieder einmal grandios!

    Und, Entschuldigung, mein gerade etwas zu Scherzen aufgelegter Verstand malt sich gerade aus, dass du irgendwann einmal tatsächlich entführt werden könntest – der Entführer würde sich sicher wundern, warum du die Situation nicht halb so ernst nimmst, wie er es erwarten würde ;-).

    Aber nein, natürlich nicht. Was Spiel ist, soll auch Spiel bleiben. Langeweile hattest du wahrscheinlich im weiteren Verlauf jedenfalls keine mehr :-).

    • Das Ding ist ja, dass mir solche Spiele echt gefallen, aber ich habe da auch schon drüber nachgedacht.

      Mit meinem Mann hab ich ein Zeichen ausgemacht, für den Fall das er etwas seltsames von mir verlangt, damit ich sichergehen kann das die Nachricht auch wirklich von ihm ist. Zumindest in dieser Hinsicht weiß ich also, dass ich nicht von irgendjemanden, der sein Handy geklaut hat grade reingelegt werde. Nicht nur dabei sondern auch wenn mal eine komische Überweisung ansteht oder so 😉

      Es wäre vermutlich ein ganz schöner Schock, wenn ich erst nach ein paar Stunden feststellen würde das es echt ist. Aber zum Glück kommt so etwas ja in Wirklichkeit selten vor und vermutlich ist das Risiko von einem Elektroauto überfahrenzuwerden das man nicht gehört hat höher 😉

      Hab einen schönen Abend

      • Ich denke mir einfach, dass trotz aller Unwahrscheinlichkeit, dass es sich um eine „echte“ Entführung handelt, der Nervenkitzel dazu gehört.

        Aber wie dem auch sei: immer schön obacht beim über die Straße gehen. Wegen der fiesen Elektroautos! ;-).

        Dir auch einen schönen Abend!

      • Klar gehört diese Vorstellung dazu. Aber man sollte trotzdem aufpassen, dass es immer im Spielrahmen bleibt und daher finde ich ein paar Vorkehrungen in diese Richtung ganz guzt – in dem Moment wenn einem das Adrenalin durch den Körper schießt, denkt man da dann ehh nicht mehr dran 😉

        Elektroautos sind wirklich fies. Die schleichen sich so an einen ran.

  2. Huhu Dini,

    Du hst mir meinen Montag-Morgen -Kaffee unglaublich versüßt mit Deinem neuen Beitrag 😀 !

    Gänsehaut pur …

    Ich habe mich gefreut wieder etwas von Dir zu lesen. Einen schönen Start in die Woche und bis bald
    :-*

    ~~~Swany~~~

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