Unsichtbare Monster die einen jagen

Mit großem Elan sitzt man vor einem leeren Dokument und beobachtet den blinkenden Cursor. Bereit, voller Lust zu schreiben, aber mit jeder Zeile die man verfasst, fühlt man, wie der Geist aus den Sätzen verschwindet. Wie aus Gedanken einzelne Wörter werden. Eine seltsame leere hindert die Hände daran, weiter zu tippen.

Es ist schwer zu beschreiben, aber es verfliegt die Lust. Ich hätte nie gedacht, dass ein einziges so banales Ereignis solchen Einfluss auf mich – auf uns – hat. Das ein Mensch durch einfaches Androhen etwas über uns der Allgemeinheit preiszugeben mir die Lust an einer Sache rauben kann. Drohungen sind mächtige Waffen.

Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich vielleicht weit weniger mit meiner Neigung vertraut bin, als ich mir selbst einrede. Ich habe mir oft die Frage gestellt, wieso es mich die Vorstellung so belastet, wieso ich nicht darüber stehen kann. Sollte es mir, wie einigen anderen, einfach egal sein? Das Leben geht weiter – so oder so – das ist mir durchaus bewusst. Aber es ist etwas anderes, das mich umtreibt. Es ist der Verlust an Selbstbestimmung.

So sehr ich auf der einen Seite devot sein mag, so wenig bin ich es im Alltag. Durch die Drohung Dinge aus meinem devoten Bereich öffentlich zugänglich zu machen, vermischt sich meine Neigung mit meinem Alltag. Ich führe eine Beziehung auf Augenhöhe, wie man immer so schön in der Szene sagt. BDSM ist ein Element, dass unsere Beziehung durchdringt, dass aber unser Handeln – mein Handeln – nicht bestimmt. Es ist immer eine Entscheidung die ich fälle, es ist mein innerer Wunsch mich in eine bestimmte Lage zu bringen und nichts, dass mir von außen auferlegt wird und dem ich mich willenlos füge.

Diese Wahlmöglichkeit wollte man uns rauben.

Die Zeit zieht dahin und irgendwie will es uns nicht gelingen, da anzuknüpfen, wo wir stehen geblieben sind. Wir haben uns gefragt, wohin wir gehen wollen. Wir haben uns viele andere Projekte angesehen und festgestellt, dass wir vieles davon gar nicht sein wollen. Wo wollen weder eine große Plattform werden, noch im allerlei der allumfassenden Anlaufstellen untergehen. Aber was wir bemerkt haben ist, dass es uns zunehmend unwichtiger wird, was andere denken.

Es gibt innerhalb des BDSM Universums vieles, dass uns nicht gefällt. Die Art, wie einige Menschen Denken stößt uns ab. Wir beobachten viele ungesunde Vorstellungen. Sehen wie Anfänger in eine angebliche Welt geführt werden, die auf die Weiße die man ihnen aufzeigt, nie zum Wohle aller beteiligen sein kann. Immer wieder bemerkten wir, wie Menschen mit devoter Veranlagung zu Dingen genötigt werden, die ihren eigenen Überzeugungen und dem was gut für sie ist wiedersprechen. Wie unter dem Deckmantel des „ist ebenso im BDSM“ Menschen mit nicht so ausgeprägtem Selbstbewusstsein in fatale Situationen gebracht werden.

Es gibt so eine seltsame Neigung dazu, manche Dinge nicht auszusprechen, da man schnell als eine Art Nestbeschmutzer gilt und angefeindet wird. Aber es wird uns zunehmend egal. Doch vielleicht ist das ein Punkt, wieder ein wenig Biss in das Schreiben zu bekommen.

Ich wurde vor einigen Tagen über unser Kontaktformular gefragt, ob es uns noch gibt. Ja das tut es, aber wir haben uns ein wenig verlaufen und noch nicht so recht den Weg zurück gefunden, zum regelmäßigen schreiben.

Ich denke, uns fehlt einfach so ein wenig der Ansatzpunkt mit dem wir weitermachen können. Das Schreiben über persönliche Erlebnisse, mag uns im Augenblich nicht mehr über die Tasten huschen. Vielleicht habt ihr ja Ideen über die wir schreiben können. Etwas, dass interessiert und doch weniger mit uns selbst zu tun hat also die Mehrzahl unserer früheren Einträge.

Ich habe auch gesehen, dass es noch ein paar Fragen zu beantworten gibt und werde mich die nächsten Tage einmal daran machen.

Liebe Grüße

Nadine

7 Gedanken zu „Unsichtbare Monster die einen jagen

  1. Macht bitte unbedingt weiter, nicht unterkriegen lassen! Die Phantasie wird euch leiten, neue besondere Artikel zu schreiben!

  2. Ich fand es sehr interessant, deine Gedanken zu erfahren! Auch diese Art der Auseinandersetzung kann ein Weg sein, die Seite am Leben zu erhalten. Wie auch immer: Ich freue mich, dass es bei euch weitergeht!

    • Hi Michael,

      das mag stimmen, aber wäre auf Dauer bestimmt auch etwas ermüdend 😉 Mal sehen, wie wir wieder mehr schaffen. Wie läuft es denn mit deinem Buch projekt?

      LG Dini

      • Hallo Dini!

        Nun, ob es für euch als Autoren ermüdend wäre, kann ich nicht beurteilen. Für die Leserschaft wäre es das wahrscheinlich nicht 🙂 .

        Schön, dass du nach meinem Buch fragst! Wir sind mit „Der Morgen danach“ mitten im Produktionsprozess. Diese Woche habe ich einen Termin mit meinen Lektorinnen, um zu schauen, wo wir noch Hand anlegen müssen. Spannende Zeiten!

        Liebe Grüße
        Michael

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.