Der Schwarze Brief (Teil 1)

Als ich im November nach der Arbeit auf dem Weg in unsere Wohnung den Briefkasten leere, fällt mir ein schwarzer Brief in die Hände, auf dem feinsäuberlich handschriftlich in goldenen Buchstaben der Name meines Herrn und unsere Adresse steht. Neugierig drehe ich den Brief um, und suche hier und da, doch kann keinen Absender erkennen oder anderen Hinweis von dem wer wohl sein mag. Ich begutachte die Schrift und bin mir sicher, dass ihn eine Frau verfasst hat, so sauber und zierlich wie die einzelnen Buchstaben aneinandergereiht sind.

Neugierig schleiche ich am Schreibtisch vorbei nach dem ich die Briefe meines Mannes aus meinen heraussortiert habe und auf seinem Schreibtisch gelegt habe. Irgendwie lässt mich der schwarze Umschlag nicht in Ruhe und immer wieder zurückkommen, um noch mal einen prüfenden Blick auf den Umschlag zu werfen, ob ich nicht doch ein Indiz für den Absender finden kann.

Nach einer Stunde in der ich überlegt habe, von wem der Brief wohl stammt, entschließe ich mich ein Foto an meinen Mann zu schicken und meine Neugier hoffentlich bald zu stillen. Genervt kneife ich die Augen zusammen und als ich nach langem Schweigen des Handys feststelle, dass er meine Nachricht gelesen hat, aber nicht drauf antwortet. Mir wird der Brief immer verdächtiger und meine Neugierde will selbst während ich joggen gehe nicht verfliegen.

Als ich von meiner Runde durch den Nieselregen zurück nach Hause komme, sehe ich Licht in unserer Wohnung und weiß, dass man Mann endlich da ist. Mein Liebster ist in der Küche, und während es köstlich duftet und ich langsam hungrig werde, lasse ich auf dem Weg ins Bad noch einen Blick über den Schreibtisch schweifen, auf dem alle Briefe geöffnet liegen bis auf einen. Mit schwarzem Umschlag. Ich werfe den Kopf in den Nacken, während ich zurück in die Küche blicke und mein Mann mich mit einem dezenten aber fiesen lächeln anblickt.

Als ich von meiner Runde durch den Nieselregen zurück nach Hause komme, sehe ich Licht in unserer Wohnung und weiß, dass man Mann endlich da ist. Mein Liebster ist in der Küche, und während es köstlich duftet und ich langsam hungrig werde, lasse ich auf dem Weg ins Bad noch einen Blick über den Schreibtisch schweifen, auf dem alle Briefe geöffnet liegen bis auf einen. Mit schwarzem Umschlag. Ich werfe den Kopf in den Nacken, während ich zurück in die Küche blicke und mein Mann mich mit einem dezenten aber fiesen lächeln anblickt.

Ich gehe duschen und während was warme Wasser langsam meine Körper vom Nieselregen befreit und wieder auftaut, kann ich meine Gedanken noch immer nicht vom Brief lösen. Ich ziehe mich an und beschließe meinen Liebsten direkt auf den Brief anzusprechen während wir essen. Mein Liebster trinkt einen Schluck Wein als ich ihn auf den Brief anspreche und frage, wieso er ihn nicht geöffnet hat.

Die Augen meines Herrn blicken mich kühl und durchdringend an. Langsam stellt er das Weinglas ab und beginnt sich wieder dem Essen zuzuwenden während er kalt entgegnet, dass er auch so wüste von wem der Brief ist und was in ihm steht. Es gäbe also keinen Grund ihn zu öffnen. Ich frage giftig nach, ob er mich auch erhellen wolle und bekomme ebenso giftig als Antwort, dass der Brief ja nicht an mich gerichtet sein, sondern an ihn und ich entsprechend nicht wissen müsse was in ihm steht.

Wir sehen uns giftig an.

Provokativ liegt der geschlossene Brief die kommenden Wochen auf dem Schreibtisch meines Herrn. Meine Gedanken schwingen, wenn ich ihn erblicke, zwischen Neugierde, der Vermutung, dass es sich nur um Weihnachtsgrüße handelt und meiner zunehmenden Dünnhäutigkeit darüber das mir der Inhalt vorenthalten wird und wie eine dunkle Briefwolke über mir kreist. Ich frage mich, wie mich so etwas Banales wie ein Brief so sehr in seinen Bann ziehen kann und so viel Platz in meinen Gedanken einnehmen kann. Ich bin so neugierig, dass es mich selbst nervt wie neugierig ich bin.

Plötzlich bitte Dezember als ich überlege, wo wir Silvester feiern könnten und wie man trotz Corona eine einigermaßen gute Feier hinbekommt, drückt mir mein Liebster plötzlich den schwarzen Umschlag in die Hände. Ich sehe ihn einen Moment schweigend an und überlege, ob es wohl ein Trick ist, doch er lächelt mich an und sagt mit ruhiger Stimme, dass ich den Brief öffnen kann. Vorsichtig reiße ich das schwarze Papier auf und staune nicht schlecht, dass der Brief ebenfalls auf vollkommen schwarzem Papier geschrieben ist. Handschriftlich in goldenen Buchstaben geschrieben, halte ich eine Einladung zur Silvesterparty im Anwesen des Wolf in den Händen. Langsam lese ich die Zeilen und frage mich, wie viele Briefe seine Sklavin wohl verfassen musste und welche Grausamkeiten der Wolf für den Fall angekündigt hat, das auch nur ein einziger Buchstabe nicht an der Stelle ist, an der er seinen Platz hat. Ich bekomme Gänsehaut bei dem Gedanken, den Wolf vor mir stehen zu haben und einen riesigen Haufen schwarzer Blätter zu erblicken, die ich beschreiben müsste. Welch schreckliche Aufgabe und beim Wolf hätte ich zu dem noch im Hinterkopf die beißende Frage ob im am Ende überhaupt selbst eingeladen würde oder nur die ganzen Briefe schreiben müsste und die Ungewissheit wäre sicher noch viel quälender als nicht zu wissen, was im Umschlag verborgen ist.

Ich blicke tiefer in den Umschlag und sehe zwei kleine verschlossene Briefe auf denen das Wappen des Wolfs prangt und die mit rotem Siegellack verschlossen sind. Ich greife in den Umschlag und während ich sie herausziehe wird mir ganz warm und ich denke darüber nach, was wir wohl erleben werden und welches Glück ich habe an Silvester in den Tiefen des Verlieses des Wolfanwesens zu aufpeitschenden Musik tanzen zu dürfen. Ich lege die beiden kleinen Umschläge zurück auf den Schreibtisch meines Mannes und muss grinsen. Von allem was ich überlegt hatte, was wohl im Brief stehen könnte, war mir eine Silvesterleinladung nicht in den Sinn gekommen.

Jeden Morgen werfe ich von nun an einen kurzen prüfenden Blick auf die beiden Umschläge damit sie auch nicht verloren gehen und freue mich auf den Silvesterabend.

Ich wache morgens am 31 Dezember auf. Ich drehe mich um und kuschle mich in den warmen Arm meines Liebsten während ich im schweigend anblicke und überlege, was heute Abend wohl passieren wird. Der Tag vergeht nur ganz langsam und ich bin froh als es langsam Nachmittag wird und wir uns für den Abend fertigmachen. Mein Herr trägt einen dunklen Anzug und ich bekomme Gänsehaut als er plötzlich mit breiten Schultern hinter mir steht und ich noch in Unterwäsche als ich mich umdrehe. Ich ziehe ein kurzes schwarzgraues Paillettenkleid an und wenig später drehen sich unsere Nachbarn im Flur nach uns um, als die Absätze meiner High Heels über den steinernen Boden im Flur hallen, während wir zum Aufzug gehen. Ich betrachte mich im Spiegel, das glitzern meiner Ohrringe, meine roten Lippen und die breiten Schultern die hinter meinen stehen und fühle die Hand an meinem Nacken die unmissverständlich sagt, ich gehöre meinem Herrn, während er mich mit leichtem lächeln ebenfalls anblickt und sich unsere Blicke im Spiegel vor uns treffen.

Ich lasse mich auf den Beifahrersitz fallen. Ich fühle das kühle Leder des Sitzes und mit leichtem Knurren beginnt der grimmige Audi sich aus der Tiefgarage in Bewegung zu setzen. Wir fahren Richtung Autobahn und schon bald träume ich zum monotonen knurren des Motors von den Stunden die vor uns liegen. Langsam wird es dunkel und während vor uns die Roten lichter der anderen Autos vor uns auftauchen, größer werden und verschwinden tanzt mein Herz im Vorfreude auf den Abend.

Endlich biegen wir ab, folgen den Kurven der Landstraße und plötzlich taucht in der Dunkelheit das alte Gemäuer auf. Das große eiserne Tor öffnet sich vor uns und als das Knurren des Autos aufhört beginnt mein Herz ganz feste zu schlagen. Wir steigen aus, gehen auf die große Treppe zu die an einer großen alten Holztür endet. Ein großer eiserner Wolfskopf mit Ring dient als Klingel und ich zucke innerlich zusammen, während mein Herr den mit festem Schlag unsere Ankunft ankündigt.

Eine junge Frau in kurzem roten Kleid öffnet uns die Tür, lächelt meinen Herrn an und wirft mir einen bösen Blick zu, als hätte ich etwas ausgefressen. Fragt schnippisch ob ich denn auch eine Einladung hätte.

(Fortsetzung folgt..)

3 Gedanken zu „Der Schwarze Brief (Teil 1)

  1. Hallo Nadine
    Spannender Beginn der Geschichte.
    Meine Dienerin und ich sind ganz gespannt auf die Fortsetzung der Geschichte.
    Grüsse,Dave

    • Guten Abend Dave,

      vielen Dank, dass freut mich.

      Ich hoffe, dass ich es demnächst wieder schaffe öfters und regelmäßiger zu bloggen.

      Liebe Grüße

      Nadine

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