Dunkle Träume (Erster Beitrag von Natalia)

natalia_firstKalter, feiner Regen fällt lautlos vom Himmel, während ich fühle wie mein Herz bei jedem Schritt bebender schlägt. Quälend sind meine Gedanken, ob ich wirklich einen weiteren Schritt auf meinen unsicheren Beinen gehen soll. Ich bin verabredet mit einem Menschen, der meine Geheimnisse kennt, der weiß was ich mich nie zu sagen traue und den ich doch kaum kenne.

Zögernd steh ich in der Kälte und beobachte versteckt unter meinem schwarzen Regenschirm die Fenster eines kleinen Cafés. Die Menschen sitzen lachend zusammen, nippen an ihren Getränken und krümeln mit ihren Keksen, während sie sich miteinander unterhalten. Langsam streift mein Blick und fällt auf einen alleine sitzenden Mann. Ich blicke sorgsam umher, doch er ist der Einzige, auf den die Beschreibung auch nur im Ansatz zutrifft, die ich habe.

Ich beobachte ihn, meine Augen folgen seinen Bewegungen und ich vergesse dabei den kalten Regen, der an meiner Hand entlangstreift. Ich bin mir unsicher. Ich bin mir wirklich unsicher, ob ich es wagen soll hineinzugehen. Ich schließe einen Moment die Augen um in mich zu gehen und meinen Mut zu sammeln, als plötzlich eine warme Stimme Hallo Natalia sagt.

Mein Herz pocht laut in meiner Brust und ich habe mühe zu atmen, als ich meine Augen öffne. Ich blicke langsam die braunen Lederschuhe neben mir hinauf, über eine dunkle Hose, einen Mantel entlang bis ich plötzlich an einem leichten ziemlich selbstbewussten Lächeln hängen bleibe. Manu, ganz schön groß und unverschämt selbstsicher, währen dich ein Nervenbündel bin.

Ich fühle, wie meine Anspannung vor dem Treffen von mir abfällt, als wir uns ein wenig unterhalten, während wir beide abwechselnd uns und die Menschen im Café ansehen. Ich beginne zu fühlen, dass ich ihm gefallen will, während ich mein eigenes Spiegelbild einen Moment im Fenster beobachte und nicht glauben kann, was ich grade mache.

Mit einer Mischung aus Empörung und einem seltsamen Kribbeln vernehme ich wie er die unerhörte Feststellung „und du stehst also auf Leinen“ mit einer unfassbaren Natürlichkeit über seine Lippen bringt. Ich beobachte, wie ich Gänsehaut bekomme, währen dich überlege was ich erwidern soll und mir dabei ziemlich warm wird. Ich lächle vorsichtig und ziehe es vor zu schweigen.

Wir betreten gemeinsam das Café, in dem wir uns ursprünglich verabredet haben. Ich blicke in eine große Tasse Cappuccino während wir uns auf zwei der alten weichen Sesseln im Café fallen lassen. Mit einer wohlfühlenden Mischung aus Erleichterung und Unglauben, beobachte ich wie normal ein Mensch wirkt, der die Dinge mag, die seit Jahren verbotener Weise in meinem Kopf schwirren.

Es ist, als kennen wir uns schon ewig und in gewisser Weise ist es auch so. Unzählige Emails sind diesem Tag vorausgegangen. Wir haben über unsere schmutzigsten Fantasien geredet, über süße Katzenbabys, über unsere Studiengänge an der Uni, uns unser Leid über nervige Mitbewohner und garstige Telefonhotlines geklagt. Es dauert nur wenige Augenblicke, bis ich meine tollen Ausreden, wieso ich schnell weg muss vergessen hab und ich mir wünsche, dass die Zeit in den Sesseln möglichst langsam vergeht.

Das erste Mal in meinem Leben fühle ich, während ich in einem der alten braunen Sessel sitze, dass ich die Dinge, die ich schon lange in meinem Kopf verdränge, ausleben will. Meine Anspannung ist verflogen und ich denke heimlich darüber nach wie es wäre, wenn.

Wir gehen lange spazieren und niemand außer uns beiden hat auch nur eine Ahnung, dass das Thema über das wir uns kennengelernt haben so gar nicht in die Romantik der meisten Menschen passt. Als es Abend geworden ist, essen wir gemeinsam etwas, trinken ein Glas Rotwein, machen ein paar Späße und bevor wir uns verabschieden, sind wir uns einig, dass wir uns wiedersehen wollen.

Was ich einen kurzen Augenblick verfluche, als ich ziemlich nervös einige Wochen später im Flur stehe und Manu mir den Mantel abnimmt und sorgsam in der Garderobe verstaut. Vorsichtig und so leise ich in meinen Stiefeln laufen kann, folge ich ihm weiter in seine Wohnung.

Mit leichtem Grinsen beobachtet er, wie ich nicht so recht weiß wohin mit meinen Händen und vor Nervosität an meinem Kleid zupfe. Ich atme flach und schnell, während ich innerlich zittrig bin, und warte was geschehen wird. Wir reden noch ein bisschen, doch meine Gedanken schweifen an anderer Stelle und irgendwann steht er auf und weißt mir den Weg ins abgedunkelte Wohnzimmer.

Ich blicke mich um, während sich meine Augen an das dunkle Zimmer gewöhnen. Nur ein paar Kerzen erhellen den Raum, dessen Rollladen jedes Licht von außen aussperren. Ich denke gerade, wie hübsch es eingerichtet ist, als ich erschrecke als ich mit einer unglaublichen Bestimmtheit die eigentlich unfassbaren Worte höre. „Zieh dich komplett aus. Stell dich dahin. Warte bis ich wiederkomme“. Fassungslos blicke ich die Fingerspitze an, die einen Punkt auf dem Boden andeutet und bevor ich etwas erwidern kann, bin ich alleine im Zimmer mit meiner Nervosität und minimalem Kerzenschein.

Unverschämt. Aber irgendwie auch ziemlich erregend, wenn man etwas wild verdrahtet wurde wie ich, denke ich und muss grinsen, während ich beginne, mich auszuziehen. Noch einmal halte ich einen Moment inne, als ich in Unterwäsche bin und meine Hand schon den Slip berührt. Doch dann beiße ich mir leicht auf die Lippe und stehe vollkommen nackt an eben jenem Platz an den ich befohlen wurde.

Mein Herz rast, als ich höre wie die Türe hinter mir langsam aufgeht. Wortlos, mit in der Dunkelheit nicht zu erahnender Mimik betritt mein zukünftiger Herr das Zimmer. Er lehnt sich mit dem Rücken gegen eine Stütze, die die beiden verdunkelten Fenster des Wohnzimmers teilt und blickt mich schweigend mit verschränkten Armen an.

Dann plötzlich beginnen beide Rollladen sich knarrend zu öffnen und fluten den Raum mit Licht und liefern mich den Blicken meines Herrn vollkommen aus. Die erste Session meines Lebens beginnt.

Ich hoffe, euch hat die Art wie ich geschrieben habe gefallen. Über eure Meinung würde ich mich freuen. Liebe Grüße Natalia

28 Gedanken zu „Dunkle Träume (Erster Beitrag von Natalia)

    • Hallo 64er,

      vielen Dank für eine Meinung. Es freut mich, dass du der Ansicht bist, dass es zum Stil des Blogs passt 🙂

      Liebe Grüße

      Natalia

  1. Hallo Natalia!

    Ich finde deinen ersten Beitrag sehr gelungen, man kann richtig mit dir mitfühlen! Die Spannung der Situation, die Erregung sowohl des ersten Treffens als auch des Beginns der ersten Session ist fast zu greifen!

    Ich freue mich auf weitere Beiträge von dir! 🙂

    • Hallo Mic,

      vielen Dank für eine lieben Worte 🙂 Ich war mir nicht so sicher, ob ich das was ich gefühlt habe wirklich transportieren kann… daher beruhig es mich, was du schreibst…

      Liebe Grüße

      Natalia

      • Hallo Natalia,
        da brauchst du dir wirklich keine Sorgen zu machen! Mir gefällt die Art, wie du schreibst! 🙂
        Liebe Grüße
        Michael

    • Hallo Kari,

      grad von einer selbst so aktiven Bloggerin freut mich das Lob besonders 🙂
      Ich hoffe, dass ich die Motivation finde regelmäßig etwas zu schreiben. Bisher bin ich da noch etwas unsicher…

      Liebe Grüße

      Natalia

      Liebe Grüße

      Natalia

      • Hi Natalia,

        und ich freue mich auf weitere Beiträge. 🙂

        Motivation, finde ich, ist nie das Schwierige – die bekommt man automatisch durch die positiven Kommentare – und davon hast du ja eine Menge schon bei deinem ersten Beitrag bekommen. Ich empfinde immer das finden der Zeit und der Muse (ohne die ich nie gescheit formulieren kann) als problematisch, da man die ja auch dummerweise noch gleichzeitig braucht.

        LG
        Kari

      • Ja da hast du recht. Ich hab wirklich viele Kommentare bekommen 🙂 Das hat mich total überrascht und auch das sie so positiv sind.

        Liebe Grüße

  2. Sehr sehr schöner schreibstil, man spürt die Anspannung des erstens Treffens und Session bei jedem Satz heraus, und wird kann sich sehr gut hineinfühlen (und erinnert sich an sich selbst, als man in einer solche ähnlichen Situation war *g*). Ich hoffe bald und öfter mehr von dir lesen zu dürfen. Das einzige, was mich persönlich etwas gestört hatte, war die doch ofte Verwendung des Wortes ‚währenddessen‘. Glg lea 🙂

    • Hallo Lea,

      vielen Dank für einen Kommentar 🙂

      Es war eine ganz interessante Erfahrung sich noch einmal so richtig im Detail zurückzuerinnern. Das ganze ist ja schon ein paar Jahre her und von meinem heutigen Umgang mit BDSM ein ganzes Stück entfernt. Ich finde immer gerade den Anfang, sich zu überwinden und zu trauen war wirklich ein großer Schritt.

      Ich werde versuchen darauf zu achten, dass ich weniger häufig währenddessen benutze.

      Liebe Grüße

      Natalia

    • Hallo Ela,

      vielen Dank für dein Lob 🙂 Irgendwie ist mir dein Kommentar beim antworten zuerst durchgerutscht *schäm* Ich werde in zukunft besser aufpassen…

      Ich wünsch dir ein schönes Wochenende 🙂

      Liebe Grüße

      Natalia

      • Huhu Natalia,
        Ich bin nicht durchgerutscht, hab ja erst später geschrieben. 😉
        Danke, ich wünsche dir auch ein schönes we.
        Liebe Grüße
        Ela

  3. Wahnsinnig toller Beitrag, freue mich riesig auf die Fortsetzung und finde deinen Schreibstil auch sehr gelungen, wie schön so viele Kommentatoren vor mir 🙂
    Passt super hier in den Blog ^-^
    *neugierig auf den nächsten Beitrag warte*

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