Der Weihnachtsbaum

Der Morgen unseres zweiten Tages bei unseren Freunden in einer eingeschneiten Schweizer Berghütte beginnt mit dem Kampf wer von uns mehr Bettdecke bekommt. Während mein Liebster auf Kraft setzt, setzte ich auf kurzzeitiges Loslassen, so dass er vor Schreck als er fast aus dem Bett fliegt, die Bettdecke einen Moment loslässt und ich sie mir schnappen kann. Zur Sicherheit wickel ich mich ganz in die Decke ein, was sich jedoch wenig später als blöde Idee entpuppt als ich merke das er mich samt Decke drehte und als Kopfkissen benutzte – freilich immer noch ohne Zudecke und bei dem Versuch sich eine Wolldecke aus dem Schrank zu holen kann ich glücklicher Weise ins Badezimmer türmen.

Während ich am Frühstückstisch ein Brötchen mit Erdbeermarmelade verputze, diskutierten unsere Freunde wer welche Aufgabe übernehmen soll. Uns wird dabei die Aufgabe zuteil den Weihnachtsbaum zwei Dörfer tiefer im Tal abzuholen. Was sich im Vergleich zum Einkaufen in der Stadt oder dem Holzhacken als relativ überschaubare Aufgabe von uns eingeschätzt wird.

So machen wir uns am Vormittag auf zur besagten Adresse und müssen bald feststellen, dass es sich nicht um einen Weihnachtsbaumverkauf handelt, zu dem wir geschickt wurden, sondern vielmehr um einen bekannten unserer Freunde mit Wald – und in eben jenem steht unser Weihnachtsbaum.

Wir sehen uns an und dachten beide, dass es uns hätte verdächtig vorkommen sollen, dass sich die anderen freiwillig selbst zum Holzhacken eingeteilt hatten. Mein Liebster bekam eine vermutlich hundert Jahre alte Säge in die Hand gedrückt und mit einer mehr oder weniger verständlichen Beschreibung, einem komischen Schlitten und einigen Seilen um den Baum auf dem Schlitten zu befestigen zogen wir durch den, beinahe im Tal, immer noch gut 20cm hohen Schnee in den Wald.

Nach dem wir uns eine Weile schweigend durch den Schnee gekämpft hatten und über irgendwas stolperten lagen wir einen Moment in der weißen Stille, sahen uns dann und mussten Grinsen. Dafür würden wir uns bei unseren Freunden noch erkenntlich zeigen- und so verbrachten wir die nächste Zeit damit zu überlegen was uns vergleichbar fieses einfallen würde, als wir plötzlich vor einer ganzen Horde Weihnachtsbäume standen.

Wir suchten uns einen Baum aus und ich hielt die vollgeschneiten Äste zurück, damit mein Liebster mit der antiken Säge ans Werk gehen konnte. Ich beobachtet wie er sich mit der alten Säge langsam in den Stamm fraß und blickte dabei in seinen herrlich ungeschützten Nacken und beschloss spontan, dass ein wenig Schnee seine Arbeit sicher beschleunigen könnte und ließ die Äste los. Mit einem leisen „Wutsch“ verschwand der Kopf und Nacken meines Liebsten in den Tannenzweigen während der Schnee lautlos herunter rieselte.

Die Stille wurde von einem lauten Fluch zerrissen und der über und über mit Schnee bedeckt Kopf meines Herrn guckte mich grimmig wie der Yeti an. Ich lächelte und dachte doch in meinem Hinterkopf, dass er mir die Nummer mit dem ausversehen losgelassen, die ich ihm auftischte, nicht so ganz abnahm.

Irgendetwas grummelnd steckte der den Kopf zurück in den Weihnachtsbaum und sägte den Baum vollends ab. Dann zog er sich zuerst die Jacke, dann den Pullover und dann seine T-Shirt aus und versuchte den schon an geschmolzenen Schnee loszuwerden der in seiner Kleidung hing. Als er sich die Jacke wieder anzog blickte er mich schweigend an und machte das mich ein wenig nervös. Ich überlegte gerade wie ich meine Geschichte plausibler machen konnte als er langsam auf mich zukam und murmelte das es sicher ausversehen gewesen sei – so ausversehen könnten ja immer mal passieren – manchmal schneller als man denkt. Ich dachte, dass ich in nächster Zeit lieber vorsichtig sein sollte, damit mich das Ausversehen nicht ganz unvorbereitet erwischte.

Wir packten den Baum auf den Schlitten, dann auf das Auto und nach einiger Zeit stand der Weihnachtsbaum an seinem Platz in der Hütte und die Männer sahen uns beim Schmücken zu, nachdem wir auf ihre Hilfe dankend verzichtet hatten und gaben „hilfreiche“ Kommentare ab, statt wie von uns vorgeschlagen Plätzchen zu backen.

Nach dem wir den Baum fertig geschmückt hatten, fiel mir auf, dass irgendwie Kerzen fehlten obwohl ich mir ganz sicher war, dass ich in jede Halterung eine Kerze gesteckt hatte. Als ich einen der leeren Kerzenhalten zwischen den Tannenzweigen betrachtete stellten sich meine Nackenhaare bei dem Gedanken auf, wer die Kerzen geklaut hatte. Ich blickte hinüber zu meinen Liebsten der einen Kakao trank und mir dabei einen Moment tief in die Augen sah. Ich kniff die Augen zusammen und bemerkte ein leichtes grinsen, während er sich wieder auf seine Tasse konzentrierte.

Ich steckte neue Kerzen in die Halterungen und behielt den Baum im Auge um meinen Liebsten auf frischer Tat zu ertappen während ich mich auf die Suche nach den entwendeten Kerzen machte. Doch die Kerzen tauchten nicht mehr auf und mein liebster dachte scheinbar auch nicht daran weitere mitgehen zu lassen sondern ging Skifahren und so folgte ich ihm wenig später.

Als es langsam dämmerte gingen wir zurück zur Hütte und ich freute mich auf eine warme Dusche während ich mich langsam meiner Skiausrüstung befreite. Mein Liebster feuerte den Ofen an und ich begann mich schon auf der Treppe hinauf zu unserem Zimmer auszuziehen, da die anderen noch nicht da waren. Ich fühle, wie ich der Dusche immer näher kam und stellte mir das warme Wasser vor während ich unser Zimmer erreichte. Doch plötzlich spürte ich den festen Griff meines Herrn in meinen Haaren, der mich auf die Zehenspitzen zwang. Ich jammerte, doch musste hilflos mit ansehen wie meine Arme hinter meinem Rücken zusammengebunden wurden und das Seil über einen der Deckenbalken sprang. Mein Herr zog es straff, so dass ich auf den Zehenspitzen stehen musste  und mich kaum bewegen konnte.

Er setzte sich vor mich auf das Bett und kramte nicht nur die Kerzen, sondern auch noch einige Weihnachtbaumkerzenhalter hervor. Hilflos musste ich mit ansehen er die Kerzenhalter am Seil das mich in meiner schrecklichen Lage hielt befestigte und die schrägstehenden Kerzen entzündete. Ich versuchte soweit es meine schmerzenden Zehen noch erlaubten irgendwie dem piecksenden Wachstropfen auszuweichen, doch so sehr ich mich auch bemühte, landete doch jeder Tropfen auf meinem Rücken oder Armen.

Ich jammerte und bettelte und bereute es doch bald, da er die Balkontür öffnete und Schnee vom Balkon holte mit dem er über meinen Rücken strich was dazu führte, dass er die ganzen schrecklichen Kerzen abbrennen lassen konnte und mich gleichzeitig auch noch mit dem schrecklichen Schnee am ganzen Körper quälte.

Als die grausamen Kerzen endlich abgebrannt waren, erlöster mich von meinen Fesseln, doch seine Hände an meinen Armen verhinderten, dass ich mich aufrichten konnte und so musste ich mich seinen gemeinen Befehlen gehorchend auf den schrecklichen schneebedeckten Balkon legen, während er sich auf meine Beine setzte mich tief in den Schnee presste und das Wachs von meinem Rücken rieb.

Ich jammerte über den schrecklichen kalten Schnee, doch in Anbetracht meiner Weihnachtsbaumaktion blieb mir nicht viel übrig als seine Strafe über mich ergehen zu lassen.

Dann endlich nahm er mich auf den Arm und brachte mich zur Dusche. Und während ich meinen Körper vorsichtig auftaute, zog er sich aus, kam zu mir in die Dusche und wir kamen ganz leise damit unsere gerade nach Hause gekommenen Freunde nichts von unserem Treiben erfuhren.

4 Gedanken zu „Der Weihnachtsbaum

  1. Na~,
    Welch wunderbar fiese Idee von ihm, heiß und kalt zu verbinden, war nur gerecht, nachdem du so ganz versehentlich hast den Ast losgelassen 🙂
    Ich hätte dir das auch nicht abgekauft, sowas passiert einfach nicht XD
    Aber du willst es auch nicht anders, wird ansonsten ja auch langweilig.
    Wieder ein sehr schöner Beitrag, ich lese euren Blog immer wieder gerne. Schön dabeibleiben bitte. ^-^
    Wie habt ihr euren Freunden die Weihnachtsbaum-selbst-beschaffungs-Aktion eigentlich heimgezahlt?

    LG
    Sarah

    • Also ich hatte den Ast doch total ausversehen losgelassen 😉

      Ich wüsste nicht was ich sonst machen sollte – ich kann mir inzwischen kein anderes Leben mehr vorstellen 😀 Udn außerdem ärgere ich sooooooo gerne 😉

      Ach herje, darüber wie wir es ihnen heimgezahlt haben, muss ich auch noch mal schreiben 😉 Im Augenblick kann ich ja nicht mal sagen ich hab sooo viel zu tun, sonst nekomme ich von Xander aufgezählt, was er alles machen muss^^

      lg

  2. Liebe Nadine,
    wieder ein herrlich fiese Geschichte, die mein Herz am Morgen beim Frühstück erfreut.
    So kann man doch mit viel mehr Spass den Tag fortschreiten lassen-
    Dafür vielen Dank
    es ist schön wie Du uns an Eurem Leben teilnehmen lässt 🙂

    heiß kalte Grüße
    Charly

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