Der eiskalte Engel

Mein Herr ließ mich auf einem einsamen dunklen Hof in einem Industriegebiet wortlos im Auto zurück. Ich höre wie eine Gestalt um unser Auto schlich, wie sie eine eiserne Kette über den Boden zog, als sich plötzlich die Türen des Wagens entriegelten und ich an meinen Beinen aus dem Auto gezerrt wurde.

Ich schrie und zappelte, doch die mit einem Kapuzenpulli verhüllte Gestalt zwang mich auf den Boden und ich spürte ihr Knie in meinem Rücken als sie mich mit der Kette fesselte. Schmerzhaft legte sich die Kette feste um meinen Körper, doch als ich auch nur ein Wort sagte, zog er die Kette durch meinen Mund und verschloss sie so mit einem Schloss, dass ich kein richtiges Wort mehr hervorbringen konnte.

Ich musste der Gestalt über den dunklen Hof folgen. Bei jedem Schritt drückten sich die Ketten in meine Beine, doch der Schmerz machte jeden Gedanken an Gegenwehr unmöglich und so führte er mich langsam, aber unnachgiebig Richtung eines Lichts in der Ferne. Wir kamen zu einer Tür und betraten eine große Lagerhalle. Noch immer hielt die Gestalt die Kette fest in Händen und verbarg ihr Gesicht hinter dem Kapuzenpulli  als sie plötzlich innehielt und unvermittelt die Kette an einer eisernen Säule in der Halle festmachte und mit einem weiteren Schloss sicherte.

Ich blicke ihm nach als er wortlos wieder Richtung Türe zurückgeht. Ich zerre an den Ketten, doch habe keine Möglichkeit mich zu befreien. Das eiskalte Metall der Ketten gibt keinen Millimeter nach und ist so eng um meinen Körper gezogen, dass ich es unmöglich abstreifen kann. Die Zeit vergeht nur ganz langsam und ich frage mich verzweifelt wie lange ich wohl hier gefangen bleiben werde, als ich plötzlich hohe hallende Schritte höre.

Ich blicke auf und sehe in der Ferne eine Frau auf mich zukommen. Sie träge eine weiße Bluse, einen sehr engen schwarzen Rock der über die Knie geht und Schuhe mit sehr hohen Absätzen, die sie zusammen mit ihrer kerzengeraden Haltung, den zurückgebunden brünetten Haaren und dem blassen Gesicht sehr streng wirken lassen. Sie bleibt einige Meter von mir entfernt stehen, die Hände locker hinter dem Rücken und blickt mich mit einem unnahbaren, strengen Gesichtsausdruck an.

Dann kommt sie langsam auf mich zu und öffnet mit einem Schlüssel die Schlösser die die Ketten an meinen Körper pressen. Ich atme tief durch, als die schmerzenden Ketten zu Boden fallen, streiche mit meinen Händen über die Abdrücke, die sich auf meiner Haut hinterlassen haben und jammer über die Schmerzen die sie mir bereitet haben, als ich eine Backpfeife bekomme. Entsetzt blicke ich in die eiskalten blassblauen Augen und sehe wie sie ihren Finger über ihre roten Lippen führt, während es so wirkt, als würde ein kalter Hauch von ihr herüber wehen.

Als sie auf mich hinabblickt habe ich das Gefühl, dass sie zwei Meter groß ist. Ihr vollkommen emotionsloses engelsgleiches Gesicht blickt mich schweigend an, als sie ein paar winzige Handschellen hervorholt und feste nach meinen Händen greift um meine Daumen zu fesseln.

Sie dreht sich ohne ein Wort um und gibt mir mit einem Fingerzeig zu verstehen, dass ich ihr folgen soll. Ihre festen Schritte knallen durch die riesige Halle und lassen die meinen winzig wirken. Als wir am Hallenende ankommen, zieht sie an einem Seil das von der Decke hängt und mit einem lauten Jaulen öffnet sich ein riesiges eisernes Garagentor. Ich blicke in den grellen Scheinwerferstahl eines Wagens, sie blickt mich kurz an und geht dann direkt in das Licht, so dass meine Augen ihr kaum folgen können. Sie schnipst mit den Fingern weil ich ihr nicht weiter gefolgt bin. Schnell mache ich mich auf den Weg und folge wenige Meter hinter ihr in das gleißende Licht.

Sie öffnet mir die hintere Tür eines riesigen schwarzen Mercedes, schnallt mich an und während sie mir in die Augen blickt zieht die den Gurt so stramm, dass ich kaum Atmen kann. Dann setzt sie sich elegant auf den Vordersitzt, startet den Motor und wir gleiten fast schwerelos leise über den dunklen Hof zurück auf die Straße. Sie fährt ruhig und ausgeglichen, langsam scheren wir auf der Autobahn ein und der Wagen beschleunigt leise doch genauso unnachgiebig wie seine Fahrerin, die mir nur manchmal einen kurzen strengen Blick im Rückspiegel zuwirft.

Nach einer Weile verlassen wir die Autobahn, ich blicke in die dunklen menschenleeren Straßen der Stadt. Dann plötzlich halten wir vor dem großen Eisernen Tor einer Tiefgarage. Laut quält sich das Tor die Abfahrt freizugeben und dann plötzlich rauschen wir hinab in die Tiefgarage. Vor uns gehen langsam die Neonröhren an und offenbaren einen riesigen leeren Parkplatz. Die Frau schaltet den Motor aus, öffnet die Tür und meinen Gurt und als ich nicht schnell genug aussteige zieht sich mich wortlos an den Haaren aus dem Wagen.

Wieder geht sie los und ihre Hand zeigt mir mit einem leichten Winken, dass ich ihr folgen soll. Ihre Schritte hallen furchteinflößend in der komplett leeren Tiefgarage. Wir laufen eine Auffahrt hinab in eine noch tiefere Ebene, sie dreht sich nicht einmal um, sondern läuft gleichmäßig mit eleganten Schritten vor mir her, bis wir die tiefste Ebene erreicht haben. Ich folge ihr bis vor die Tür eines Aufzugs, als sie sich plötzlich umdreht, meine Minihandschell löst und ein rotes Band aus ihrer Handtasche nimmt. Ohne ein Laut von sich zu geben sieht sie mich einen Moment an, zieht dann das Band feste um meinen Körper und bindet es mit einer großen Schleife über meinem Dekolleté zusammen.

Als sich die Aufzugstüren hinter ihr öffnet, zupft sie sie Schleife noch einmal zurecht während sie mich langsam und sanft in den Aufzug führt. Dann macht sie einen Schritt zurück, sieht mich streng an und gibt mir mit ihrer Hand zu verstehen, dass ich mich aufrechter hinstellen soll. Ein leichtes, zufriedenes Lächeln huscht über ihr Gesicht, als sich die Aufzugstüre schließt und den durchdringenden Blick der eiskalten Augen unterbricht.

Der Aufzug setzt sich in Bewegung, ich blicke mich im Spiegel in meinem kurzen schwarzen Kleid und großer roter Schleife an, die mich aussehen lässt wie ein Geschenk und atme mit jedem Stockwerke das der Aufzug hinter sich lässt schneller. Als der Aufzug stehenbleibt kann ich vor Aufregung kaum atmen. Dann öffnet sich die Aufzugstüre, vorsichtig sehe ich hinaus in den langen Flur und sehe in einiger Entfernung die Silhouette einer Person die eine Gerte waagerecht mit ausgestreckten Armen hinter dem Rücken hält.

Durchdringen, beruhigend und einschüchternd zugleich höre ich die Stimme meines Herrn. Sie befiehlt mir ihm näher zu kommen. Langsam bewege ich mich auf meinen Herrn zu und blicke einen Moment in seine Augen, während er mich mustert und mit leichtem, kaum wahrnehmbaren grinsen die große rote Schleife löst.

Dann führt er mich zu einem großen Konferenzsaal, im vorbeigehen fällt mein Blick auf eine große Sammlung schmerzhafter Werkzeuge die auf dem großen Konferenztisch liegen und ich muss mich vor eines der großen Glasfenster stellen. Mein Herr lehnt sich zurück gegen den großen Tisch und befiehlt mir, dass ich mich ausziehen muss. Ich spüre die Stadt in meinem Rücken hinter der Glasscheibe und ich spüre die Augen meines Herrn, die jedes Wiederwort brechen würden. So beginne ich mich vor meinem Herrn auszuziehen, während sich bei dem Gedanken vor einem Fenster zu stehen meine Nackenhaare aufstellen.

Ich muss meinem Herrn meine Kleidung übergeben. Einen Moment verweilen seine Augen auf ihr, dann geht er wortlos hinaus in den Flur, schaltet das Licht aus und befiehlt mir aus der Ferne meine Hände gegen das große Glasfenster zu drücken wie eine verdächtige bei der Polizei. Ich blicke hinab in die Lichter der Stadt und höre wie hinter mir eine Peitsche schnalzt und mir sekundenbruchteile später den Rücken in zwei zu schneiden versucht. Ich schreie unter dem Biss der Peitsche, doch mein Herr befiehlt mir unverzüglich wieder meine Position einzunehmen. Und meine erste große Session des Jahres beginnt.

13 Gedanken zu „Der eiskalte Engel

    • Ich hab nichts gesagt ;-).

      Aber mit diesem „Ende“ kann ich persönlich viel besser leben, als mit dem letzten. Man fühlt sich nicht so auf die Folter gespannt *g.

      Trotzdem freue ich mich auf die Fortsetzung und immer wieder für dich, dass du ein solches Ausmaß an Kreativität und dominanter Zuneigung erleben darfst!

  1. Wie aufregend, dafür fehlen mir einfach die Worte, man kann sich so toll hineinversetzen, man spührt die Strenge schon beim Lesen.

    Das muss eine wundervolle Session gewesen sein, die du erlebt hast.
    Und wie schön ausführlich du das geschrieben hast, macht riesig Spaß zu lesen.

    Den Link zu der Geschichte speichere ich mir gleich ab unter meinen Lieblingsseiten.
    ^-^
    Vielen Dank für den schönen Beitrag.

    Liebe Grüße
    Sarah

    • Hallo Sarah,

      vielen Dank für deine lieben Worte 🙂

      Es war wirklich eine schöne Session – für solche muss man immer ganz schön viel planen und daher kann ich sie leider nur ganz selten erleben…

      Liebe Grüße

      Nainde

      • huhu ^-^
        ja, das kann ich mir gut vorstellen, das da eine Menge Planung hinter steckt.

        Ich kann euch keine Mail senden 😦
        sie kommt jedesmal wieder an mich zurück. Sagst du Xander bitte Bescheid Nadine?

        vielen lieben Dank
        liebe Grüße
        Sarah

  2. *liege komatös auf dem Boden wegen eines Kopfkino-Anfallas* *ggg*

    Ich sage besser nicht das „Entführungsspielchen“ eine Faszination auf mich ausüben, dass könnte mir sonst mal zum Verhängnis werden wenn das mal wer liest. 😀

    Und kann mich Sarah nur anschließen „Wortlos“ besser kann man es nicht beschreiben.

    Glg Oliver

      • Hallo Nadine,

        *gg* ich kann es gut verstehen.

        Danke mir gehts gut und einen Neuen Blog gibt es auch. 😉 Nun, derzeit grabe ich nach Berlin und mal sehen, vielleicht kann ja daraus was werden. Man kann ja nie wissen.

        Liebe Grüße
        Oliver

  3. Hallo Nadine,

    Der Eintrag ist mal wieder sooooo toll *träum* 🙂 Muss aber auch sagen, du weißt, wie man seine Leser dran hält 😛

    Wenn ich mal so blöde fragen darf; da du ja auch sagst, dass so eine „große“ Session einen großen Planungsaufwand mit sich bringt, in wie weit bist du denn da bei solchen Aktionen vorher mit eingeweiht? Planst du da dann mit, wann du Zeit dafür hast oder schafft Xander das so zu timen, dass es einfach bei dir passt?

    Ich finde es immer furchtbar schwierig, das unter einen Hut zu bekommen, ohne selbst noch den Terminkalender auszupacken :-/ Ich meine es hat ja auch gerade seinen Reiz, wenn man es eben nicht so genau weiß…

    Der Alltag holt einen leider immer zu schnell wieder ein *seufz* ^^

    Sorry, falls ich zu neugierig bin 🙂

    Lieber Gruß, Kitty

    • Hey vielen Dank für dein Lob 🙂

      Ne ich bin da nicht so richtig eingeweiht – ich hab zwar immer mal eine Vermutung, aber so richtig weiß ich es nicht.

      Meistens ist es so, dass wir uns ganz normal verabreden oder wie dieses Mal, dass war kurz nach Neujahr als ich noch frei hatte, so dass ich mir zwar die Tage frei nehme, aber etwas anderes erwarte. Irgendwo hat es genau da seinen Reiz drin, dass ich denke, wir fahren ein paar Tage zu Freunden und dann plötzlich biegen wir irgendwo ab und ehh ich drüber nachdenken kann, lieg ich gefesselt auf der Rückbank 😉

      Seit ich im Ausland arbeite ist es natürlich noch schwieriger geworden… aber manchmal klappt es dann doch…

      Liebe Grüße

      Nadine

      • Danke für die Antwort. ^^
        Ist ja echt schön, dass das bei euch trotzdem so klappt 🙂 Finde ja auch der Reiz ist oft das Nichtwissen.

        Wünsche dir ein schönes Wochenende!
        LG, Kitty

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