Gänsehaut im Zoogeschäft

beck

Ich kann mich noch gut erinnern wie ich mit meiner besten Freundin einkaufen war und wir an der Kasse eines Zoogeschäfts in der Kundenschlange warten mussten. Ich war damals um die 18 Jahre alt und beschäftigte mich in Gedanken oft mit dem Thema BDSM, ohne jedoch jemals eine praktische Erfahrung gemacht zu haben. Ich stand da mit Streu für das Kaninchen meiner Freundin in der Hand und sah mich um.

Mein Blick fiel auf die Hundehalsbänder die in der Nähe der Kasse in verschiedenen Farben, Größen und Materialien an einer langen Wand hingen. Auf mich wirkten die Halsbänder ganz und gar nicht unschuldig und ich fühle ein ziemlich seltsames Kribbeln irgendwo zwischen erregend und ziemlich peinlich. Ich bemerkte, wie mir ziemlich warm wurde, während ich meinen Blick weiter über die Hundeleinen schweifen ließ.

Ich hoffe, dass ich schnell aus dem Laden kommen würde, doch die Schlange vor uns an der Kasse wurde nur sehr langsam kleiner und so blickte ich wenig später schweigend und vollkommen in Gedanken die Hundetransportboxen an. Die Modelle aus blitzendem Aluminium, fesselten meinen Blick besonders und so bemerkte ich gar nicht, dass wir inzwischen an der Kasse ganz vorne war und wurde ziemlich rot, als meine Freundin mich am Arm packte und fragte, ob alles in Ordnung sei.

Schon sehr früh merkte ich, dass manch ziemlich erniedrigende Praktik eine immense Anziehungskraft auf mich hatte, dass manches, was man sich kaum auszusprechen traut, dazu führt, dass ich ungeheure Lust bekomme. Manchmal beim Autofahren blickte ich durch die Scheibe eines Kombis auf einen in der Sonne blitzenden Käfig und bekam Gänsehaut, während ich krampfhaft versuchte mich auf die Straße zu konzentrieren.

Doch diese Dinge wirklich ausprobieren? Kaum vorstellbar!

Ich habe mich seit meiner Kindheit immer als Person mit einem hohen Selbstwertgefühl verstanden. Ich konnte es noch nie leiden, wenn man mich bevormundet, mich nicht für voll nimmt, mich beleidigt oder meine Meinung ignoriert. Wie sollte ich mir selbst im Spiegel in die Augen gucken, wenn ich mich an einer Leine krabbelnd von einem Mann demütigen lasse.

Ich haste diese Neigung in mir. Dieses seltsame, anormale Verlangen, diese Selbstwert zerstörende Sucht, die meine Fantasie und erotischen Vorstellungen vergiftete. Ich versuchte, alles zu unterdrücken, was mir nicht richtig vorkam. Ich konzentrierte mich auf mein Studium, traf mich mit Freunden und lebte genau wie meine Freundinnen. Ich feierte Wild und merkte doch, dass mir etwas entscheidendes in meinem Leben fehlte.

Ich brauchte eine Weile bis ich mich dazu entschloss es doch zu wagen. Ich suchte nach einem Mann, mit dem dich die Dinge ausleben konnte, die mich in meiner Fantasie erregten. Doch schon bald war ich von dem verschreckt, was sich mir an dominanten oder nach ihrer eigenen Vorstellung an dominanten Männern zeigte. Ich war blutjung und nicht weniger derer, die sich für mich interessierten, waren ende dreißig oder gar in den Sechzigern. Das Wort Sport schien ihnen ebenso fremd wie das Verständnis eine Frau mit Respekt zu behandeln, auch dann wenn sie im Bett etwas anderes verlangte. Ich war froh, als sich auch ein paar Männer bei mir meldeten, die einen ganz vernünftigen Eindruck machten, auch wenn einige schon wesentlich älter waren als ich.

Ich redete mir ein, dass ältere Männer mehr Erfahrung mitbrächten und das auch wichtig sei. Ich freute mich auf mein erstes Date. Wir trafen uns in einem Café und auch wenn der Mann mir eigentlich zu alt war und nicht so ganz meinen Aussehensvorstellungen entsprach, so wollte ich versuchen ihn unbefangen kennenzulernen. Als wir uns trafen, umarmten wir uns wobei seine Hand mir einen Klaps auf den Hintern gab. Er verlangte von mir, dass ich ihn nicht in die Augen gucken solle und mit Herr anzusprechen habe. Er erklärte mir seine Vorstellungen unserer weiteren Beziehung und nach etwa 10 Minuten verlangte er von mir, dass ich meine Unterwäsche auf der Toilette ausziehen solle.

Ich war froh, als ich das Date hinter mir hatte und war eine Weile unsicher, ob meine Befürchtungen über BDSM nicht doch alle zutreffend waren und ich nur zu naiv an die Sache heranging. Auch wenn ich auf BDSM Praktiken stand, so wollte ich doch ordentlich behandelt werden, wenn ich mich mit einem Menschen das erste Mal treffe. Ich wagte ein weiteres Date mit einem mitte dreißigjährigen, der tatsächlich ein relativ netter Mensch war, mir noch nach einiger Zeit erzählte, dass er ein Problem mit Kontrollverlust und Aggression hätte. Ich weiß nicht so recht ob es nett war das es mir erzählte, aber dennoch konnte ich mir kaum vorstellen mich einem Menschen auszuliefern, der von sich selbst sagt, dass er sich nicht unter Kontrolle hat.

Er verwarf den Plan einen Mann mit BDSM Neigung kennenzulernen und konzentrierte mich wieder mehr auf mein Studium, lernte mehrere Sprachen und wenn ich etwas Thrill brauchte, besuchte ich das neue große Zoofachgeschäft im Industriegebiet.

Doch so ganz wollten mich die Leinen einfach nicht loslassen. Ich war inzwischen schon ein wenig älter und auch wenn ich immer noch unsicher war, ob es eine gute Idee war, so schrieb ich doch wieder ein wenig mit einem Mann mit BDSM Neigungen. Wobei ich zur Sicherheit erst einmal klar sagte, dass ich nicht an mehr interessiert war, auch wenn ich mir selbst nicht so ganz sicher war, ob es nicht doch anders war.

Wir schrieben uns viele Monate und unsere Nachrichten drehten sich immer weniger um das Thema, das uns eigentlich einander schreiben ließ, als wir uns an einem kalten regenreichen Tag kennenlernten.

Ich habe schon kaum mehr daran geglaubt, dass es doch Männer mit BDSM Neigung gibt, die abgesehen von ihren sexuellen Fantasien, ganz normal sind. Die Frauen mit Respekt und Anstand behandeln und ihre böseartige Seite für die Zeit aufbewahren können, in denen man gemeinsam diese Seite ausleben will. Inzwischen habe ich viele tolle Männer mit BDSM Neigung kennengelernt, wobei es mir am Anfang sehr schwierig gefallen ist, eben jene zu finden.

Irgendwann als ich mit einigen Freunden über das Thema gesprochen habe, stellte Xander die These auf, dass zwar die meisten Männer die auf BDSM stehen zwar vernünftige Menschen sind, aber meistens in langen Beziehungen leben oder langfristigen Spielbeziehungen haben und daher nur selten auf der Suche nach einer Sub sind. Demgegenüber gibt es eine kleine Gruppe von Männern mit eher schwierigen Vorstellungen, die es nicht schaffen, eine Frau langfristig an sich zu binden, da sie Vorstellungen haben die zu Problemen führen oder mit Lügen arbeiten die ihre angebliche Erfahrung unterstreichen sollen und sich mit der Zeit als unhaltbar erweisen.

Ich kann jeder Frau, die sich auf die Suche nach dem Gegenpart ihrer Fantasien macht, nur raten, sich Zeit zu lassen und den richtigen zu suchen, auch wenn der Weg schwierig ist und frustrierend sein kann. Es gibt wundervolle Menschen in der BDSM Szene und die guten Dinge kommen zu denen, die warten können.

Natalia

8 Gedanken zu „Gänsehaut im Zoogeschäft

    • Hallo,

      vielen Dank für deinen lieben Kommentar 🙂

      Ich bin mir sicher, dass du das haben wirst. Es ist einfach eine Sache, die Zeit beansprucht und nicht von jetzt auf gleich klappt (meistens 😉 )

      Liebe Grüße

      Natalia

  1. Bei der Beschreibung deines ersten Daten hab ich nen Lachanfall bekommen und der ist mir im Hals stecken geblieben – so typisch Möchtegern (und die hinterlassen so viel verbrannte Erde)…. einer der vielen, die nicht verstanden haben, dass Sub sich dem Dom schenkt und nicht Mann sich eine Frau nimmt, und denkt, er bräuchte bei ner Sub eben sonst keine Qualitäten außer komische Befehle geben zu können und Frau folgt schon (und das dafür Vertrauen notwendig ist). Über so „Doms“ kann ich nur lachen!

    • Hi Kari,

      leider hab ich schon einige solche Männer kennengelernt – auch wenn ich natürlich inzwischen ein ganz gutes Gespür für die Volldeppen entwickelt habe und mich nicht mehr mit ihnen Date. Aber ich kann mir vorstellen, dass viele grade unerfahrene Frauen auch durchaus nicht wissen wie sie reagieren sollen und vielleicht den Eindruck gewinnen BDSM wäre wirklich so. Leider gibt es auch wenige wirklich gute Informationsquellen die man leicht findet. Die Datingportale die dann auch noch den Anschein machen das sich dort vernünftige Menschen treffen, sind bei google weiter oben…

      LG

      Natalia

      • Das ist leider genau das Problem – gerade unerfahrene angehende Subs können bei solchen Deppen-Doms den Spaß am Spiel verlieren, bevor er überhaupt angefangen hat. Das Problem bei diesen „Doms“ ist, dass es ihnen eh nur um sich geht und ihnen das scheiß egal ist. Deswegen bin ich froh darüber, dass immer mehr Seiten über solche Möchtegerns aufklären. Als ich angefangen und mich im Netz schlau gemacht habe, gab es das leider nicht. Ich bin zwar zum Glück nie an so einen geraten – nicht mal bei nem Date – aber oft genug im Netz und ich denke nur mein starkes Selbstwertgefühl hat mich davor bewahrt, denen auch nur einen halben Satz zu glauben. Oft genug hab ich dafür zu hören bekommen „Du bist doch gar keine richtige Sub!“.

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