Die Zahnbürstenstrafe

easyhardDer Morgen unseres zweiten Urlaubstages bricht an, als sich die Sonnenstrahlen durch die Spalten des Schlagladens vor dem Fenster zwängen und unsere Augen mit ihrem hellen Licht locken. Wir Frühstücken ganz schrecklich gesund und machen uns dann mit unseren Mountainbikes auf Richtung Lift, in der Mitte des Ortes.

Unsere Fahrräder werden ordentlich in zwei aufeinanderfolgenden Sesseln verstaut und im dritten nehmen wir Platz. Langsam gleitet der Lift über die Baumwipfel immer höher hinauf bis wir endlich die Bergstation erreicht haben. Wir blicken die schmalen Pfade hinab, steigen auf die Mountainbikes und rasen den die oberste Etappe Richtung Tal. Wir bleiben kurz vor einem Schild stehen auf dem sich die Strecke in eine für Weicheier und Adrenalinjunkies teilt, grinsen uns an und donnern den Berg hinab.

Wir halten erst als wir an einen kleinen See kommen, doch je genauer wir ihn uns ansehen, desto mehr ekliges Getier erblicken unsere Augen und als schließlich ein Hund mit vollem Karacho an uns vorbei in den Tümpel springt und den Schlamm aufwirbelt ist uns klar, dass wir wohl hier nicht baden werden. Langsamer fahren wir über eine Wiese, bis wir endlich auf den Waldweg kommen der ganz kurz unter unserer Hütte endet.

Wir liefern uns ein Rennen hinab über den immer breiteren Weg, als mein Liebster plötzlich scharf bremst und durch das Gebüsch hinab auf eine Wiese blickt. Nur wiederwillig fahre ich den Berg wieder zu ihm hinauf und sehr auf der Wiese etwas versteckt eine große alte Badewanne mit Füßen stehen die offensichtlich als Kuhtränke benutzt wird. Ich knurre, dass ich schon immer so eine Badewanne haben wollte und hier wir sie für’s Vieh verwendet. Mein Liebster grinst, wir bahnen uns einen Weg durch das Gebüsch und halten Ausschau nach den Rindviechern – doch weit und breit ist keines zu sehen.

Dann plötzlich sagt er, schau mal ob Strom auf dem Zaun ist – ich sehe ihn an – und entgegne hämisch, dass er es ja selbst herausfinden kann. Er grinst, doch als ich mich umdrehe, sagt er, dass wir es gemeinsam herausfinden können. Wir halten beide unsere Hand über den Zaun und mein Liebster beginnt zu zählen. Bei drei sehe ich mit Schrecken, dass seine Hand wirklich den Zaun berührt und er mich nicht wie ich vermutet habe reinlegen wollte. Schnell greife ich nach dem Zaun, doch seine Augen strafen mich bereits bevor meine Finger den Draht berühren. Schweigend schüttelt er den Kopf, dreht sich um und geht zurück zu den Fahrrädern. Ich sprinte schnell hinterher und beginne nach Worten für meine Verteidigung zu suchen, als er kühl und mit unterschwellig durch schwingendem Ton, dass er mich doch reingelegt hat, vorzuhalten beginnt, dass ich ihn alleine an den Zaun habe packen lassen. Den ganzen Weg bis zur Hütte muss ich mir anhören, was ich für eine gemeine Person bin und den packt gebrochen hätte gemeinsam den Zaun anzufassen.

Zuhause angekommen biete ich schnell an einen frischen Orangensaft zu pressen – doch wie sollte es anders sein, beginnt er sofort wieder mit hämischen Ton anzunehmen, dass ich ihm ja doch keinen machen würde und er auf der Terrasse verdursten müsste wenn er sich keinen selbst pressen würde und besteht darauf für uns beide einen zu machen. Mein liebster stellt mir mit kaltem, abweisendem Grinsen ein großes Glas Orangensaft auf den Tisch. Seine Worte vergiften meinen Verstand und ich fühle mich immer schlimmer. Als er sich zu mir an den Tisch setzt und an seinem Orangensaft nippt, sagt er, dass mir hoffentlich klar sei, dass ich bestraft werden müsse – ich kneife die Augen zusammen und sehe ihn an. Er trinkt einen großen Schlug Orangensaft und sagt, aber erste heute Abend.

Am Nachmittag, nach dem Essen und zwei weiteren Abfahrten, setze ich mich in die Sonne und lese ein Buch und habe schon fast vergessen was ich mir heute Morgen alles anhören musste, als ich plötzlich gepackt werde. Mein Herr legt mir Handschellen an, ich bekomme einen Klaps auf den Po und dann zwingt er mich ins Bad. Ich muss meine Zahnbürste nehmen, dann gehen wir hinaus zurück zum Waldweg, ich muss durch das Gebüsch und über den Zahn auf die Wiese. Mein Herr verliert keine Zeit mit Worten und zwingt mich zur Badewanne die als Viehtränke umfunktioniert wurde. Er hat den Stöpsel gelöst und das Rohr, dass das Wasser bringt, plätschert auf den leeren Wannenboden. Mein Herr hält mir plötzlich eine Flasche Scheuermilch vor die Nase und erklärt mir, dass ich zur Strafe die ganze Wanne mit meiner Zahnbürste putzen muss.

Ich grinse, doch sein eiskaltes „du fängst besser an wenn du heute noch fertig werden willst“, fegt es aus meinem Gesicht und lässt es erstarren als mein Herr sich ohne weitere Worte umdreht und geht. Ich starre in die Wanne und dann wieder zu ihm, als er ohne inne zu halten sagt, die putzt sich nicht von alleine Schlampe und du solltest besser fertig sein wenn ich zurück komme.

Ich starre wieder in die Wanne und fange fluchend an mit meiner winzigen Zahnbürste die riesige Badewanne zu schrubben. Plötzlich höre ich Stimmen auf dem nahen Waldweg und halte inne – wenn mich so jemand sieht – doch zum Glück hat mich niemand bemerkt. Ich lasse das Fluchen lieber und schrubbe weiter an der Wanne. Immer wieder höre ich Stimmen und Fahrzeuge auf der nahen Straße die mir das Blut beinahe in den Adern gefrieren lassen. Ich stelle mir vor, wie die Kühe auf die Wiese kommen, wie der Bauer schimpfend mit der Mistgabel hinter mir her ist, wie Kinder mich vom  Waldweg aus sehen. Immer wieder lassen mich Geräusche aufschrecken, immer wieder spielt mir mein Verstand einen Streich und lässt mich glauben, dass jemand kommt.

Als es dämmrig wird kommt mein Herr endlich und begutachtet meine Arbeit. Ich halte die völlig zerstörte Zahnbürste in der Hand und beobachte wie er die Wanne nach nicht geputzten Stellen absucht. Er grinst mich kalt an und öffnet meine Handschellen. Ich muss mit den kurzen Weg bis zur Hütte zurück, wo auf dem Herd vier große Topfe mit sprudelndem Wasser kochen. Wir nehmen beide einen Topf und bringen ihn hinab zu Badewanne. Wir füllen alle vier Töpfe hinein, doch sie ist noch lange nicht voll. Mein Herr verzieht das Gesicht und wir holen warmes Wasser aus dem Bad und langsam füllt sich die Wanne soweit, dass wir das Wasser mit kaltem aus dem Rohr der Tränke strecken können.

Herrlich dampft das Bad in der Dämmerung. Ich bringe die Töpfe zurück und mein Herr positioniert taktisch Mückenspiralen um die Wanne. Wir grinsen uns an, geben uns einen Kuss und können nicht fassen wie lange es dauert die Kleider vom Körper zu streifen. Wann entspannen wir uns während das Wasser über den Rand der Wanne schwappt und es langsam immer dunkler wird.

(In eigener Sache:

Liebe Leserinnen und Leser,

dies ist für eine Weile mein wahrscheinlich letzter Eintrag, da ich mich die nächsten Wochen, in denen ich endlich einmal weniger arbeiten muss, um mein Buch kümmern möchte. Ich den kommenden Wochen wird Xander einige Einträge verfassen und noch ausstehendes nachholen. Und ja, dieses Mal habe ich es mir versprechen lassen, dass es ein paar Einträge gibt und ihr könnt ihn gerne daran erinnern 😉

Ich werde als nächstes einige Leseproben veröffentlichen und würde mich über eure Meinung und Kritik freuen.

Natürlich werden wir den Blog weiterführen, nur wird die Aufgabe vorübergehen mehr Xander zufallen, der sich lange genug drücken durfte.

Liebe Grüße

Nadine)

6 Gedanken zu „Die Zahnbürstenstrafe

  1. Liebe Nadine,

    danke für den schönen Eintrag und auch für die Ankündigung der „Pause“. Ich lese hier sehr gerne mit, wenn auch schweigend, nutze die Gelegenheit aber gerne, um dir alles Gute für die Arbeit am Buch zu wünschen. Ich bin gespannt auf die Leseproben!

    Liebe Grüße
    Michael

      • Ich bin bis jetzt zwar auch nur unveröffentlichter Hobbyschriftsteller, aber trotzdem gebe ich dir den Tipp, dir so wenig Gedanken wie möglich über den ersten Entwurf zu machen. Schreib einfach drauflos, schalte den inneren Zensor weitgehend aus und lass dich selbst dabei überraschen, was herauskommt. Die eigentliche Arbeit bringt dann das (leidige) Überarbeiten hinterher. Aber das kommt eben auch erst hinterher.

        Und immer an das unsterbliche Zitat von Ernest Hemingway denken: der erste Entwurf ist immer Scheiße! 😉

  2. Hey,

    schöner Eintrag, das mit der Badewanne find ich echt schön. Bei “ mein wahrscheinlich letzter Eintrag“ war ich eben im ersten Moment geschockt. ^^ Wie läuft es denn so mit dem Buch ?

    Ich bin auch schon total gespannt auf die Leseproben und freue mich darauf, wenn es das Erste aus dem Buch zu lesen gibt. 😉 (Aber nicht, dass dir dann hier für das Buch was geklaut wird, man weiß ja nie…^^)

    Wünsche dir bei allem viel Erfolg und ich bin ja mal gespannt wie gut Xander seine Aufgabe erfüllt 😛

    Lieben Gruß, kitty

    • Hey,

      entschuldige dass ich dich geschockt habe und auch dafür, dass ich erst jetzt antworte :-/ Hatte in den letzten Tagen viele Internetprobleme 😦

      Ach mit dem Buch ist es etwas schwierig, weil ich nicht so recht weiß wie ich es schreiben soll – also vom Stil her – und weil ich noch überlege wieviele persönliche Dinge ich preisgeben will und wo ich lieber etwas gestalterische Freiheit nutzte.

      Ich hab so das Gefühl, dass ich Xander noch einmal an sein Versprechen erinnern muss 😉

      Lg

      • Achwas, kein Problem, dafür brauchst dich ja nicht zu entschuldigen 😉

        Haha 😀 Naja der erste Eintrag hat ja schonmal geklappt *g*

        LG 🙂

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